ZEITZEICHEN 15. November 1915: Einweihung des Nagelbildes "Jung-Siegfried"

Als am 15. November 1915 Oberbürgermeister Nagelbildes Dr. Paul Lembke den ersten Nagel in die Holzskulptur „Jung-Siegfried“ schlug, weihte er damit das prominenteste Mülheimer Nagelbild ein. Solche Nagelbilder gab es während des Ersten Weltkrieges überall im Deutschen Reich. Sie bestanden in der Regel aus Holzfiguren oder –ornamenten, in die zur Dekoration bei offiziell zelebrierten „Nagelungen“ verschiedene Nägel eingeschlagen werden konnten. Ziel war es, durch den Verkauf der Nägel Geld zur Unterstützung von Soldaten oder von Kriegerwitwen und -waisen zu sammeln. Die Preise variierten dabei von einigen hundert Mark für goldene Nägel bis zu wenigen Pfennigen für einfache Eisennägel. Auf diese Weise sollte es allen Bevölkerungsschichten ermöglicht werden, sich an den Nagelungen zu beteiligen und so einen Beitrag zu den Kriegsanstrengungen des Reiches zu leisten.

Das Mülheimer Nagelbild Jung-Siegfried war auf Initiative des militärischen Leiters der so genannten Jugendwehr, Bezirkskommandeur Grote, in einem Pavillon an der Ecke der damaligen Straßen Froschenteich und Notweg in unmittelbarer Nähe des Rathauses errichtet worden. Die Gestaltung als germanischer Held Siegfried hatte dabei einen völkisch-kriegerischen Charakter und keinen direkten Bezug zu Mülheim oder seiner Geschichte, wie dies in anderen Städten häufig der Fall war.

Nach der Einweihung am 15. November 1915 fanden am Jung-Siegfried bei patriotischen Feiern regelmäßig öffentliche Nagelungen zur Spendenwerbung statt. Und Jung-Siegfried war nicht das einzige Mülheimer Nagelbild. Auch Vereine, Schulen und andere Organisationen ließen eigene Nagelbilder, die man bei entsprechenden Anbietern einschließlich der erforderlichen Nägel per Katalog bestellen konnte, nageln. Anfangs recht erfolgreich ließ das Interesse an diesen Nagelungen später jedoch spürbar nach. Insbesondere mit der Zuspitzung der Versorgungslage der Bevölkerung seit dem berüchtigten „Steckrübenwinter“ 1916/17 kamen kaum noch nennenswerte Beträge durch Nagelungen zusammen. Der Mülheimer Jung-Siegfried verschwand daher zunächst aus dem Bewusstsein und später dann auch von seinem Aufstellungsort. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Pavillon zur Straßenverbreiterung abgebrochen, das Denkmal ins Rathaus versetzt. Dort hat es noch eine Weile gestanden, bevor es im Zweiten Weltkrieg verschwand. Ende der 1960er Jahre tauchte die stark beschädigte Figur nochmals in Holthausen auf, wo sie von einer Privatperson auf einer Müllkippe entsorgt worden sein soll.

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Stand: 16.11.2015

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