ZEITZEICHEN 24. Dezember 1931: Tod des "Ruhrpastors" Konrad Jakobs

Der katholische Pfarrer und Mülheimer Stadtdechant Konrad Jakobs (1874-1931)"Ganz Mülheim weint" titelten die Zeitungen und sprachen von einem "schwarzen Heiligabend", als in den Morgenstunden des 24. Dezember 1931 der allseits beliebte Pastor und Stadtdechant Konrad Jakobs im Alter von 56 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes starb. Über alle Konfessions- und Parteigrenzen hinweg hatte er sich in den 12 Jahren als Seelsorger der katholischen Altstadtgemeinde für christliche Nächstenliebe und soziale Belange engagiert.

Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Heinsberg bei Aachen, arbeitete Jakobs als junger Kaplan zunächst in Essen und Köln, bevor er 1919 die Mülheimer Pfarrei St. Mariae Geburt übernahm. Seine Zeit in Mülheim war geprägt von der großen wirtschaftlichen Not der 1920er Jahre: Reparationszahlungen, Ruhrkampf, Inflation, Massenarbeitslosigkeit und nicht zuletzt die Weltwirtschaftskrise bedrückten die Menschen und bedrohten ihre Existenz. Von Pastor Jakobs wurden sie nicht nur seelsorgerisch betreut, sondern auch bei der Bewältigung ihrer materiellen Sorgen unterstützt. So richtete er eine Suppenküche für Arbeitslose ein, organisierte Kleidersammlungen, gründete eine Jugenderholungsstätte - den "Liebfrauenhof" - und engagierte sich als Gründungsmitglied der Mülheimer Caritas. Das Franziskushaus (erst ein Waisenhaus, später ein Altenheim) und das Josefshaus (Heim für "gefährdete Mädchen") gehen ebenso auf seine Initiative zurück wie die Erweiterung des katholischen Krankenhauses oder der Bau einer Siedlung für kinderreiche Familien.

Durch Vortragsreisen, Buchveröffentlichungen und Sonntagsaufsätze in der "Mülheimer Volkszeitung" verfügte Jakobs über zusätzliche finanzielle Einnahmen, die er - wie auch den größten Teil seines Pfarrgehalts - in soziale Projekte investierte. Es wird überliefert, dass er nicht selten längere Fußmärsche innerhalb des Stadtgebiets auf sich nahm, wenn er wieder einmal kein (Klein-) Geld für die Straßenbahn übrig hatte. Dieses hatte er dann meist zuvor unterwegs den Straßenbettlern überlassen. Einen Schuldner soll er mit dem Ausspruch überrascht haben: "Ich bin es nicht gewohnt, dass man mir mein Geld zurückzahlt. Sicher haben Sie Familie und können es besser gebrauchen."

Bei seinen sozialen Projekten beschritt er immer wieder auch ungewöhnliche Wege. So schickte er im Krisenjahr 1929 zwei Kapläne mit einer von ihm verfassten Predigt in die Eifel, um Lebensmittelspenden für die Hunger leidende Stadtbevölkerung zu erbitten. Als Reaktion auf die "Kartoffelpredigt" karrten die Bauern 800 Zentner Kartoffeln heran, die mit der Bahn nach Mülheim gebracht und dort verteilt wurden. Seine Volksnähe und sein Verständnis für die praktischen Sorgen und Nöte der Menschen brachten Jakobs bald den Beinamen "Ruhrpastor" ein. Das sichtbarste Zeichen seines Wirkens war der Neubau der Marienkirche, die 1928/29 in der Rekordzeit von zehn Monaten errichtet und am 10. März 1929 eingeweiht wurde. Die bewußte Beschäftigung von zahlreichen Arbeitslosen bei diesem Bauprojekt hatte neben der notwendig gewordenen Erweiterung des altes Gotteshauses durchaus auch eine soziale Komponente.

Als Konrad Jakobs am Heiligen Abend 1931 starb, bestand sein Nachlass nur aus wenigen Pfennigen. Gemäß seinem Wahlspruch "Es ist schön, für die zu sorgen, die man liebt" hatte er zu Lebzeiten alles unter diejenigen verteilt, die seiner Meinung nach bedürftiger waren als er selbst.

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Stand: 11.04.2017

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