ZEITZEICHEN 12. September 1912: Einweihung des Schulgebäudes am Klostermarkt

Das neue Schulgebäude der Volksschule am Klostermarkt in Saarn (eingeweiht am 12. September 1912)Die Gemeinschaftsgrundschule am Klostermarkt geht zurück auf die älteste Schule im Mülheimer Stadtgebiet. Das erste Schulhaus war von den evangelischen Bürgern Saarns erbaut und im Jahre 1658 seiner Bestimmung übergeben worden. Der Unterricht wurde zunächst von nur einem einzigen Lehrer - Hans zu Einsdorf - bewältigt, wie der Schriftsteller Adam von Kamp in seinem Buch "Das Schloß und die Herrschaft Broich" berichtet. Offenbar existierten zu dieser Zeit bereits feste Schulbezirke. Dies belegt die überlieferte Beschwerde des reformierten Lehrers aus Speldorf über seinen Saarner Kollegen, der angeblich Kinder aus dessen Schulbezirk regelwidrig aufgenommen habe. Dies zog prompt eine Rüge der vorgesetzten Behörde, des reformierten Kirchenrates, nach sich. Der Kirchenrat fungierte nicht nur als Aufsichtsbehörde, sondern war auch zuständig für die Wahl des Lehrers. Das Entgelt für den Schulmeister setzte sich üblicherweise aus freier Wohnung samt (Nutz-)Garten, Schulgeld und Naturalien, wie etwa Holz und Steinkohle, zusammen.

Die Schülerzahlen waren zunächst überschaubar. So besuchten um das Jahr 1805 - also rund 150 Jahre nach der Einweihung des ersten Schulgebäudes - 40 bis 50 Kinder die evangelische Schule in Saarn. Dies waren jedoch nur die Zahlen für den Winter. Für den Sommer ist eine verringerte Zahl von 25 bis 30 Kindern überliefert. Die Schulpflicht war in dieser vorpreußischen Zeit in Saarn noch unbekannt. Diese kam erst im Jahr 1826, nachdem Stadt- und Landbürgermeisterei Mülheim Teil der preußischen Rheinprovinz geworden waren.

Bereits 1820 hatte die reformierte Gemeinde in Saarn ein neues Schulhaus bauen lassen, das durch die neu eingeführte Schulpflicht bald abermals zu klein und 1847 durch den Umbau einer ehemaligen Scheune um zwei weitere Klassenräume ergänzt wurde. Im Jahr 1863 besuchten bereits 258 Kinder die evangelische Schule. Vergrößerungen des Schulgebäudes waren in den Folgejahren die Alternative zu einem Neubau. 1894 wechselte nach langen Verhandlungen die Trägerschaft der Schule von der reformierten Kirchengemeinde auf die Gemeinde Saarn. Die Lehrerschaft war zu diesem Zeitpunkt auf fünf Pädagogen angewachsen. Das Amt des Hauptlehrers - eine Art Vorstufe des späteren Rektors - bekleidete zu diesem Zeitpunkt August Grünweller.

In den 1890er Jahren zählte Saarn, das Teil der Bürgermeisterei Broich war, ingesamt 4.106 Einwohner, darunter 2.113 Protestanten. Nachdem auf Drängen der Elternschaft eine zweite evangelische Schule auf dem Saarnberg (1896) sowie eine dritte evangelische Schule an der Kölner Straße (1899) eingerichtet worden war, sanken die Schülerzahlen der ersten evangelischen Schule. Der Unterricht wurde nun komplett in das "neue" Schulgebäude von 1847 verlagert, das ältere  Schulgebäude von 1820 wurde abgerissen.

Mit der Eingemeindung zur Stadt Mülheim verlor die Bürgermeisterei Broich zum 1. Januar 1904 ihre Selbstständigkeit. Die Gemeinde Saarn, jetzt ein Stadtteil Mülheims, profitierte davon durch den Bau der Kahlenbergbrücke und der Anbindung an das Mülheimer Straßenbahnnetz. Die Einwohnerzahl stieg kontinuierlich an, so dass trotz der zwei Entlastungsschulen die erste evangelische Schule in Saarn erneut Platzprobleme bekam. Da eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes nicht möglich war, entschied sich die Stadt Mülheim für einen Neubau.

Am 12. September 1912 war es dann soweit: Das neue 12-klassige Schulgebäude am Klostermarkt konnte der versammelten Lehrer- und Schülerschaft feierlich übergeben werden. Die evangelische Schule erhielt acht Räume, der miteinziehenden katholischen Schule wurden vier Räume zugewiesen. Letztere benutzte zusätzlich weiterhin ihr altes Gebäude in der Klosterstraße, während das ehemalige Schulhaus der evangelischen Schule ein Opfer der Abrissbirne wurde.

 

Das alte Schulgebäude der evangelischen Schule in Saarn (1891) Ansicht des Klostermarkts in Mülheim-Saarn (Juni 1911) Ansicht des Klostermarkts in Saarn mit Schulgebäude und Kriegsdenkmal (1914) Ansicht der Schule am Klostermarkt im Jahr des 300jährigen Schuljubiläums (1958)
Ansicht der Schule am Klostermarkt anlässlich der 80-Jahr-Feier des Schulgebäudes (1992) Das Lehrerkollegium im Jahr 1891 (links: Hauptlehrer August Grünweller)
Das Lehrerkollegium im Jahr 1925 (in der Mitte: Rektor Julius Schumacher) Hauptlehrer Ludwig Wardenberg mit Schülern der evangelischen Schule Saarn (um 1884)
Rektor August Grünweller (1890-1914) mit Schülern der Klostermarktschule (um 1913) Zweite Klasse der evangelischen Schule Saarn mit Klassenlehrer (um 1897) Klassenausflug der Schule am Klostermarkt (September 1927) Abschlussklasse der Schule am Klostermarkt (1950)
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Stand: 10.08.2016

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