ZEITZEICHEN 29. Juli 1911: Eröffnung der ersten Mülheimer Jugendfestspiele

Das Titelblatt zum Programmheft der Ersten Vaterländischen Festspiele in Mülheim an der Ruhr (1911)An einem glühendheißen Wochenende wurden im Juli 1911 die ersten Mülheimer Jugendfestspiele ausgetragen. Sie fanden - damals noch unter der Bezeichnung "Vaterländisches Turn- und Spielfest" - auf dem Sportplatz am Kahlenberg statt und standen im Zeichen der Erinnerung an den berühmten "Turnvater" Jahn, der 100 Jahre zuvor auf der Hasenheide in Berlin den ersten Turnplatz in den deutschen Landen eingerichtet hatte. Mit diesem Sportfest wurde in Mülheim gleichzeitig auch die von dem Ehepaar Leonhard/Stinnes über die Gretchen-Leonhard-Stiftung finanzierte Sportstätte eingeweiht.

Initiator und Organisator der Festspiele war Martin Gerste, Turnlehrer und seit 1910 Leiter des städtischen Turn- und Sportwesens. Unterstützt wurde er bei der Planung von einem Ausschuss, dem der städtische Beigeordnete Arthur Dietrich, der Direktor des Städtischen Gymnasiums Edmund Neuendorff und - als Vorsitzender - der Mülheimer Oberbürgermeister Paul Lembke angehörten. Gemäß dem Verständnis der damaligen Zeit sollten die Spiele dazu beitragen, "die Volksgesundheit zu heben, die Vaterlandsliebe zu vertiefen und einen sozialen Ausgleich herbeizuführen".

Aufgrund der tropischen Hitze wurde die Eröffnungsveranstaltung auf den späten Samstagnachmittag verlegt. Die teilnehmenden Schulen und Sportvereine versammelten sich auf dem Rathausmarkt, wo der städtische Beigeordnete Arthur Dietrich vom Balkon des Rathauses eine feierliche Ansprache hielt. Nach dem gemeinsamen Singen des Deutschlandliedes marschierten die Teilnehmer angeführt vom Trommelkorps des Infanterieregiments und mehreren Vereinskapellen durch die Straßen der Altstadt zum Sportplatz am Kahlenberg. Unter dem Kommando des Festleiters Gerste traten dort an die 1.000 Schüler und Turner in Reih und Glied zu Massenfreiübungen an, begleitet von strammer Marschmusik.

Am sportlichen Wettkampf der Schulen beteiligten sich rund 400 Schüler. Dabei stand der Dreikampf mit den Disziplinen 100m-Lauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf (80 g) bzw. Kugelstoßen (5kg) im Vordergrund. Das beste Ergebnis fuhr die Evangelische Schule an der Post aus Dümpten ein. Für die Erwachsenen - d.h. die männlichen Mitglieder der Turn- und Sportvereine - stand am frühen Sonntagmorgen der Fünfkampf an, wo sie sich im 100m-Lauf, Weitsprung, Steinstoßen (15 kg), Stabhochsprung und Schleuderballweitwurf (2 kg) beweisen mussten.

Ein Wassersportfest mit Ruderwettkämpfen zwischen den Booten des Städtischen und des Staatlichen Gymnasiums ergänzte das Programm. 100 Jahre später lässt sich sagen, dass dieser Teil der Vaterländischen Festspiele unter der Bezeichnung "Voll die Ruhr" die Jahre überdauert hat und heute in einer anderen Form, die mehr Spiel und Spaß in den Vordergrund stellt, immer noch die Mülheimer erfreut.

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Stand: 19.07.2017

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