Archiv-Beitrag vom 20.03.2013Weitere "Stolpersteine" wurden verlegt

Migration & Geschichte: Arbeitskreis Stolpersteine

Die Realschule Stadtmitte hatte im Jahre 2004 begonnen, im Zusammenhang mit ihrem damaligen 75-jährigen Schulbestehen, in Erinnerung und im Gedenken an ehemalige Schülerinnen und Schüler, gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig die von ihm entwickelten „Stolpersteine“ zu verlegen.

Inzwischen hat es die MIT – Mülheimer Initiative für Toleranz übernommen, diese wichtige Aufgabe zur Aufbereitung eines wesentlichen Teiles unserer Stadtgeschichte fortzuführen. Mitglieder dieses Arbeitskreises arbeiten gemeinsam mit unserem Stadtarchiv daran, Recherchearbeiten durchzuführen und so die Voraussetzungen zu schaffen, die „Aktion Stolpersteine“ in unserer Stadt fortzuführen. Friedrich-Wilhelm von Gehlen, Sprecher des Arbeitskreises, der zudem gewissermaßen „geschäftsmäßig“ für die „Aktion Stolpersteine“ tätig ist, sowie Jens Roepstorff, der im Stadtarchiv die Aktion begleitet, Recherchen durchführt und dafür sorgt, dass sie stets aktuell auf www.stolpersteine-mh.de  nachzulesen ist.

In regelmäßigen Abständen tauschen sich die Mitglieder des Arbeitskreises aus und versuchen, nicht nur Namen, Geburts- und Sterbedaten der Opfer des nationalsozialistischen Gewaltregimes festzustellen, sondern bemühen sich darüber hinaus darum, „den Opfern ein Gesicht zu geben“.

Den Opfern ein Gesicht geben

100 dieser „Stolpersteine“ wurden im Laufe der Zeit im Stadtgebiet verlegt. Mit ihnen wird an die Menschen erinnert, die durch Gräueltaten des nationalsozialistischen Unrechtsregimes ihr Leben verloren haben.
Am 22. März konnten 10 weitere
verlegt werden und nunmehr sind 110 „Stolpersteine“ in Erinnerung an die Opfer in Mülheim verteilt.
Bei allen Opfern handelt es sich um Menschen, die wegen ihres jüdischen Glaubens umgebracht wurden.
"'Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, muss sie wiederholen', hat einstmals der amerikanische Dichter und Philosoph George Santayana (1863-1952), gesagt.
Und so tragen diese „Stolpersteine“ ein Stückweit dazu bei, die Erinnerung an eine unselige Zeit unserer Geschichte wachzuhalten. Sie sind ein wichtiges Kapitel gelebter Erinnerungskultur in unserer Stadt. Als Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft identifiziere ich mich sehr stark mit dieser Aufbereitung unserer Geschichte und bin allen sehr dankbar, die sich hier in so vorbildlicher Weise engagieren," sagt Bürgermeister Markus Püll.

Er begleitete in Vertretung von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, der Moderatorin der MIT – Mülheimer Initiative für Toleranz, die Verlegung der weiteren Stolpersteine.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hatte die Idee dazu entwickelt, und 1997 in Berlin-Kreuzberg  die ersten „Stolpersteine“ verlegt. Inzwischen liegen in über 600 deutschen und europäischen Städten mehr als 36.000 dieser „Stolpersteine“. Es werden täglich mehr.

Die 10 weiteren „Stolpersteine“ wurden an sechs Orten verlegt:

  • vor dem Haus Leineweberstraße 47, in der Erinnerung an die Schwestern Jenny und Sophie Marx,
  • vor dem Haus Viktoriastraße 26, in der Erinnerung an die Eheleute Karl und Martha Pless,
  • vor dem Haus Kohlenkamp 34 in Erinnerung an Antonie Kox,
  • vor dem Haus Friedrich-Ebert-Straße 76, erinnernd an die Eheleute Fritz und Helene Bleiweiß,
  • vor dem Haus Steiler Weg 19, für Frau Henny Schröter sowie
  • vor dem Haus Düsseldorfer Straße 113, für die Eheleute Josef und Karoline Philipps.

Ausstellung im Rathausfoyer

Darüber hinaus ist gegenwärtig im Rathaus, unter der Patenschaft von Bürgermeister Püll eine Ausstellung der Realschule Mellinghofer Straße zum Thema „Stolpersteine“ aufgebaut. Sie wurde am 28. Februar eröffnet und wird noch bis Mitte Juli im Rathausfoyer zu sehen sein.

Eröffnung der Stolperstein-Wanderausstellung

Insgesamt sind nun 110 Steine an 60 Orten in Mülheim verlegt:

  • 83 Opfer waren wegen ihres jüdischen Glaubens umgebracht worden
  • 5 Steine erinnern an politisch verfolgte Personen,
  • 5 Steine wurden verlegt für Bibelforscher,
  • 4 Steine erinnern an geistig behinderte Personen, sogenannte
    Euthanasieopfer
  • 2 Steine wurden Mitgliedern des Widerstandes gegen Hitler gewidmet, Günther Smend und Dr. Otto Weiß,
  • 1 Stein erinnert an einen Angehörigen der Roma/Sinti,
  • 10 Steine erinnern an andere Opfergruppen, zum Beispiel „in denTod getrieben“, auch an denunzierte und verurteilte Personen.

 


 

Opfer-Biographien

Eheleute Karl und Martha Pless
Antonie Kox
Sophie und Jenny Marx
Eheleute Fritz und Helene Bleiweiß
Henny Schröter
Josef und Karoline Philipps

 

Eheleute Karl und Martha Pless
Karl Pless wurde am 11. März 1877 in Stargard, Pommern, geboren. Er machte eine kaufmännische Ausbildung und ließ sich zunächst in Ruhrort nieder.
Im Jahre 1902 zog er nach Mülheim an der Ruhr, um eine Anstellung als Geschäftsführer des Kaufhauses Alsberg anzutreten.
Zwischen 1902 und 1908 lernte er vermutlich seine (spätere) Frau Martha Rosenberg kennen, die aus Dortmund stammte und 10 Jahre jünger war als er. Die Eheschließung ist in Mülheim an der Ruhr nicht überliefert. Vermutlich fand die Hochzeit noch in Dortmund statt. 1908 wurde der älteste Sohn Werner geboren. Es folgten drei weitere Kinder: 1909 Sohn Herbert sowie 1913 die Zwillinge Walter und Ernst.
Zunächst lebte die Familie in der Friedrichstraße, später unter verschiedenen Adressen in der Viktoriastraße (zuletzt hier unter der Hausnummer 26).
Karl Pless mit seinem Sohn Herbert auf dem Weg zum Gottesdienst in der Synagoge (1933)Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus emigrierten nach und nach sämtliche Kinder der Familie Pless.
Den Anfang machte 1933 Sohn Herbert, als er nach seinem Jurastudium aufgrund seiner jüdischen Herkunft von der deutschen Referendarsausbildung ausgeschlossen wurde. Er ging nach Frankreich, um dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sein Bruder Ernst entschloss sich zur Auswanderung nach Palästina. In der Vorbereitung darauf absolvierte er eine landwirtschaftliche Ausbildung in Mecklenburg. 1938 erhielt er die notwendigen Papiere und verließ Deutschland.
Walter Pless befand sich bereits seit 1930 zur Ausbildung in Düsseldorf. Er zog 1933 aus beruflichen Gründen nach Berlin, wohin ihm seine Eltern 1935 folgten.
Gemeinsam mit seinem Vater baute er dort ein neues Geschäft für Damenkonfektionskleidung auf, bevor er 1936 nach Südafrika auswanderte.
Auch die Eltern dachten darüber nach, Deutschland zu verlassen und in Palästina einen Neuanfang zu wagen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs war diese Chance jedoch vertan. Sie wurden 1942 vermutlich erst nach Theresienstadt und später nach Riga deportiert. Da sich das genaue Schicksal nicht klären ließ, wurden sie nach Kriegsende für tot erklärt.
Das Schicksal des ältesten Sohns Werner ist unbekannt, die anderen drei Söhne überlebten den Holocaust in der Emigration.
Zwar wohnten die Eheleute Pless zuletzt in Berlin. Sie waren dort, wie wir feststellten, nie richtig angekommen, denn weder bei der Meldebehörde noch im Berliner Adressbuch ist ein Berliner Wohnsitz vermerkt, so dass wir hier den letzten von ihnen freiwillig gewählten letzten Wohnsitz unterstellen und deshalb auch die „Stolpersteine“ für sie verlegen.

Antonie Kox
„Antonie ("Toni") Kox wurde am 20. August 1891 als Tochter des jüdischen Ehepaars Salomon und Johanna Rosenbaum in Mülheim an der Ruhr geboren.
Aus ihrer 1916 mit dem Verlader Ernst Kox geschlossenen Mischehe - Ernst Kox war Katholik - gingen die beiden Zwillingstöchter Ruth und Alice hervor. Die Ehe wurde 1935 geschieden.
Nach ihrer Scheidung zog Antonie Kox von der Bachstraße in das Haus  Kohlenkamp 34.  Am 10. November 1938 - dem Tag nach der Reichspogromnacht - drangen mehrere SA-Leute in ihre Wohnung ein und zerschlugen Mobiliar, Porzellan und andere Haushaltsgegenstände. Sie zerschnitten Betten, Kissen und Decken.
Im November 1939 wurde durch eine Polizeiverordnung die Möglichkeit geschaffen, Juden an bestimmten Orten zu konzentrieren, die Vorbedingung für ihre Ghettoisierung.
In Mülheim wurden daraufhin viele jüdische Mitbürger in sogenannten „Judenhäusern“ untergebracht. So auch Antonie Kox, die mit ihrer Tochter Ruth in die Löhstraße 53 umziehen musste.
Das Haus, ehemals im Besitz von Moritz Heymann,  gehörte zu diesem Zeitpunkt der Jüdischen Gemeinde.
Nach der Zerstörung der Synagoge im November 1938 wurden dort der Gottesdienst, der Religionsunterricht und verschiedene andere Gemeindeaktivitäten abgehalten.
Als Jüdin im Sinne der Nürnberger Gesetze wurde Antonie Kox am 10. Dezember 1941 von der Gestapo festgenommen und zusammen mit 25 weiteren Mülheimern jüdischen Glaubens zum Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf gebracht.
In der vor dem Bahnhof gelegenen Schlachthofhalle mussten sie sogenannte Einziehungsverfügungen unterschreiben, die Grundlage waren für die Beschlagnahme ihres Wohnungsinventars.
So wurde auch Antonie Kox’ Wohnungseinrichtung von der Gestapo beschlagnahmt. Später beauftragte man das Finanzamt in Mülheim damit, die Gegenstände zu veräußern.
Insgesamt umfasste der Deportationstransport nach Riga 1007 Menschen jüdischen Glaubens, hauptsächlich aus niederrheinischen Gebieten. Zusammen mit Antonie Kox wurde auch ihre Tochter Ruth deportiert. Ruths Zwillingsschwester Alice war dagegen bereits 1936 rechtzeitig in die USA ausgewandert.
Es gibt eine ausführliche Dokumentation über den Transport nach Riga, verfasst von dem begleitenden Polizeioffizier Hauptmann Salitter, in dem die unmenschliche Behandlung der Deportierten zum Ausdruck kommt. Der Transport erreichte Riga am 13. Dezember 1941 um 23:35 Uhr und blieb bis zum nächsten Morgen bei minus 12 Grad auf den Gleisen stehen. Antonie und Ruth Kox wurden dann in das dortige Konzentrationslager verbracht.
Während Ruth Kox das Lager überlebte, starb ihre Mutter im Beisein der Tochter am 15. März 1945 - fünf Tage nach der Befreiung des Lagers durch sowjetische Truppen.“
Ein bewegendes Schicksal, das uns auch heute noch sehr nahe geht. Da ist es wichtig, dass an Frau Antonie Kox, so viel Demütigung und Leid erleben und letztlich alles auch noch mit ihrem Leben bezahlen musste, mit diesem „Stolperstein“ erinnert und ihrer hier an dieser Stelle dauerhaft gedacht wird.

Sophie und Jenny Marx
Sophie Marx wurde am 18. November 1875, ihre Schwester Jenny am 25. Februar 1879 im hessichem Frankenberg (Eder) geboren. Sie waren beide jüdischen Glaubens. Die jüngere der beiden Schwestern, Jenny, zog 1904 nach Mülheim, nachdem sie zuvor einige Jahre in Duisburg gelebt hatte. Die ältere Schwester folgte ihr 1913.
Beide wohnten von 1914 his Ende 1933 gemeinsam in einer 5-räumigen Wohnung im Haus der Familie Hardt in der Leineweberstraße 22-24. Dann zogen sie um in eine 3-räumige Etagenwohnung in der Leineweberstraße 4. Diese war gutbürgerlich eingerichtet. Beide Frauen waren sehr belesen, was auch in ihrer umfangreichen Bibliothek zum Ausdruck kam. Jenny Marx war zudem Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Literatur und Kunst in Mülheim.
Bis zum Juli 1913 betrieben die beiden Schwestern ein Geschäft für Damen- und Herrenmode auf der Leineweberstraße 22. Nachdem sie aus unbekannten Gründen ihr Geschäft aufgegeben hatten, eröffneten sie im Okotber 1931 eine Wäschannahmestelle an gleichem Ort. Diese bestand bis 1935.
Im Februar 1942 wurden Sophie und Jenny Marx durch die Behörden genötigt, ihre Wohnung in der Leineweberstraße räumen und in das "Judenhaus" in der Eppinghofer Straße 133 umziehen. Ihr umnfangreiches Mobiliar konnten sie dabei nicht mitnehmen. Laut Wiedergutmachungsakte mussten sie dabei einen Großteil der Möbel und Gegenstände zu Schleuderpreisen verkaufen.
Die Stolpersteine für die Schwestern Sophie und Jenny MarxZwei Monate später erhielten sie die Aufforderung, sich für eine Deportation in den Osten bereit zu halten. Zusammen mit 14 weiteren Juden aus Mülheim wurden sie am 22. April 1942 zum Bahnhof gebracht, um dann über Düsseldorf-Derendorf nach Polen ins Konzentrationslager Izbica gebracht zu werden. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Jenny Marx noch über ein Sparbuch von rund 200 Reichsmark, Münzen und Silber. Alle zu Deportierenden auf diesem Transport hatten 25 Prozent ihres Vermögens an die Reichsvereinigung der Juden zu "spenden". Von diesem Konto, das die Gestapo verwaltete, wurden die Transportkosten beglichen. Obwohl der Deportationszug nur aus Güterwagen bestand, waren die "Passagiere" als Reisende dritter Klasse gebucht. Bevor man sie in die Wagen pferchte, beraubte man die Juden im Güterbahnhof Derendorf noch iher wenigen Habseligkeiten. Im Zug fuhren neben einigen jüdischen Ordnern ein Offizier und 15 Mann als Begleitkommando mit.
Izbica war der Kreuzungspunkt zweier wichtiger Bahnlinien und sollte als Sammelpunkt dienen für die spätere Fahrt in ein Vernichtungslager. Laut amtlicher Angaben hat von den in das LAger Izbica eingelieferten Personen niemand das Jahr 1943 überlebt. Jenny und Sophie Marx wurden weiter nach Auschwitz verbracht, wo sich ihre Spuren verlieren. Am 8. Mai 1945 wurden die beiden Schwestern für tot erklärt.

Eheleute Fritz und Helene Bleiweiß
Der Kaufmann Fritz Bleiweiß wurde am 23. Dezember 1873 in Österreich geboren und lebte seit dem 6. Juli 1914 in Mülheim an der Ruhr. Seine Ehefrau Helene (geborene Spieldoch) wurde am 4. April 1884 in einer kleinen Stadt in der Nähe von Posen geboren. Beide waren jüdischen Glaubens. Bis zu ihrer Übersiedlung am 27. September 1933 nach Den Haag in den Niederlanden lebten sie in der Hindenburgstraße 76.
Das Ehepaar Bleiweiß hatte zwei Söhne, den am 26. August 1906 geborenen Dagobert und den am 5. Mai 1912 geborenen Heinz. Beide Söhne überlebten den Krieg, da sie bereits vor Kriegsbeginn nach Südamerika auswanderten. Dagobert verstarb 1971 in Chile. Heinz, genannt Enrique, lebte zuletzt in Miami (USA) und Rio de Janeiro (Brasilien).
Fritz und Helene Bleiweiß siedelten 1933 mit ihrem Sohn Dagobert nach Den Haag um. Heinz besuchte in der Zeit von 1928 bis 1932 eine Schule in den Niederlanden und emigrierte nach kurzer Zeit nach Mülheim an der Ruhr, 1935 nach Chile. Dagobert folgte 1936 seinem Bruder nach Chile. Die Eltern Fritz und Helene blieben trotz der dringenden Aufforderung der beiden Söhne, ihnen nach Südamerika zu folgen, in den Niederlanden zurück, da sie es ablehnten, finanziell von ihnen abhängig zu sein.
Anfang 1940 entschlossen sie sich doch, dem Rat der Söhne zu folgen und erwarben sogar eine Fahrkarte. Die Nationalsozialisten verhinderten die Ausreise und ordneten die Übersiedlung der Eltern nach Utrecht an. Von dort wurden sie in das Durchgangslager Westerbork deportiert. 1943 erfolgte die Deportation von Fritz Bleiweiß nach Auschwitz, wo er 1945 verstarb.
Helene Bleiweiß erkrankte im Lager Westerbork und wurde daraufhin in Groningen medizinisch behandelt. Sie verstarb 1944, entweder im Krankenhaus von Groningen oder in Westerbork. Auf der Liste der für tot Erklärten des Lagers ist ihr Name allerdings nicht zu finden.

Henny Schröter:
Henny Schröter wurde als Henny Polack am 12. April 1892 in Apenrade - heute Dänemark - geboren. Am 31. Juli 1923 heiratete sie in einer so genannten Mischehe Georg Schröter, der aus dem schlesischen Goldberg stammte. Die Heiratsurkunde aus Paderborn weist Henny Schröter als "Volljüdin" aus, während ihr Ehemann der evangelischen Konfession angehörte.
Nach der Hochzeit lebten sie gemeinsam in Mülheim an der Ruhr, wo Georg Schröter 1922 eine Anstellung als Tiefbaumechaniker bei der Hafenabteilung der Stadtverwaltung gefunden hatte. Sie hatten eine gemeinsame Tochter, die am 5. Juni 1924 in Paderborn zur Welt kam.
Am 17. September 1944 wurden in Mülheim Juden, die in Mischehen lebten, verhaftet. Henny Schröter gelang zunächst die Flucht. Daher wurde ihr Ehemann am gleichen Tag von der Gestapo festgenommen. Einen Tag später meldete sich Henny Schröter bei der Polizei, um ihren Mann zu schützen. Daraufhin wurde er aus der Haft entlassen.
Nach einigen Wochen Gefängnishaft in Mülheim wurde Henny Schröter im Oktober 1944 in ein Lager nach Minkwitz in Sachsen deportiert. Von dort aus erfolgte die Verlegung in das Konzentrationslager Ravensbrück. Ihre Tochter blieb als Halbjüdin von der Deportation verschont.
In einem Brief vom 8. März 1945 erfuhr Georg Schröter vom Tod seiner Frau. Laut Mitteilung eines SS-Sturmbannführers war sie am 12. Februar im Krankenhaus von Ravensbrück an Herzmuskelschwäche gestorben. Nach Kriegsende erhielt Georg Schröter eine Entschädigung in Höhe von 600 DM zur "Entschädigung für Schaden an Freiheit".

Josef und Karoline Philipps
Joseph Philipps wurde am 21. August 1859 in Hengelo, Provinz Gelderland, Niederlande, als sechstes Kind der Eheleute Jacob und Helene Philipps, geborene Jacobs, geboren. Am 5. Februar 1890 heiratet er die am 8. Mai in Hörstgen am Niederrhein geborene Karoline Böninger. Das Paar zog laut Meldekarte am 1. November 1899 in das neu erbaute Haus Düsseldorfer Straße 113 und bewohnte fortan vier Räume in der ersten Etage.
Laut Meldekarte war Joseph Philipps als Metzger beschäftigt. Eine Zeitzeugin, die sich noch gut an das Ehepaar erinnert, bestätigte, dass er zuletzt diverse Metzgereien mit Gewürzen und anderen zu verabeitenden Zutaten beliefert habe.
Die Eheleute Philipps waren offenbar gut in die nachbarschaftlichen Strukturen eingebunden. In der Nachbarschaftsvereinigung Düsseldorfer Straße 96-147, die beim Tode eines Mitglieds die Träger zu stellen beziehungsweise einen finanziellen Beitrag zur Unterstützung der Hinterbliebenen zu leisten hatte, werden sie erstmals im Jahre 1915 als Mitglieder geführt. In einer Mitgliederliste aus dem Jahre 1940 sind sie nicht mehr als Mitglieder aufgeführt, obwohl die Eheleute bis zum Januar 1942 hier wohnten. Zum 28. Januar 1942 ist in ihrer Meldekarte ein Umzug in die Düsseldorfer Straße 16 vermerkt. Dies war das der Familie Leffmann gehörende Haus, das als sogenanntes Judenhaus für die kurzzeitige Unterbringung von Menschen jüdischen Glaubens in Anspruch genommen wurde.
Am 11. Mai 1942 zogen die Eheleute Philipps nach Düsseldorf in die Grafenberger Allee 78. Dieses der Synagogengemeinde Düsseldorf gehörende Gemeindehaus wurde ab 1939/40 als jüdisches Altersheim genutzt. Zum 15. Mai 1942 wurde durch das Meldeamt Düsseldorf ihr Eintreffen in der Stadt bestätigt und auf der Mülheimer Meldekarte eingetragen.
Am 21. Juli 1942 wurden die Eheleute Philipps nach Theresienstadt deportiert. Im Gedenkbuch des KZ Theresienstadt aus dem Jahr 1986 ist vermerkt, dass Karoline Philipps bereits wenige Tage nach ihrem dortigen Eintreffen am 30. Juli 1942 ermordet wurde.
Josef Philipps wurde - im Alter von 83 Jahren - am 14. September 1942 dort ermordet. Die Im KZ Theresienstadt ausgestellt Todesanzeige weist Mülheim an der Ruhr als seinen letzten Wohnort aus.

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Stand: 22.03.2013

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