August Macke: Stickende Frau im Sessel (1909)

August Macke, Stickende Frau im Sessel, 1909 | Öl auf Holz, 57,8 x 47,2 cm | Stiftung Sammlung Ziegler im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Icon: Macke in Mülheim - Zum Hören und SehenAugust Macke: Stickende Frau im Sessel, 1909
Öl auf Holz, 57,8 x 47,2 cm
Stiftung Sammlung Ziegler im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

 

Nun sitze ich wieder auf meinem Sessel, gegenüber von meiner Frau Elisabeth. Jeden Abend stickt meine Frau. Ich fertige Skizzen an. Doch mittlerweile sind meine Skizzenblöcke voll und ich habe immer noch keine Ideen für mein nächstes Bild.
Eine halbe Stunde spreche ich zu ihr, doch sie hört mich nicht, da sie so vertieft in ihre Arbeit ist. Ich werde nie wissen, was sie in dem Moment denkt. Eine weitere Stunde vergeht und ich habe immer noch keine Ideen.

Dann bemerke ich, dass das perfekte Motiv direkt vor mir sitzt. Ich hole mir sofort meine Farbe und beginne auf meine weiße Leinwand zu malen. Den Hintergrund male ich ganz schlicht, so wie unsere Wand: weiß. Elisabeth sitzt wie jeden Abend auf ihrem purpurroten Stuhl. Dieser wirkt auf mich sehr königlich. Sie trägt ein dunkelgrünes Kleid. Um ihre Schultern hat sie ein weißes Tuch gelegt. In ihren Händen hält sie das gestickte Tuch. Sie ist sehr konzentriert. Es ist so still, dass ich das Sticken hören kann.

Als sie fertig ist, schaut sie auf. Erst in diesem Moment merkt sie, dass ich sie male und ihr schon lange beobachtend gegenüber sitze. Ganz verdutzt schaut sie mich an und fragt: „Wie lange sitzt du schon da?“ Ich antworte: „Naja, fast eineinhalb Stunden.“ Sie ist sehr erstaunt. Ihr Tuch ist fast fertig bestickt. „Ich werde es morgen Abend fertig machen“, beschließt sie etwas erschöpft. Das Tuch wird ein Geschenk für eine Freundin. Da mein Bild auch noch nicht ganz fertig ist, beschließe ich, ebenfalls morgen Abend daran weiter zu arbeiten. Meine Frau und ich gehen schlafen.

Der nächste Tag ist wie immer. Am Abend sitzt Elisabeth wieder in ihrem Sessel vor mir. Mit voller Konzentration macht sie die letzten Nadelstiche. Auch ich male weiter an meinem Bild. Die ganze Situation, wie meine Frau so vor mir sitzt, wirkt sehr entspannt auf mich. Sie trägt ihre rote Kette, die sie vor einiger Zeit von mir geschenkt bekommen hat. Ihre Haare sind streng nach hinten gesteckt. In ihren dunklen Haaren trägt sie ihren grünen Lieblingshaarreifen.

Als sie fertig ist, kommt sie stolz zu mir und zeigt mir das bestickte Tuch. Es ist wunderschön, genau wie die Tücher die sie vorher gestickt hat. Auch ich kann mein Bild nun beenden. Meine Frau ist begeistert. Auch ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit.
Zwei sehr erfolgreiche Tage liegen hinter uns und wir gehen schlafen.

Jil, 14 Jahre und Mandy, 15 Jahre, beide Gymnasium Broich
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Stand: 25.05.2020

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