100 Jahre HTC Uhlenhorst Mülheim

Genau wie Fußball und Tennis fand auch Feldhockey über England den Weg auf den Kontinent. Nachdem es bereits 1832 am britischen Eton-College als Sport anerkannt und und bald darauf sogar als Pflichtfach – vorerst nur an den Mädchenschulen  –  in den Lehrplan aufgenommen worden war, entstanden ab 1840 die ersten Hockey-Clubs auf der Insel. Britische Besucher brachten dann den Sport nach Deutschland. Der erste Hockeyverein in Deutschland wurde im Jahr 1898 gegründet: der „Hamburger Hockey Club“, der 1901 im „Uhlenhorster Hockey-Club“ aufging.


Hockey in Mülheim an der Ruhr

Die Gründermannschaft des Hockey- und Tennisclubs Uhlenhorst Mülheim (1920) - Stadtarchiv

Die erfolgreichen „Uhlen“ aus der Hansestadt Hamburg hatte der sportbegeisterte Mülheimer Malzfabrikant Ferdinand Mohr möglicherweise im Hinterkopf, als er 1914 Überlegungen anstellte, auch in seiner Stadt einen Hockeyverein zu gründen. Die Schläger waren bereits angeschafft, als der Erste Weltkrieg ausbrach und alle Vorbereitungen zunichtemachte. Im Spätsommer 1920, nach dem Ende des Krieges und dem Abklingen des Ruhrkampfes, konnte man sich endlich der lange aufgeschobenen Vereinsgründung zu widmen. Am 20. August 1920, einem Freitagabend, trafen sich zu diesem Zweck 15 Männer, alles ehemalige Kriegsteilnehmer im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, im Weinzimmer des Hotels Monopol. In dem Namensbeschluss „Hockey-Verein Uhlenhorst Mülheim“ – die Tennissparte kam erst 1924 dazu – drückte sich die Lage des Spielgeländes aus, das im Uhlenhorst, gegenüber dem gleichnamigen Restaurant, lag und dem Verein von der Broich-Speldorfer Wald- und Gartenstadt AG zur Verfügung gestellt wurde. Es war eine abschüssige Landschaft aus Heide und Sand, die erst einmal ausgiebig bearbeitet werden musste, bevor an einen Spielbetrieb zu denken war. Bis zur Fertigstellung eines Clubhauses (1927) diente die benachbarte Gaststätte als Umkleidegelegenheit sowie als Lagerort für das benötigte Spielgerät. Für das Vereinsleben und gesellige Veranstaltungen nutzte man aber auch nach 1927 noch gerne die benachbarte Uhlenhorst-Gastronomie.

Während die hockeyinteressierten Frauen bis zur Einrichtung einer Damenabteilung noch zwei Jahre warten mussten (1922), konnten die 15 Gründungsmitglieder als Erste Herrenmannschaft spielerisch sofort loslegen. Gegner waren schon bestehende Clubs aus der Nachbarschaft wie Preußen Duisburg oder der Club Raffelberg. Letzterer hatte bei Ferdinand Mohr angeblich als Vorbild Pate gestanden bei der Idee eines Hockeyclubs auf Mülheimer Stadtgebiet. Bezüglich des Vereinsnamens hatte man beim „älteren Bruder“ an der Elbe höflich angefragt, ob der gegen die Übernahme von „Uhlenhorst“ etwas einzuwenden habe. Dies war nicht der Fall und so kam es, dass die erfolgreichen „Uhlen“ aus Hamburg nun Konkurrenz bekamen durch die bald nicht weniger erfolgreichen „Uhlen“ aus Mülheim an der Ruhr.

Seit der Gründung gab es viele Glanzpunkte in der Geschichte von Uhlenhorst Mülheim. Neben den über 80 gewonnenen Jugendmeisterschaften, neun Europapokalsiegen in Folge und zahlreichen Titeln im Hallenhockey zählen die ingesamt 18 Meistertitel im Feldhockey der Herren mit Sicherheit dazu. Begründet im Jahr 1937 wurden die Spiele um die Deutsche Hockeymeisterschaft auch in den Folgejahren ungeachtet des Zweiten Weltkriegs ausgetragen. Der letzte Titel ging 1944 an den Luftwaffensportverein Hamburg, einen Militärsportverein, der erst zwei Jahre zuvor gegründet worden war. Von 1945 bis 1949 setzte man den Wettbewerb aus, wagte dann aber 1950 einen Neuanfang. Das Uhlenhorst-Team aus Mülheim um Mannschaftskapitän Herbert Mohr holte diesen ersten Nachkriegstitel mit einem 1:0 Sieg gegen den Lokalrivalen Club Raffelberg und legte damit den Grundstein für den Aufstieg des HTCU unter die Topmannschaften der noch jungen Bundesrepublik Deutschland. Bis 1964 sollten sechs weitere Meistertitel folgen, zu denen neben Mohr auch die Nationalspieler Helmut und Wolfgang Nonn sowie Heinz „Zam“ Schmidt ihren Beitrag leisteten. Die Freude über den siebten und vorerst letzten Titelgewinn 1964 wurde getrübt durch den Tod des Vereinsgründers und Ehrenpräsidenten Ferdinand Mohr im gleichen Jahr. Es folgte eine sportliche Durststrecke in den 1970er Jahren, gefolgt von einer beispiellosen Erfolgsserie in den 1980er und 1990er Jahren. Mit neun weiteren Titeln zwischen 1985 und 1997 gelang es den HTCU-Herren, an die Erfolge von früher anzuknüpfen. 2018 und 2019 folgten mit etwas zeitlichem Abstand dann die 17. und 18. Meisterschaft.


Olympische Momente

Eintrag der erfolgreichen Mülheimer Olympiateilnehmer im Feldhockey der Herren in das Goldene Buch der Stadt Mülheim - Stadtarchiv

Seit langem gehören HTCU-Spieler zum festen Kader bei Olympischen Spielen: So war schon 1952 in Helsinki Heinz „Zam“ Schmidt im deutschen Aufgebot dabei, ebenso wie zuletzt Timm Herzbruch 2016 in Rio de Janeiro. Wenngleich die bloße Teilnahme an Olympischen Spielen für sich genommen stets schon eine Auszeichnung und Ehre war, so machte olympisches Edelmetall im Gepäck die Heimreise noch angenehmer. Die Medaillen-Bilanz mit Mülheimer Beteiligung kann sich sehen lassen: Von 1956 bis 2016 brachten die „Uhlen“ insgesamt 3 Mal olympisches Gold, 2 Mal Silber und 3 Mal Bronze mit nach Hause.

Einen besonderen Tag in der deutschen Hockeygeschichte markiert der 6. Dezember 1956. Der Gewinn der Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Melbourne bedeutete die erste Nachkriegsmedaille bei Olympia für die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes. Zuvor hatte die Mannschaft um Kapitän Hugo Budinger im Halbfinale durch ein Eigentor nur knapp 0:1 gegen die damalige Hockey-Supermacht Indien verloren. Im Spiel um den dritten Platz aber schlug die deutsche Auswahl den Gegner Großbritannien dann überlegen mit 3:1. Die Umstände der Olympiateilnahme waren abenteuerlich: Man reiste ohne einen Bundestrainer – nur ein DHB-Sportwart war als Begleitung dabei –  und auch eine reguläre Flugverbindung nach Australien gab es damals nicht. Erst die private Initiative eines Mannschaftsmitglieds sicherte dem deutschen Team den Hinflug in einer Chartermaschine. Den Rückflug mussten die Olympioniken erneut in Eigeninitiative organisieren und reisten ungewollt nicht gemeinsam als Mannschaft, sondern verteilt auf mehrere Maschinen. Der damalige Kapitän der deutschen Auswahl Hugo Budinger sollte in späteren Jahren als „Hockey-Professor“ berühmt und 2011 als bislang einziger Hockeyspieler in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen werden.

Zum  Bronze-Team von 1956 gehörten neben Kapitän Hugo Budinger vom Düsseldorfer SC auch Karl-Heinz "Zam" Schmidt sowie die Brüder Helmut und Wolfgang Nonn, allesamt Spieler bei Uhlenhorst Mülheim. Kein anderer deutscher Verein war zu dieser Zeit so stark in der Nationalmannschaft vertreten. Geehrt wurden die drei erfolgreichen Olympioniken vom HTCU nach der Rückkehr aus Melbourne mit einem Empfang bei  Oberbürgermeister Heinrich Thöne samt Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Mülheim an der Ruhr.

Zam Schmidt sowie die Brüder Helmut und Wolfgang Nonn beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt am 18. Dezember 1956 nach dem Gewinn der olympischen Bronzemedaille in Melbourne - Medienzentrum / Stadtarchiv

Nach den für die deutschen Hockey-Herren medaillenlosen Olympischen Spielen 1960 in Rom (7. Platz) und 1968 in Mexiko (4. Platz) fanden die Olympischen Spiele 1972 in München erstmals ohne Beteiligung aus Mülheim an der Ruhr statt. An der ersten deutschen Goldmedaille hatten die HTCU-Herren somit leider – und ausnahmsweise – keinen Anteil.

1984 waren die Uhlen dann wieder „dabei“: Silber für Deutschland bei den Spielen in Los Angeles mit den HTCU-Spielern Carsten „Calle“ Fischer und Dirk Brinkmann. 1988 konnten sie ihren Erfolg in Seoul wiederholen, diesmal mit Dirk Brinkmanns jüngerem Bruder Thomas als Verstärkung im Team.

Mit den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona sollte es nach 1972 die zweite Goldmedaille für den deutschen Hockeysport geben. Mit Carsten Fischer, Andreas Becker, Sven Meinhardt und Jan-Peter Tewes waren es insgesamt vier „Uhlen“, die zu dem Erfolg beitrugen - ein absoluter Höhepunkt in der Uhlenhorster Vereinsgeschichte.

2004 holten in Athen erstmals auch die deutschen Damen (mit der ehemaligen HTCU-Spielerin Tina Bachmann) Gold, während sich die Herren unter der Führung von Mannschaftskapitän Timo Wess mit Bronze „zufriedengeben“ mussten. Dies glichen sie 2008 in Peking und 2012 in London wieder aus, als sie zweimal hintereinander Gold gewannen. Während in Peking keine aktiven „Uhlen“ dabei waren, sah dies 2012 anders aus. Bei ihrer Rückkehr aus London wurden die HTCU-Olympiasieger Thilo Stralkowski und Jan Philipp Rabente in Mülheim begeistert gefeiert.

60 Jahre nach der legendären ersten Nachkriegsmedaille in Melbourne wiederholte die deutsche Mannschaft 2016 in Rio de Janeiro den Bronze-Gewinn von 1956. Timm Herzbruch von Uhlenhorst  Mülheim trug zu diesem Erfolg bei und wandelte damit auf den Spuren der Vereinslegende Helmut Nonn.


Ein Streiflicht: Die Jahre 1995 bis 2020

Die Geschichte des HTC Uhlenhorst wurde seit 1946 in Jahreschroniken und zahlreichen Festschriften festgehalten. Die Veröffentlichungen vom 30-jährigen bis zum 75-jährigen Bestehen des Vereins lassen in ihrer Ausführlichkeit keine Fragen offen. Doch hat sich seit 1995, dem Erscheinungsjahr der letzen Jubiläumsschrift, viel ereignet. Einige Highlights sollen hier kurz hervorgehoben werden.

Weitere drei Male (1997, 2018 und 2019) gewannen die „Uhlen“ seitdem die Deutsche Meisterschaft der Herren, so dass sie im Jahr ihres 100-jährigen Vereinsjubiläums auf nunmehr 18 Titel zurückblicken können.

Tina Bachmann, die einst bei Uhlenhorst Mülheim ihre sportliche Karriere begonnen hatte, war im Nationalteam dabei, als es 2004 in Athen erstmals olympisches Gold für die deutschen Hockey-Damen gab. Ihre männlichen Kollegen vom HTCU errangen unterdessen einen Weltmeistertitel (Wess, 2002), zwei olympische Bronzemedaillen (Wess, 2004 und Herzbruch, 2016) sowie acht Jahre nach den erfolgreichen Frauen ebenfalls olympisches Gold (Stralkowski/Rabente, 2012).

Zum Schluss bleibt noch zu erwähnen, dass die „Uhlen“  mit Christian Blasch über einen international renommierten Hockey-Schiedsrichter verfügen, der auf Einsätze bei vier Olympischen Spielen (2004 bis 2016) zurückblicken kann. Auch hier erweist sich der Verein ein weiteres Mal als erstklassig.

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Stand: 03.05.2022

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