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Migration & Geschichte: Zeitzeichen: Zur Geschichte der Arbeitsmigration aus Polen
Sohn eines Arbeiters aus Polen, Thomas Wichmann, in Bochum geboren, zusammen mit seiner Frau Margarethe, auf einem Hochzeitsfoto vom 19. Januar 1916 (Foto: privat)

Zeitzeichen: Zur Geschichte der Arbeitsmigration aus Polen

Liebe Mülheimerinnen und Mülheimer: Wir suchen alte Abbildungen und Informationen über die frühe Zuwanderung der Polen als Arbeitsmigranten nach Mülheim an der Ruhr zur Veröffentlichung hier im Internet. Wenn Sie helfen können, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf: kw@wichmann-kommunikation.de

Seit den 1880er Jahren wandern Ostpreußen, darunter überwiegend Masuren, in sehr großer Zahl aus der Seenlandschaft im äußersten Südosten der Provinz Ostpreußen zur Arbeit ins Ruhrgebiet. Anwerbungen, auch Werbung durch Plakate und Versprechungen über ein besseres Leben und Arbeit im Ruhrgebiet, sind die Auslöser. Ebenso die schlechte Lebenslage in der alten Heimat.

1894 wird in Bochum der „Polenbund“ gegründet. Ziel ist es, das „Nationalgefühl der polnischen Einwanderer“ zu erhalten und sie von jedem außerpolnischen Einfluss fernzuhalten. Nach der Gründung der eigenen polnischen Gewerkschaft am 9.2.1902 nimmt der Einfluss des „Polenbundes“ in der Arbeiterschaft ab.

1899 wird in Oberhausen der „Sokol-Turnverein“ von polnischen Zuwanderern gegründet. Es ist der erste westdeutsche Ortsverband des in der polnischen Provinz Posen weit verbreiteten Turnvereins „Sokol“ (Falke). In den Folgejahren kommen weitere Vereine im ganzen Ruhrgebiet hinzu. Diese Vereine erregen das Misstrauen der deutschen Polizei. Übungsmärsche und Scheibenschießen der Mitglieder werden als „paramilitärische Ausbildungen“ betrachtet, öffentliche Aufmärsche und Sportfeste werden verboten.

Am 23. Juni 1899 treten junge polnische ungelernte Schlepper, Bremser und Pferdejungen auf der Zeche „Von der Heydt“ in Herne in den Ausstand. Sie protestieren damit gegen eine Erhöhung ihrer Knappschaftsbeiträge um mehr als 100 %. Dieser Streit weitet sich schnell auf andere Schachtanlagen im Herner Revier aus. Man spricht von der „Polenrevolte“. Das Militär greift ein. Bei blutigen Auseinandersetzungen zählt man vier Tote und 20 Schwerverletzte, 190 Arbeiter werden entlassen.

Um 1900 gibt es im Ruhrgebiet fast 170.000 Einwanderer aus Ostpreußen. Noch 1885 waren es nur ca. 30.000, das ist eine Zunahme in 15 Jahren um fast das Sechsfache.

1910 leben in Mülheim an der Ruhr 115.000 Menschen, 2.089 (1,9 %) sind Polen. Das ist ein verhältnismäßig geringer Prozentsatz. In Oberhausen zum Beispiel lag der Anteil der Polen bei 9,6 %.

Um 1900 beklagen sich junge Masuren aus den ländlichen Gebieten Ostpreußens, dass sie sich hier im Ruhrgebiet nicht zurechtfinden, weil die Städte keine Grenzen haben und dass es hier immer „Ruß vom Himmel regnet“.

Um 1900 wohnen die überwiegend evangelischen Masuren in eigenen Siedlungen, um sich von den meist katholischen Polen abzugrenzen und um ihre „nationale Einheit“ zu bewahren. Stadtviertel im Ruhrgebiet erhalten Namen ostpreußischer Ortschaften.

1909 leben in der 3.000 Menschen zählenden Gemeinde Hochlarmark bei Recklinghausen ca. 1.000 polnisch sprechende Menschen aus Posen, Westpreußen und Schlesien. Verständigungsschwierigkeiten, Misstrauen und Vorurteile der deutschen Bevölkerung erschweren die Eingliederung. Die Polen bleiben daher unter sich und pflegen ihr gesellschaftliches Leben in den „polnisch-katholischen Vereinen“.

Im Frühjahr 1941, während des 2. Weltkrieges, werden in der „Ost-West-Aktion“ ca. 15.000 Bergleute aus Oberschlesien in das Ruhrgebiet zwangsumgesiedelt, um den Arbeitskräftemangel im größten Bergbaugebiet Deutschlands zu beseitigen. Es kommt zu Beschwerden der Oberschlesier über zu niedrige Löhne und schlechte Unterkünfte. Im Juni 1941 werden die Bergleute wieder nach Schlesien zurückgeführt.

Im zweiten Weltkrieg (1939 bis 1949) kämpften auf deutscher Seite viele der ehemaligen Einwanderer und deren Nachfahren aus Polen. Zwangsläufig bedeutete dies, dass in vielen Fällen Soldaten ihre eigenen Verwandten in der gegnerischen Armee bekämpften.

Redaktion: Klaus Wichmann, Mülheim an der Ruhr, im August 2009

PS: Dieser Beitrag wird ergänzt, wenn neue Rechercheergebnisse vorliegen


Kontakt: vhs@muelheim-ruhr.de
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Stand: 16.08.2010

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