Wiedereröffnung Kunstmuseum Alte Post 2009

 

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

zur Wiedereröffnung der Alten Post und Ausstellungseröffnung

am Samstag, 25. Juli 09, 17.00 Uhr,

Kunstmuseum Alte Post

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Liebe FreundInnen des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr,

liebe Gäste,

es gibt am heutigen Tag für mich vier Anlässe zur Freude:

Zunächst begrüße ich die neue Hausherrin, Frau Dr. Reese, herzlich in unserer Stadt - und natürlich hier im Kunstmuseum Alte Post. Seit vielen Wochen fiebern die Kunstinteressierten diesem Moment entgegen. Alle sind gespannt, wie Sie, liebe Frau Dr. Reese, das Museum in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren zu einem Ort der lebhaften Kommunikation über Bildende Kunst in der Stadt und über ihre Grenzen hinaus weiterentwickeln wollen.

Denn für uns ist klar: Die Kunst drückt aus, was die Menschen bewegt; was ihnen Halt gibt und wovor sie sich ängstigen. Für uns BetrachterInnen ist Kunst der Raum ohne Grenzen. Hier können wir - sei es sinnlich oder intellektuell- nach Sinn fragen, indem wir ein Gegengewicht zu Zweckbestimmungen und Funktionalisierungen schaffen. So wird Kunst zum Erfahrungsraum jenseits unserer marktgemäßen Rollen als Arbeitskraft und Konsument.

Kunst verwirklicht den alten Wunsch nach individueller Freiheit, nach Sinn- und Selbstbestimmung, Kunst ist aber auch der Ort phantasievoller Kritik und neuer Fragen nach Handlungsorientierung. Die brauchen wir täglich und deshalb brauchen wir ein lebendiges Kunstmuseum.

In der Sphäre der Kunst findet die ständige Selbstreflexion der Gesellschaft über ihre Werte und Standards statt. Deswegen ist es nicht nur für die Individuen und deren Lebensqualität, sondern auch für die Entwicklung der Gesellschaft wichtig, möglichst viele Menschen in jenen kulturellen Diskurs einzubeziehen, der mit dem Medium der Künste stattfindet.

Wir alle, sehr geehrte Frau Dr. Reese, wünschen Ihnen bei dieser Herausforderung "fortune" und Kraft und stehen Ihnen natürlich hilfreich zur Seite.

Es gibt natürlich noch einen weiteren Grund zur Freude. Die Wiedereröffnung des Kunstmuseums nach dreimonatiger Umbaupause: Das, was man heute hier sieht, die schönen neuen Böden und der neue attraktive Museumsshop, sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Das Wesentliche, das in den letzten Monaten eingebaut wurde, bleibt unsichtbar und dient der Sicherheit.

Die eingesetzte Arbeitsgruppe aus VertreterInnen der Künstlerschaft und der Fördervereine, aus KulturpolitikerInnen, der Kulturverwaltung und unseres Immobilienservice hat sich viele Gedanken über die weitere Zukunft des Kunstmuseums gemacht: Und über eines sind sich alle einig. Für die Positionierung unseres Museums in der Stadt und in der Region, soll das Museum nennenswert erweitert werden. Wie das an diesem Standort und mit denkmalgeschützten Bausubstanz geschehen soll, wird ein Architekturwettbewerb beantworten, der zurzeit vorbereitet wird. Wir dürfen gespannt sein.

Der dritte Grund meiner Freude hat mit dem Museumsshop zu tun, der ja, wie Sie alle wissen, ehrenamtlich betrieben wird. Wir haben das große Glück, dass unserem Kunstmuseum zwei traditionsreiche bürgerschaftliche Vereine, der Mülheimer Kunstverein und der Förderkreis des Kunstmuseums, zur Seite stehen.

BürgerInnen dieser Stadt haben sich zusammengeschlossen, um mit Engagement und Begeisterung das Museum ideell und finanziell zu unterstützen. Hier zeigt sich mal wieder, welch wichtige Quelle an Zeit, Talent und Energie die Ehrenamtler darstellen. Sie helfen einer Organisation, ihre Aufträge zu erfüllen. Sie komplettieren die Arbeit der hauptamtlichen MitarbeiterInnen, erweitern deren Kapazitäten und bringen neue Perspektiven und Energien ein.

Ohne Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement wäre unser Kunstmuseum in der Vergangenheit nicht gegründet worden - und heute nicht zu unterhalten. Eine schöne und dankbare Aufgabe ist das außerdem. Als Ort der Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes, der gesellschaftlichen Erinnerung, der ethischen und ästhetischen Bildung bietet das Museum den Menschen ein breites Spektrum der Identifikation und des Engagements. Vielen Dank den Damen und Herren für ihr großes Engagement.

Der letzte Grund meiner Freunde liegt in der Eröffnung der beiden Ausstellungen, die den Auftakt in den neu gestalteten Räumen des Kunstmuseums bilden und den Fokus besonders auf Arbeiten auf Papier richten. 2009 findet in den nordrhein-westfälischen Museen das Jahr der Grafik statt, in dem sich auch das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr mit seiner reichen grafischen Sammlung positioniert. Die Ausstellungen sind Beiträge des Museums, um das Medium der Grafik aus der besonderen Perspektive von Clivia Vorrath und Hermann Es Richter zu beleuchten.

Mit der Ausstellung linea clivia präsentiert das Kunstmuseum in den beiden Räumen des Erdgeschosses das umfangreiche, verbliebene Werk der früh verstorbenen Künstlerin Clivia Vorrath.

Clivia Vorrath, 1947 in Essen-Bredeney geboren, wuchs an der Grenze zu Mülheim auf, studierte später an der Hamburger Kunsthochschule und war in der Hansestadt Mitbegründerin der ersten Produzentengalerie, die bis heute eine hervorragende Stellung innerhalb der Galerienszene der Bundesrepublik einnimmt. Die Ausstellung – in Kooperation mit dem Kunsthaus Hamburg– zeigt und wiederentdeckt ihr visuell sinnliches und nachdenklich stimmendes Œuvre und bringt es somit erstmalig zurück ins Ruhrgebiet. Wir haben die Ehre, erste Station zu sein, in Hamburg wird die Retrospektivschau Anfang nächsten Jahres präsentiert.

Zu Ehren seines 70. Geburtstags zeigt das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr unter dem Titel Das Eine ist Eins und Vieles im Grafikraum Zeichnungen, Collagen und Objekte des Oberhausener Künstlers Hermann EsRichter aus einem Zeitraum von über 30 Jahren.

EsRichter ist weder nur Maler noch nur Bildhauer oder Zeichner. Vielmehr ist er in allen Disziplinen gleichsam zuhause und bewegt sich quer durch alle Gattungen. Seinen bedeutsamen Stellenwert im kulturellen Kontext der Region Ruhrgebiet zeigt sich mitunter in Projekten im öffentlichen Raum - hier in Mülheim oder jüngst mit der Emschersäule im Rhein-Herne-Kanal.

In der Ausstellung im Mülheimer Kunstmuseum liegt der Fokus vornehmlich im Bereich der Arbeiten auf Papier. Natürlich gibt es auch einige aktuelle Objektarbeiten zu sehen. Schon innerhalb dieses einen Mediums eröffnet sich dem Betrachter gleich eine ganze Bandbreite unterschiedlicher künstlerischer Strategien, die die Vielgestaltigkeit EsRichters andeutet. In seiner Kunst stehen immer mehrere Realitäts- oder Mitteilungsebenen nebeneinander. Die Herausforderung an den Betrachter liegt darin, konventionelle Sichtweisen zu durchbrechen und sich darauf einzulassen, die Dinge mit anderen Augen zu sehen.

Ich wünsche uns nun viel Freude an den beiden Ausstellung und an unserem wiedereröffneten Kunstmuseum.

Vielen Dank.

 

Kontakt


Stand: 14.09.2010

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