ZEITZEICHEN 31. Dezember 1860: Höhepunkt der Kohlenschifffahrt auf der Ruhr

Die Eisenbahnbrücke über die Ruhr von Süden gesehen (um 1866). Im Vordergrund zwei Ruhraakes, die dem Transport von Kohlen auf dem Wasserweg dienten.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren Kohlenhandel und -schifffahrt auf der Ruhr der wichtigste Wirtschaftszweig in Mülheim. Die Mülheimer Kaufleute waren führend in der Kohleverschiffung auf der Ruhr; die meisten Schiffe besaß Mathias Stinnes. Damals, noch vor der Entwicklung der Schwerindustrie, war Mülheim zeitweise die größte Stadt im Ruhrgebiet. Das Bild der Ruhr wurde geprägt von den zahlreichen „Aak“ genannten hölzernen Kohlenschiffen, den Kohlenmagazinen und den Timmerhellingen (Schiffswerften). Der größte Teil der Kohlen wurde von oberhalb Mülheims durch die Schleuse transportiert. Die von Mülheim aus verschifften Kohlen wurden meistens von „Kohlenschiebern“ auf Schubkarren an die Ruhr gebracht. Die mit Kohlen beladenen Aakes wurden ruhrabwärts von der Strömung getrieben, ruhraufwärts wurden sie meist leer von Pferden gezogen. Teilweise nahmen die Mülheimer Kaufleute von Holland und vom oberen Rhein auch Rückfracht mit, zum Beispiel „Kolonialwaren“. Die zahlreichen Kohlenschieber, Schiffs- und Pferdeknechte wurden von der Obrigkeit mit Skepsis betrachtet, galten sie doch als streitlustig, so dass sogar von dem „berüchtigten Mülheimer Pöbel“ die Rede war.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vervielfachte sich die Menge der verschifften Kohlen, so dass der Transport zur Ruhr mit Schubkarren nicht mehr zu bewältigen war. Daher wurde 1839 die Aktienstraße von Unternehmern für den Kohlentransport gebaut. Kurz vorher war schon die Sellerbecker Pferdebahn eröffnet worden, die Kohlen von den Winkhauser Höhen bis zur Ruhr transportierte. Der alte Hafen, der nahe an der Stadt Mülheim lag (zwischen heutiger Schloßbrücke und Eisenbahnbrücke) reichte nicht mehr aus und wurde 1845 durch einen ruhrabwärts gelegenen größeren neuen Hafen ersetzt (heute im Bereich der Friedrich-Wilhelms-Hütte gelegen).

Kurz nach dem Ausbau des neuen Hafens erwuchs der Kohlenschifffahrt eine Konkurrenz durch die Eisenbahn, die die Kohlen zu wesentlich niedrigeren Kosten transportieren konnte. Die erste Eisenbahnstrecke in der Mülheimer Gegend führte über Oberhausen und wurde 1847 eröffnet. Durch sie kam es zunächst nicht zu einem Rückgang der Ruhrschifffahrt, die sich in den 1840er und 50er Jahren auf ihrem Höhepunkt befand. In guten Jahren wurden 7000 Kohlenschiffe von der oberen Ruhr durchgeschleust, hinzu kamen 1-2000 Schiffe, die in Mülheim beladen wurden und ruhrabwärts fuhren. Im Jahr 1860 wurde – bis zum Stichtag 31.12. - mit 17,5 Millionen Zentnern Kohlen sogar die größte jemals verschiffte Menge erreicht.

Eine Auswirkung der Eisenbahn auf die Ruhrschifffahrt zeigte sich erst, als die Eisenbahnstrecken durch Mülheim eröffnet wurden, 1862 von Duisburg über Styrum nach Mülheim und weiter nach Essen, 1866 über Speldorf, 1876 durch das Ruhrtal. Die Kohlenschifffahrt auf der Ruhr ging daraufhin in den folgenden Jahren immer weiter zurück und kam schließlich ganz zum Erliegen. Die Mülheimer Reeder fanden einen Ersatz in der Rheinschifffahrt, wo sie eine große Rolle spielten.

Mit dem Schifffahrtskanal und dem Hafen versuchte die Stadt Mülheim im Jahr 1927 an die alten Zeiten anzuknüpfen, ohne dass die Frachtschifffahrt eine vergleichbare Bedeutung wie früher erreichen konnte. Heute wird die Ruhr aus touristischen und sportlichen Gründen befahren und die Mülheimer Schifffahrtstradition wird von der Weißen Flotte fortgeführt. Der Bereich des alten Hafens wird im Rahmen des Ruhrbania-Projekts völlig neu gestaltet; dort soll auch ein Hafenbecken entstehen, das an die Ruhrschifffahrt erinnert.

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Stand: 15.11.2018

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