Mülheimer Baudenkmäler: Das ehemalige Kreishaus

Landratsamt und späterer Dienstwohnsitz der Mülheimer Oberbürgermeister (1. Obergeschoss; im Erdgeschoss war ab 1923 das Städtische Museum untergebracht)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Stadt Mülheim an der Ruhr, die im Jahr 2008 auf 200 Jahre der Stadtwerdung zurückblickte, gehörte fast die Hälfte dieser Zeit wechselnden Kreisen an, bevor sie Anfang des 20. Jahrhunderts eine kreisfreie Stadt wurde. Aus dieser Zeit stammte das an der Teinerstraße und Schulstraße gelegene Gebäude, das eine wechselvolle Geschichte erlebte, bis es den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer fiel.

Mülheim gehörte viele Jahre zum Kreis Duisburg. Als die Stadt Duisburg im Jahr 1874 aus dem Kreis ausschied, wurde der Kreis Duisburg in Kreis Mülheim an der Ruhr umbenannt und das Landratsamt nach Mülheim verlegt. Es wurde zunächst in gemieteten Räumen untergebracht. Nach einer Verwaltungsreform 1887, die die Aufgaben der Kreise vermehrte, wurde der Kreis Mülheim verkleinert. Er bestand daraufhin aus den Städten Mülheim und Oberhausen sowie den Bürgermeistereien Broich, Heißen und Styrum. Wie in vielen anderen Kreisen wollte man ein Gebäude für die nach der neuen Kreisordnung gewachsenen Aufgaben schaffen.

Von der Planung bis zum Bau des Kreishauses

Die Planung für das Kreishaus wurde 1889 begonnen. Als Bauplatz wurden zahlreiche Grundstücke angeboten. Nach einigen Auseinandersetzungen lehnte der Kreistag die ursprünglich favorisierten Angebote ab und entschied sich für ein außerhalb des damaligen Stadtzentrums an der Ecke von Teinerstraße und Schulstraße gelegenes Grundstück.

Nach der Auswahl des Grundstücks wurde eine beschränkte Ausschreibung durchgeführt, an der mehrere Architekten teilnahmen. Gewünscht war ein zweigeschossiger Bau mit Büroräumen im Erdgeschoss, einem Sitzungssaal für den Kreistag und einer Wohnung für den Landrat im ersten Stock. Der Architekt Heinrich Siepmann aus Hannover gewann den Wettbewerb. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Lösung für den Sitzungssaal des Grundriss des Kreishauses an der TeinerstraßeKreistags, der in einem Anbau an der Schulstraße untergebracht war. Der Hauptflügel des Gebäudes lag an der Teinerstraße. Die Wohnung des Landrats fand Zustimmung, weil sie den Eindruck vornehmer Behaglichkeit vermittelte, die Büroräume, weil sie gut angeordnet waren. Der Architekt Siepmann hatte somit einen Entwurf vorgelegt, der nicht nur zweckmäßig war, sondern auch dem Repräsentationsbedürfnis der damaligen Zeit in jeder Hinsicht entsprach. Die Architektur war abwechslungsreich; besonders hervorgehoben waren die repräsentativen Giebel und der von einem Adler bekrönte Turm mit dem Haupteingang. Dieser Turm war so geschickt angeordnet, dass er von verschiedenen Seiten zu sehen war.

Einige Änderungen des Entwurfs wurden dennoch verlangt. Sie betrafen unter anderem die Wohnung des Landrats, die auf über 200 qm vergrößert wurde. Dafür entfiel figürlicher Schmuck außen am Gebäude, nicht jedoch die Stuckarbeiten in der landrätlichen Wohnung. Überraschend teilte der Architekt kurz darauf mit, dass die Baukosten um fast 40 Prozent gestiegen waren, was aber bei der guten Finanzlage des Kreises nicht zu Problemen führte. Die Bauarbeiten wurden Anfang 1892 abgeschlossen.

Der Übergang des Kreishauses an die Stadt Mülheim

Am 1. Januar 1904 wurde die Stadt Mülheim an der Ruhr kreisfrei und gemeindete große Teile des Kreises ein. Der bisherige Landrat Dr. Paul Lembke wurde Oberbürgermeister von Mülheim an der Ruhr. Der verbleibende Kreis Mülheim, der noch bis 1910 existierte, musste bei der Aufteilung des Kreisvermögens das Kreishaus an die Stadt Mülheim abgeben. Nur etwa 12 Jahre hatten Landrat und Kreisverwaltung in dem repräsentativen Kreishaus residiert und von dort bis zu 150.000 Menschen „regiert“.

Die Stadt Mülheim konnte die Büros im Erdgeschoss gut gebrauchen, da das alte Rathaus schon lange nicht mehr ausreichte. Die Wohnung des Landrats wurde zur Oberbürgermeisterwohnung. Sehr willkommen war der Stadt auch der Sitzungssaal des Kreishauses, in dem von 1904 bis 1915 die Stadtverordnetenversammlung tagte.

Vom Einzug des Museums bis zur Zerstörung

1923 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Kreishauses: Im Erdgeschoss wurde das Städtische Museum wiedereröffnet. Es ging zurück auf die private Sammlung von Robert Rheinen (1844-1920), die heimatgeschichtliche Dokumente und Gegenstände, Gemälde und vielerlei Antiquitäten umfasste. 1909 kaufte die Stadt Mülheim diese Sammlung. 1912 wurde das Städtische Museum in der ehemaligen Vorsterschen Villa in Broich eröffnet, wo es unter der Leitung von Robert Rheinen bis 1920 blieb. Nach dem Verkauf der Villa Vorster musste das Haus 1920 geräumt und die Museumsbestände eingelagert werden.

Mit Dr. Werner Kruse, der 1922 als Museumsleiter eingestellt wurde, wurde das Museum erstmals von einem Wissenschaftler geleitet. Er nahm eine gründliche Durchsicht der Museumsbestände vor und änderte die Ausrichtung des Museums. Neben die heimatgeschichtlichen Sammlungen, die bisher im Vordergrund gestanden hatten, trat die Sammlung und Ausstellung moderner Kunst. Für Wechselausstellungen eignete sich der Oberlichtsaal gut, der ursprünglich für den Kreistag gebaut worden war. Das Museum hatte zahlreiche Besucher, Kunstwerke wurden angekauft und Mülheimer Künstler wie Pankok, Gilles und Lickfeld gefördert. In der nationalsozialistischen Zeit wurden diese Aktivitäten zunehmend verhindert, auch wurden Werke so genannter "entarteter Kunst" beschlagnahmt.
Die Ruine des 1943 durch Bomben zerstörten Kreishauses (nach 1945)Bei dem großen Luftangriff in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 wurde das Kreishaus von Bomben getroffen und brannte aus. Etwa 80 Prozent des Museumsbesitzes wurden zerstört, ein Verlust, der nie wieder ausgeglichen werden konnte. Nach dem Krieg wurde der wenige heimatkundliche Museumsbesitz im Tersteegenhaus untergebracht. Das Kunstmuseum musste dagegen bis 1970 warten, bis es wieder ein eigenes Gebäude bekam.

Das Kreishaus stand als Ruine noch in den 50er Jahren und wurde dann abgerissen. Heute befindet sich dort eine Grünfläche, die nach dem Wegfall der südlichen Teinerstraße durch die Krankenhauserweiterung jetzt oberhalb der Einmündung der Dohne in die Schulstraße liegt.

(Bearbeitete und gekürzte Fassung von "Das Kreishaus in der Teinerstraße" von Johannes Fricke in dem Mülheimer Jahrbuch 2008)

 

Ansicht der Teinerstraße vom Kreishaus bis zur Petrikirche Postkartenansicht des Kreishauses von 1902 Ansicht des Kreishauses von der Schulstraße (Planungsentwurf) Planungsentwurf der Hauptfassade des Kreishauses
Längengrad*
Breitengrad*
ODER Adresse (nur Straße und Hausnummer)
Markertext*

Kontakt


Stand: 07.11.2018

[schließen]

Fehler melden

Sie haben einen Fehler auf dieser Internetseite gefunden? Bitte teilen Sie ihn uns mit. Ein Redakteur wird sich umgehend darum kümmern.

Haben Sie ein anderes Anliegen, um das wir uns kümmern sollen, dann wenden Sie sich bitte an die Bürgeragentur.

Ihre Nachricht

 

Teilen | Drucken | PDF-Version | RSS-Feed | Fehler melden

Transparenter Pixel