Archiv-Beitrag vom 02.12.2009Weitere "Stolpersteine" werden verlegt

Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus - Gegen das Vergessen

Gunter Demnig bei der ersten Stolpersteinverlegung in Mülheim am 18. Dezember 2004Im Dezember 2004 hatte die Realschule Stadtmitte in der Erinnerung an ehemalige Schülerinnen und Schüler dieser Schule gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig die ersten von ihm entwickelten "Stolpersteine" in unserer Stadt verlegt. (Foto links)

Die MIT - Mülheimer Initiative für Toleranz hat es inzwischen übernommen, diese wichtige Aufgabe zur Aufbereitung eines wesentlichen Teiles unserer Stadtgeschichte fortzuführen.

Am 2. April 2009 verlegte der Künstler Gunter Demnig zuletzt 8 „Stolpersteine“ an 6 Orten in unserer Stadt. Gegen das Vergessen!

An der Düsseldorfer Straße 38 wurde ein Stolperstein für Anna Lehnkering verlegt, an der Liebigstraße 27 für Johann Hörstgen, an der Duisburger Straße 83 für Adolf und Johann Kaufmann, am Winkhauser Weg 82 für den KPD-Stadtverordneten Fritz Terres, an der Bonnstraße 14 für Paul Meister und für Hermann und Hildegard Haber an der Rheinischen Straße 12.

 

Gunter Demnig hat weitere Stolpersteine verlegt. Stolperstein für Anna Lehnkering, Düsseldorfer Str. 38 02.04.2009 Foto: Walter Schernstein Gunter Demnig hat weitere Stolpersteine verlegt. Stolperstein für Anna Lehnkering, Düsseldorfer Str. 38 02.04.2009 Foto: Walter Schernstein

Der Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung von 8 "Stolpersteinen" im April dieses Jahres in unserer Stadt; hier in Gedenken an Anna Lehnkering. (Fotos: Walter Schernstein)

 

Insgesamt 52 der Stolpersteine liegen nun im Stadtgebiet und halten so die Erinnerung an die NS-Opfer wach. "Die Spendenbereitschaft der Mülheimer Bürger und das Interesse ist enorm. Im kommenden Kulturhauptstadtjahr können wir den 100. Stolperstein verlegen!", zeigt sich Jens Roepstorff vom Stadtarchiv erfreut. "Es gibt dankenswerterweise viele Menschen, die die Opfer der Hitler-Herrschaft vor dem Vergessen retten wollen.", ergänzt sein Mitstreiter Friedrich-Wilhelm von Gehlen. Und nicht nur aus Mülheim an der Ruhr. "Aktuell erreichte das Stadtarchiv sogar eine E-Mail aus Mexiko. Ein Urenkel des ebenfalls ermordeten ehemaligen Kantors der Jüdischen Gemeinde Mülheim, Gutmann Plachschinski, und seiner Frau, meldete sich aufgrund des Internetbeitrages zu den "Stolpersteinen" jetzt aus dem südamerikanischen Land. Rodolfo Plachschinski wird es zwar nicht einrichten können, bei der kommenden Verlegung dabei zu sein, doch er war sehr dankbar für diese Initiative.", so von Gehlen.

So auch Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Sie unterstützt seit Beginn die MIT und das Stadtarchiv bei dieser Aktion und hat für die nächste Verlegung sogar einen ganz persönlichen Grund zur Erinnerung: eines der NS-Opfer, für die ein weiterer "Stolperstein" in Mülheim verlegt wird, ist ihr Großonkel Karl Briel.

"Ich wusste gar nicht, dass er ein Verfolgter war.", so die OB. Dank der umfangreichen Recherchearbeit durch die Schülerinnnen und Schüler der Klasse 10 der Realschule Broich im Stadtarchiv kam es ans Licht.
Daneben recherchierte die Realschule Mellinghofer Straße das Schicksal des Opfers Juliane Tobias.

Mülheimer Stolpersteine – gegen das Vergessen der Opfer des Nationalsozialismus

 "Mir ist das Thema auch deshalb so wichtig, weil es dadurch gelingt, junge Menschen für diese Geschichte und gegen das Vergessen zu gewinnen." erklärt die OB und dankte gleichzeitig den bisher beteiligten Schulen sowie dem Stadtarchiv. Dessen Leiter Dr. Kai Rawe ist stolz darauf, das Projekt begleiten zu dürfen. "Ich freue mich, mit dem Stadtarchiv einen wichtigen Beitrag zu dem Projekt leisten zu können.", so Rawe.

 

 

Mit Gunter Demnig wurde der 7. Dezember 2009 zur Verlegung der nächsten "Stolpersteine" verabredet. Gunter Demnig wird an diesem Tag in unsere Stadt kommen und insgesamt 21 "Stolpersteine" an sieben Orten verlegen.

Im Einzelnen ist diese Verlegung wie folgt vorgesehen:

 9.00 Uhr - Theodor-Heuss-Platz im Gedenken an die Familie Jaegers, einstmals Vorsterstraße 5

 9.30 Uhr - Bachstraße 31 im Gedenken an die Geschwister Carsch

 9.50 Uhr - ehem. Bachstraße 47 im Gedenken an Karl Briel

10.10 Uhr - Eppinghofer Straße 83 im Gedenken an die Eheleute Gutmann Plachschinski und Karl Jonas

11.00 Uhr - Friedrich-Ebert-Straße 92 im Gedenken an Rudolf Mintgens

11.30 Uhr - Wörthstraße im Gedenken an Johann Vier.

 

Die Familie Jaegers wohnte früher in der Vorsterstraße 5; eine Straße, die aus dem Stadtbild gänzlich verschwunden ist. Die an die fünf Mitglieder der Familie Jaegers erinnernden "Stolpersteine" werden neben dem Eingang der Stadthalle verlegt, in Blickrichtung auf die ehemalige Vorsterstraße.
Das Haus Bachstraße 47 steht auch nicht mehr. Der Stein wird im Übergang von der Kaiserstraße zum Forum verlegt werden, neben dem beginnenden Zebrastrstreifen.
Auch das Haus Löhstraße 53 gibt es nicht mehr. Hier wird der Stein im Bereich der Eisenbahnunterführung der Löhstraße verlegt.

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist."


Bundesweit hat der Künstler Demnig nun schon 19000 Steine verlegt, um den Opfern der NS-Diktatur an ihrem letzten Wohnort ein Denkmal ins Straßenpflaster zu setzen.

In Mülheim werden nur Stolpersteine verlegt, wenn die Biografien der Opfer vorliegen. Der Arbeitskreis wirbt daher um Rechercheure, die im Stadtarchiv nach solchen suchen und dies entsprechend dokumentieren.

Die Biografien der Opfer für die jetzige Verlegung sind ebenfalls dort dokumentiert. Weitere Infos zu der gesamten Aktion Stolpersteine gibt es im Netz unter

www.stolpersteine-mh.de

und unter www.stolpersteine.com

 

Kontakt


Stand: 03.12.2009

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