"Zeige uns, wo du zu Hause bist"

"Zeige uns, wo du zu Hause bist", das war das Motto des Foto-Wettbewerbs, der in diesen Tagen zur Preisverleihung im Schloß Broich kam. Der Kulturbetrieb der Stadt Mülheim an der Ruhr hatte Jugendliche im Alter von 12 bis 21 Jahren dazu aufgerufen, ihr ganz persönliches Bild von ihrer Stadt, ihrem Zuhause, ihrer Heimat aufzunehmen und einzusenden. Dieser Wettbewerb fügt sich ein in eine Reihe von Projekten, mit denen der Kulturbetrieb junge Menschen in unserer Stadt an Kultur heranführen will. Jugendliche sollen selbst aktiv werden. Das ist das Ziel. Und das ist mit diesem Wettbewerb wieder einmal gelungen: 150 Fotos mit den unterschiedlichsten Motiven haben uns erreicht. Sie wurden sowohl mit traditionellen Kameras als auch mit Digitalkameras gemacht. Manche Aufnahmen wurden gleich per e-mail verschickt. Eine fachkundige Jury hat unter den EinsenderInnen die Preisträger ermittelt. Das war nicht leicht. Denn was Jugendliche unter " zu-Hause-sein" oder "Heimat" verstehen, ist ganz unterschiedlich - und weicht oft von den Vorstellung ab, die Erwachsene von diesem Begriff haben. Jugendliche sehen sich vor allem in ihrer Umwelt: im Computerspiel versunken, mit den Freunden auf dem Sofa oder in der Fußgängerzone auf der Suche nach Spaß. Die Aufnahmen zeigen den persönlichen Blick einer Generation auf sich. Und der ist durchaus gefühlvoll. Die Jugendlichen haben sich in ihrer Umgebung porträtiert: zuhause, in der Jugendeinrichtung, in der Innenstadt. Schule, Ausbildungsplatz und Familie spielen keine so große Rolle wie der Freundeskreis. Er ist das Zentrum, die Heimat der Jugendlichen. Das ist sicher ein Phänomen, das sich über die Generationen nicht verändert hat: Jugendliche sehen ihren Platz in der Gruppe der Gleichaltrigen. Sie sind die wichtigsten Bezugspersonen. Mit Freunden sprechen sie über die für sie wichtigen Themen. Sie vertrauen sich ihnen an. Hier findet "Heimat" statt.

 

Die von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld ausgezeichneten Preisträger:

Den ersten Preis erhält der Medienkurs des 9. Jahrgangs der Gustav-Heinemann-Schule. Er geht an Katharina Wulsche, Fabian Freye, Florian Dägelmann und Vanessa Hoffmann (Foto unten).

Sie haben mit der Darstellung eines einzelnen Jugendlichen, der in einem zu klein für ihn geratenen Spielgerät ein Stück weit seiner Kindheit einfordert, den ersten Preis - 500 Euro - gewonnen. Die Ironie, die in dieser Arbeit über die Innenstadt von Mülheim ebenso anklingt, wie Wehmut und Melancholie, hat die Jury von der Intensität dieser Arbeit überzeugt. Auch die sehr gekonnte Anwendung der Schwarz-Weiß-Fotografie mit einer sehr strengen Bildkomposition zeichnet dieses Foto aus. Diesen gelungenen ersten Preis verdankt der Kurs aber auch ihrer Lehrerin, Barbara Springer, vom Medienkurs der Gustv-Heinemann-Schule. Herzlichen Glückwunsch!

Den zweiten Preis in Höhe von 300 Euro erhält Margarete Mertins, 12 Jahre. Ihre Arbeit wurde vom Schülercafé Heißen eingereicht und zeigt uns zwei Jugendliche beim intensiven Spiel mit einer Play-Station im Schülercafé Heißen. Die beiden sind so völlig vom Spiel gefangen genommen, dass ihre Konzentration auf einem Punkt außerhalb des Fotos gerichtet scheint. Die Anspannung und die Aufregung lässt sich an ihren Gesichtern ablesen, wobei sie sich fest auf die Lippen beißen. Das Heißener Schülercafé wird zum Wohnzimmer und das gemeinsame Spiel in Konzentration und Ruhe zu einem besonderen Erlebnis. Es mag machen etwas befremden, dass Spiel und Kommunikation über technische Medien laufen. Dies ist für Jugendliche und Kinder aber selbstverständlich. Auch dies ist eine neue Form von "zu Hause".

Der dritte Preis in Höhe von 200 Euro geht an Andrea Augsten. Wir sehen in ihrem Foto einem ausschnitthaften Blick in die Abfahrt zu einer Hinterhofgarage. Die Fotografin hat dabei den Bildausschnitt so gewählt, dass aus Begrenzungsmauern, Hausfassaden, Bodenbelägen, Zäunen und Palisaden eine Bildkomposition ersteht, die fast an ein abstraktes Gemälde erinnert. Das auf den ersten Blick trostlos erscheinende Objekt wird dadurch in eine neue Ästhetik überführt. Ein besonderer Blick auf einen besonderen Ort in Mülheim. Sonderpreis: Den Sonderpreis für besonders junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhält die 12jährige Corinna Stritzke, die uns in einer Serie von fünf Fotografien ihr Mülheim und ihr Leben nahegebracht hat. Der Preis ist mit 200 Euro dotiert. Corinna hat in Worten und Bildern sehr anschaulich gezeigt, was ihr wichtig ist, wo sie sich aufhält und wohlfühlt und welche Schwerpunkte sie in dieser Stadt setzt. 

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld mit den Preisträgern

Fotos: Walter Schernstein

Sonstige Preisträger (Preise 4-10): Den vierten Preis erhält Sina Linnenschmidt. Sie fotografierte ihre Schwester auf dem Balkon. Der Preis ist mit 100 Euro dotiert.

Den fünften Preis erhalten Nathalie Klimpel und Angelika Mierzowska, die zwei Mädchen vor der Kugel von Ernst Rache in der Innenstadt fotografierten. (100 Euro)

Den sechsten Preis erhält Markus Lindemann mit Stadtmotive, die er in ein Fahrrad kopiert hat und so eine neue Sichtweise der Stadt erzeugt. (50 Euro)

Den siebten Preis erhält Katharina Weber, die Landschaftsfotografie mit eigenen Texten verbindet. (50 Euro)

Den achten Preis (Gutschein) erhält Kim Krause für Fotos, die ihr direktes Umfeld zeigen.

Den neunten Preis (Gutschein) erhält die evangelische Jugend der Johanniskirchengemeinde mit der Gruppe "check it out".

Den zehnten Preis (Gutschein) erhält die Jugendgilde an der Ruhr mit Fotos aus ihrer Gruppe.

Kontakt


Stand: 14.09.2004

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