ZEITZEICHEN 4. Februar 1923: Wiedereröffnung des Städtischen Museums im Kreishaus

Postkartenansicht des Kreishauses (1902)Das Städtische Museum hat seinen Ursprung in der privaten Sammlung des Heimatforschers Robert Rheinen (1844-1920), die heimatgeschichtliche Dokumente und Gegenstände, Gemälde und Antiquitäten umfasste. 1909 kaufte die Stadt Mülheim diese Sammlung und brachte sie zunächst im Haus Schollenstraße 2 unter. Ein Blick in den Katalog der Städtischen Sammlungen von 1909 zeigt eine große Vielfalt an Mülheimer Möbeln, Hausrat, Dokumenten und Bildern, aus Schloss Broich und Kloster Saarn, aus Bürger- und Bauernhäusern. Vermischt sind diese mit den verschiedensten Stücken aus der näheren und weiteren Umgebung und aus aller Welt. In einem chinesischen Zimmer konnte man sogar Opiumpfeifen aus China oder einen Nilpferdzahn aus Südafrika bewundern.

Zwei Jahre später zog die Sammlung in die ehemalige Vorstersche Villa in Broich und wurde 1912 zum „Städtischen Museum“ erklärt (s. Zeitzeichen vom 10. März 1912). Nach Jahren erfolgreicher Entwicklung unter der Leitung von Robert Rheinen musste das Museum 1920 wegen des Verkaufs der Villa Vorster geschlossen werden. Die Museumsbestände wurden im Rathauskeller eingelagert. Robert Rheinen, der noch mithalf, seine Sammlung in Kisten zu verpacken, starb kurz danach entkräftet und verbittert mit dem Gefühl, sein Museum sei untergegangen.

Am 4. Februar 1923 konnte das Städtische Museum jedoch im ehemaligen Kreishaus wiedereröffnet werden. Dieses repräsentative Gebäude hatte der Kreis von 1890 bis 1892 an der Teinerstraße gebaut. 1904 war das Kreishaus an die durch Eingemeindungen erheblich vergrößerte Stadt Mülheim an der Ruhr gefallen. Viele Jahre waren hier städtische Ämter untergebracht. Im Obergeschoss blieb Landrat Dr. Paul Lembke auch nach seiner Wahl zum Mülheimer Oberbürgermeister wohnen. Das Museum zog jetzt in die ehemaligen Büroräume ein. Der Oberlichtsaal, in dem der Kreistag und auch der Mülheimer Rat getagt hatten, eignete sich gut für Wechselausstellungen, die sonntagsmorgens mit Musik und einer Ansprache des neuen Museumsdirektors eröffnet wurden, der auch selbst Cello in dem Streichquartett spielte.

Mit Dr. Werner Kruse (1886-1968), dem ersten wissenschaftlich ausgebildeten Museumsleiter, begann 1922 ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Museums. Er sichtete die Museumsbestände kritisch und sortierte vieles aus. Sein Hauptinteresse galt der modernen Kunst. Er zeigte sie in Ausstellungen, kaufte Werke an und förderte Mülheimer Künstler wie Pankok, Gilles und Lickfeld. Neben der Kunst spielte die Heimatgeschichte weiterhin eine wichtige Rolle; 1927 veranstaltete er eine große Heimatausstellung.

Ab 1933 änderten sich die Bedingungen für die Museumsarbeit. Die geplante Errichtung eines Heimatmuseums in der Villa Priestershof am Werdener Weg wurde von den Nationalsozialisten gutgeheißen, weil sie sich eine Ausstellung im Sinne ihrer Ideologie von Blut und Boden vorstellten. Die moderne Kunst wurde jedoch abgelehnt. So wurde eine Ausstellung mit Werken Otto Pankoks von der Gestapo geschlossen und Gemälde des Museums als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Bei dem Luftangriff im Juni 1943 wurden über 80% der Sammlungsbestände zerstört, ein Verlust, der nie wieder ausgeglichen werden konnte. Nach dem Krieg wurde das Museum mit zahlreichen Neuerwerbungen wieder aufgebaut und hat sich ganz zum Kunstmuseum entwickelt. Stadtgeschichtliche Ausstellungen findet man heute im Tersteegenhaus und im Schloss Broich.

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Stand: 15.11.2018

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