Wohnungs- und Dachstuhlbrand Dickswall am 10.12.2006
Großbrand hielt Retter in Atem - Wohnhaus ausgebrannt
Am zweiten Advent wurde die Feuerwehr um 9.24 Uhr über Notruf von Passanten über einen Wohnungsbrand im Dickswall 8-10 informiert. Es wurden ein Löschzug der Feuerwache 1, ein Löschfahrzeug der Feuerwache 2 sowie ein Notarzt und zwei Rettungswagen sofort zur Einsatzstelle entsandt. Da bereits mehrere Notrufe folgten wurde frühzeitig auch eine Erhöhung der Alarmstufe angeordnet, so dass auch der Direktionsdienst, die komplette Feuerwache 2 und der Leitende Notarzt die Einsatzstelle anfuhren.
Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte schlugen bereits Flammen aus mehreren Fenstern und der Eingangstür, dichter Rauch drang aus allen Wohnungen. Mehrere Personen standen an den Fenstern und riefen um Hilfe. Aus einer Wohnung im zweiten Obergeschoss sprangen zwei Personen noch während die Feuerwehr entsprechende Sprungrettungsgeräte aufbaute. Eine männliche Person zog sich bei dem Sprung tödliche Verletzungen zu, seine Lebensgefährtin erlitt hierbei lebensgefährliche Verletzungen. Mehrere weitere Personen konnten nur über zwei Drehleitern der Feuerwehr gerettet werden, da der Treppenraum nicht mehr nutzbar war. Ein 6-jähriges Kind wurde von seinen Eltern aus einer Dachgaube auf das Dach des Hauses gehoben, wo es mit schweren Verbrennungen von der Feuerwehr gerettet werden konnte. Das Kind wurde anschließend mit einem Rettungshubschrauber in die Städtische Kliniken nach Duisburg geflogen.
In den betroffenen Wohnungen des Hauses Dickswall 8-10 befanden sich insgesamt 22 Personen, von denen die Feuerwehr 20 über Drehleitern retten konnte. Hiervon mussten 17 Personen verletzt in beide Mülheimer Krankenhäuser sowie Krankenhäuser in Essen, Duisburg und Oberhausen verbracht werden. Eine männliche Person verstarb an seinen schweren Verletzungen nach einem Sprung aus dem Fenster noch an der Einsatzstelle.
Die Feuerwehr Mülheim an der Ruhr war mit insgesamt über 90 Einsatzkräften von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr im Einsatz. Unterstützt wurde die Feuerwehr durch Rettungswagen aus Essen und Oberhausen sowie durch die Mülheimer Hilfsorganisationen DRK und JUH. Zwei Rettungshubschrauber aus Duisburg und Lünen waren ebenfalls an der Einsatzstelle, wobei nur der Hubschrauber aus Lünen (Christoph 8) ein verletztes Kind transportierte; der andere Hubschrauber brauchte nicht mehr eingesetzt zu werden. Das DRK Mülheim sorgte auch für die Versorgung und Betreuung der Einsatzkräfte und der Personen der Nachbarhäuser, die zunächst auch evakuiert werden mussten. Für die adhoc-Unterbringung der Bewohner aus den Nachbarhäusern stellte die MVG zwei Linienbusse zur Verfügung, bis die Bewohner entweder in ihre Wohnungen zurück konnten oder anderweitig untergebracht wurden.
Von der Notfallseelsorge waren acht Seelsorger im Einsatz, die sich nicht nur um die betroffenen Bewohner und deren Angehörigen, sondern auch um die Einsatzkräfte kümmerten.
Zur Ausleuchtung der Einsatzstelle wurde auch das THW Mülheim angefordert, die mit zirka 15 Helfern und zwei Einsatzfahrzeugen mit Anhängern tätig wurden.
Weiterhin waren die Polizei, der Pressesprecher der Stadt, das Ordnungsamt, das Tiefbauamt und das Sozialamt an der Einsatzstelle. Auch Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld war frühzeitig an der Einsatzstelle und informierte sich über die Lage.
Neben den vielen Verletzten die gerettet und anschließend notärztlich versorgt werden mussten, gestaltete sich die Brandbekämpfung als besonders schwierig. Ein Innenangriff war nicht möglich, da der Treppenraum nicht mehr begehbar war und so der Brand nur von außen über Leitern bekämpft werden konnte.
Für die weitere Sicherstellung des Brandschutzes im Stadtgebiet wurde ein Löschzug mit dienstfreien Kräften der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr besetzt, da aber alle drei Drehleitern der Feuerwehr Mülheim an der Einsatzstelle Dickswall gebunden waren, wurde eine Drehleiter der Feuerwehr Duisburg zur Hauptfeuerwache angefordert. Kräfte von DRK und JUH besetzten die Rettungswagen, so dass das Stadtgebiet weiterhin versorgt werden konnte.
Nachlöscharbeiten konnten nur über die Drehleiter stattfinden und dauerten die Nacht hindurch noch bis zum nächsten Tag.
Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft Duisburg sind zu dem vorläufigen Ergebnis gekommen, dass das Todesopfer oder seine lebensgefährlich verletzte Frau den Großbrand am Dickswall verursacht haben. Die Ermittler gehen von Brandstiftung, fahrlässiger Brandstiftung oder einem Unglücksfall aus, weil in der Wohnung des Opfers eine benutzte Fritteuse gefunden wurde. Brandstiftung "von außen" kann laut Polizei ausgeschlossen werden.
Die Ermittlungen der Polizei sind inzwischen beendet. Das Gebäude ist weiterhin wegen Einsturzgefahr nicht begehbar.
Nach Auskunft bei der Kripo Essen hat die Frau das Unglück zwar überlebt. Sie wird aber aufgrund ihrer schweren Verletzungen pflegebedürftig und nicht vernehmungsfähig bleiben.
Sie wäre die Einzige, die zur entgültigen Aufklärung hätte beitragen könnte.
Fotos: Feuerwehr Mülheim
Kontakt
Stand: 10.12.2008













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