August Macke: Beflaggte Kirche (1914)

August Macke, Beflaggte Kirche, 1914 | Öl auf Leinwand, 48,5 x 34,5 cm | Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Icon: Macke in Mülheim - Zum Hören und SehenAugust Macke: Beflaggte Kirche, 1914
Öl auf Leinwand, 48,5 x 34,5 cm
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

 

Mädchen: Hey, hallo. Haaaaloooo!?

Jojo: Wer spricht da? Bist du es? Du da, im blauen Kleid?

M: Ich. Ja. Hallo.

J: Okay. Seltsam... Was gibt’s? Warum sprichst du mit mir?

M: Seit August Macke mich vor 100 Jahren auf die Leinwand gemalt hat, sehe ich immer nur die Leute, die das Bild anschauen. Wie es hinter mir im Bild aussieht, weiß ich aber nicht. Kannst du es mir erzählen?

J: Wow, stimmt. In diesem Jahr 2014 wird das Bild 100 Jahre alt. Aber klar kann ich es dir beschreiben.

M: Das Bild wird 100, aber ich werde nicht älter. Es ist wie in einem Traum!
Nun fang schon an. Was siehst du?

J: Erst mal langsam. Magst du zuerst etwas über die Gebäude oder über die Menschen hinter dir erfahren?

M: Mmh, die Menschen interessieren mich sehr. Fang mit den Menschen an!

J: Na gut, aber du musst dir meine Erklärungen seitenverkehrt denken.

M: In Ordnung. Es ist schön, mit jemandem zu reden.

J: Links von dir stehen zwei Männer. Der eine trägt eine braune Jacke, der andere eine schwarze. Beide tragen dunkle Hosen und dunkle Hüte. Die Farbe ihrer Haut geht ins Orange-Braune. Vielleicht haben sie draußen gearbeitet? Die Farbe deiner Haut ist übrigens so ähnlich, nur etwas heller.

M: Interessant. Erzähl weiter!

J: Im Hintergrund kann man drei Gestalten erkennen. Vermutlich sind es Männer. Der vorderste der drei trägt bräunliche Kleidung, die beiden hinteren gelbe und schwarze. Aber mehr kann ich zu ihnen auch nicht sagen, denn sie sind nicht zu Ende gemalt. Ihnen fehlen Köpfe und Füße.

M: Du machst das ganz hervorragend! Die Anordnung der Figuren kann ich mir nun gut vorstellen. Nun erzähle mir mehr darüber, wie ich aussehe! Ich weiß, dass ich immer etwas schräg zur Seite aus dem Bild herausschaue.

J: Ja, das stimmt. Die Richtung deines Blickes kann man nur an deiner Kopfhaltung erahnen, denn Macke hat dir mal wieder kein Gesicht gemalt. Typisch!
Dein Körper ist dem Betrachter zugewandt. Nun zu deinem Kleid: Es ist überwiegend tiefblau, fast schwarz. An deiner rechten Schulter und an der linken Seite deines Rockes ist das Blau etwas heller und strahlt mehr.

M: Danke.

J: Ach, und was mir noch auffällt: Dein Kleid ist stark tailliert. Du stehtst aufrecht und deine Hände hälst du nah beieinander auf deinen Oberschenkeln.

M: Ich fühle es, aber ich sehe es nicht!
Kannst du mir auch noch etwas über die Gebäude erzählen!?

J: Ja. Hinter dir ist ein großer Platz. Er ist in zwei verschiedenen Grüntönen gehalten. Der hintere Teil ist fast gelb. Dort scheint die Sonne durch die Gebäude auf den Platz. Das Grün erinnert an eine Wiese, aber mitten zwischen Gebäuden!? Was sich dein Erschaffer wohl dabei gedacht hat... In jedem Fall passen die Farben sehr gut zusammen.
Nun zu den Gebäuden – und denk dran: Für dich ist es spiegelverkehrt!
Links hinter dir steht eine große Kirche. Zu ihr gehört ein Kirchturm, das Haupthaus und ein kleinerer Anbau. Fenster sind nicht zu sehen. Ihre Wände und Dächer haben unterschiedliche Farben. Ich kann Orange-, Rot- und Gelbtöne erkennen. Die Flächen sind klar voneinander abgegrenzt. Das kann man auch an den Pinselstrichen erkennen. Mal sind sie schräg aneinander gesetzt, mal waagerecht, mal in kleinen Bögen. Herr Macke hat hier wohl mit einer recht großen Farbpalette gearbeitet.

M: Das klingt ja spannend! Vielleicht hat er sich das bei seinem Freund Robert Delaunay abgeschaut... Sind denn die beiden Grüntöne, die du vorhin erwähntest, auch so klar voneinander abgegrenzt?

J: Ja, in der Tat: Das rechte Grün ist wesentlich dunkler als das linke. Das dunklere liegt im Schatten einer Hauswand.

M: Zieht sich diese deutliche Abgrenzung der Farben auch durch den weiteren Hintergrund?

J: Ja, das Gebäude rechts von dir hat ebenfalls eine Wand ohne Fenster. Es ist in einem Ockerton gemalt. Das Dach dagegen wird durch ein tiefrote, fast pinkfarbene Fläche gebildet. Dahinter erhebt sich ein weiteres Gebäude. Eigentlich bestehen alle Gebäude aus einfachen, geometrischen Formen: Rechtecke und Dreiecke. Durch das Über- und Hintereinander erzeugen sie eine Tiefenwirkung. Und auch Farbe und Form spielen zusammen.

M: Aha, was genau meinst du damit?

J: Die Gebäude sind alle in warmen Farbtönen gemalt. Der Hintergrund hingegen, also der Himmel, ist in einem kräftigen, kalten Blau gehalten. Nach oben hin wird das Bild durch zwei schräge rosé- und beigefarbenen Flächen abgeschlossen. Du scheinst in einem Bogen oder Stadttor zu stehen.

M: Vielen Dank für deine genaue Beschreibung. Jetzt kann ich mir alles viel besser vorstellen! So kann ich auch die nächsten 100 Jahre mit einem guten Gefühl in dem Bild bleiben!

Johannes, 17 Jahre, Gymnasium Broich
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Stand: 21.05.2019

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