ZEITZEICHEN 16. Juli 1907: Aufnahme des Klinikbetriebs der Augenheilanstalt

Das Gebäude der Augenheilanstalt mit GartenanlageUm 1901 vermutlich von dem Mülheimer Architekten Franz Hagen als Ausflugslokal "Johannisburg" gebaut, wurde das Gebäude der Alten Augenklinik am Hingberg im Jahre 1904 von dem damaligen Eigentümer Johann Schmits an die Eheleute Dr. Hermann Leonhard und seine Frau Margarethe verkauft und von diesen anschließend zu einer Augenheilanstalt umgebaut.

Margarethe Leonhard, geborene Stinnes, war die Tochter von Mathias Stinnes, ihr Ehemann Hermann Leonhard der Sohn des ersten leitenden Klinikarztes am Evangelischen Krankenhaus. Hermann Leonhard hatte wie sein Vater Medizin studiert und praktizierte nun in Mülheim an der Ruhr. Ein chronisches Augenleiden brachte ihn dazu, sein berufliches Interesse auf das medizinische Fachgebiet der Augenheilkunde zu richten. Auf der Suche nach einer sinnvollen Verwendung des gemeinsamen Vermögens hatte das Ehepaar Leonhard-Stinnes nach dem frühen Tod beider Kinder den Wunsch, in Mülheim an der Ruhr eine Augenheilanstalt für mittellose und arme Kranke zu gründen und das Gebäude samt Grundstück der Stadt Mülheim zu schenken. In der "Schenkung Augenheilanstalt" vom 23. Februar 1904 verfügten die Stifter die ausschließliche Nutzung "zur Errichtung und zum Betrieb einer Augenheilanstalt für Unbemittelte und Arme, welche dort unentgeltlich ärztliche Behandlung und Verpflegung finden können". Nach dem Evangelischen Kranken- und Versorgungshaus (1850) und dem katholischen St. Marien-Hospital (1887) war dies die dritte Klinik in Mülheim an der Ruhr.

Als Spezial-Augenklinik stellte die Augenheilanstalt in der damaligen Zeit eine Besonderheit dar, was Größe und Ausstattung anging. Es existierten kaum spezielle Augenheilanstalten, da die Ophthalmologie (Augenheilkunde) als selbständiges medizinisches Fachgebiet noch relativ jung war. Vorbild für Hermann Leonhards Gründung war vermutlich Professor Albrecht von Graefe, der in Berlin eine Privatklinik für arme Augenkranke führte und in seinen Vorlesungen an der Berliner Humboldt-Universität wohl einen tiefen Eindruck auf den jungen Studenten Leonhard gemacht hatte.

Nach einer Planungs- und Bauzeit von ungefähr zwei Jahren wurde die Augenheilanstalt am 4. Juli 1907 feierlich eingeweiht. Am 16. Juli 1907 wurde der Klinikbetrieb unter der Leitung des ersten Chefarztes Dr. Otto Stuelp aufgenommen. Der Stifter Hermann Leonhard erlebte die Fertigstellung nicht mehr, da er bereits im November 1905 verstorben war. Zunächst für 25 Patienten hergerichtet, erhöhte sich die Bettenzahl der Augenklinik bis 1922 auf 60, bis 1950 sogar auf 105. Der medizinische Ruf und die Größe der Klinik zogen auch überregional zahlreiche Patienten an.

Der Zweite Weltkrieg sorgte mit dem großen Bombenangriff am 22./23. Juni 1943 für verheerende Schäden am Gebäude. Das Dachgeschoss und damit auch die Giebel wurden zerstört. Die notdürftige Wiederherstellung von Gebäudeteilen 1948 sowie in den 1950er und 1960er Jahren haben dann das ursprüngliche Erscheinungsbild wesentlich verändert. 1985 erhielt die Augenklinik einen modernen Neubau in unmittelbarer Nähe des Evangelischen Krankenhauses. Danach wurde das alte Gebäude am Hingberg bis 2005 von verschiedenen städtischen Dienststellen genutzt. Nach Umbau und Sanierung in den Jahren 2009 bis 2013 wurde es zum Haus der Stadtgeschichte und beherbergt heute sowohl das Stadtarchiv als auch die städtische Musikschule.

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Stand: 20.06.2017

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