Das Projekt "Stolpersteine" in Mülheim an der Ruhr

Stolpersteine für die Familie Abraham Meyer in der Köhle 16 (verlegt am Hans-Böckler-Platz, Ausgang FORUM)

 


Seit 2004 gibt es in Mülheim die bundesweit bekannten Stolpersteine von Gunter Demnig. Dabei handelt es sich um quadratische Betonblöcke, auf denen eine beschriftete Messingplatte angebracht ist. Mit diesen Gedenktafeln wird an das Schicksal der Menschen erinnert, die im Nationalsozialismus ermordet wurden. Verlegt werden die Gedenksteine vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz des Opfers.

Gunter Demnig startete sein Erinnerungsprojekt am 4. Januar 1995 mit der Verlegung der ersten Steine in Köln - damals noch ohne amtliche Genehmigung. Seitdem hat sich das Projekt zum weltweit größten dezentralen Holocaust-Mahnmal entwickelt. Verlegt sind inzwischen über 35.000 Steine in rund 750 Städten und Gemeinden in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Italien, Österreich, Polen, Tschechien, der Ukraine, Ungarn und Norwegen.

Demnigs Leitmotiv besteht darin, den NS-Opfern, die in den Lagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Auch soll das Bücken zur Entzifferung der Daten eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Dennoch geht es Demnig nicht um ein wirkliches Stolpern. „Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“, so der Künstler.

2004 fand Demnigs Erinnerungsprojekt den Weg nach Mülheim an der Ruhr. Aus Anlass ihres 75-jährigen Schuljubiläums waren Schüler der Realschule Stadtmitte in Karteien aus den 1930er Jahren auf Namen von ehemaligen jüdischen Schülern gestoßen. Einige von ihnen waren in Konzentrationslagern umgekommen. Um daran zu erinnern, nahm man mit Gunter Demnig Kontakt auf. Am 18. Dezember 2004 konnten dann dank großzügiger Spenden die ersten sieben Stolpersteine in Mülheim verlegt werden.

Das Logo des Arbeitskreises StolpersteineDie Mülheimer Initiative für Toleranz (MIT) setzte die Aktion fort. Dazu wurde ein Arbeitskreis "Stolpersteine" gegründet, der sich aus Mitgliedern der MIT, Geschichtslehrern, Schülern sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern zusammensetzt. Das Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr unterstützt die Mitglieder des Arbeitskreises bei der Recherche nach Quellen, Daten und Fakten zur Erstellung der Biografien.

In Abgrenzung zu anderen Städten beschloss der Arbeitskreis, nicht nur Verfolgte jüdischen Glaubens, sondern sämtliche Opfer des NS-Regimes zu berücksichtigen, wie politisch Verfolgte, Sinti & Roma, Lesben & Schwule, Behinderte, Bibelforscher (Zeugen Jehovas) sowie Wehrmachtsdeserteure. Mit Hilfe von archivischen Quellen und durch Befragung von Zeitzeugen wollte man den Opfern ein "Gesicht" geben. Ziel war es, nicht nur die Lebensdaten zu recherchieren, sondern auch die Lebensumstände der Betroffenen. Unter diesem Leitgedanken wurden 10 Opfer ausgewählt und im Oktober 2007 mit Stolpersteinen geehrt.

Von 2008 bis 2014 führte der Arbeitskreis neun weitere Verlegungen durch. Im Herbst 2015 kamen fünf Stolpersteine zu Personen hinzu, deren Biografien Schüler und Schülerinnen der Stolperstein-AG des Gymnasiums Broich erarbeitet hatten.

Derzeit befinden sich verteilt über das Stadtgebiet insgesamt 142 Stolpersteine an 70 Verlegeorten (Stand: Januar 2017). 114 Steine erinnern an Opfer jüdischen Glaubens, fünf an politisch Verfolgte, fünf an Bibelforscher, fünf an Opfer der Euthanasie, zwei an Mitglieder des Widerstandes, ein Stein an einen Roma und 10 Steine an sonstige NS-Opfer. Die vorerst letzte Verlegung findet am 31. Januar 2017 mit 19 Stolpersteinen an sieben Verlegeorten gemeinsam mit Gunter Demnig statt.

Es gibt viele engagierte Lehrer, die mit ihren Schülern das Projekt unterstützen, darunter Arbeitsgruppen der Realschule an der Mellinghofer Straße sowie des Gymnasiums Broich.

Stolpersteine gegen das Vergessen - MST-Tour Stadtgeschichte zum Nationalsozialismus Die Präsentation des Projekts im Internet erhält regelmäßig positive Reaktionen aus dem In- und Ausland und hat schon zu Nachfragen aus Holland, Mexiko, Israel, den USA und anderen Ländern geführt. Zahlreiche weitere Projekte sind aus dem Mülheimer Stolpersteinverlegungen hervorgegangen. So gibt es seit Anfang 2010 eine Stolperstein-Wanderausstellung, die von Schülerinnen und Schülern der Realschule an der Mellinghofer Straße in einer Stolperstein-AG erarbeitet worden ist und die über die Schulleitung gebucht werden kann (Telefon 0208 / 455 4451). Die Stolperstein-AG hat außerdem ihre Erfahrungen in einem selbstgedrehten Film zusammengefasst (zum Stolperstein-Film).

Ebenfalls angeregt durch das Projekt "Stolpersteine" hat die Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft (MST) einen Stadtrundgang konzipiert, bei dem die Stolpersteine im Mittelpunkt stehen.

Begleitend zum Stolpersteinprojekt ist mit finanzieller Unterstützung der Sparkassenstiftung eine Dokumentationsmappe erschienen, die die Biographien der einzelnen NS-Opfer enthält. Die Mappe wurde als Loseblattsammlung angelegt, so dass die neu verlegten Stolpersteine berücksichtigt und neue Opferbiographien hinzugefügt werden können. Die Dokumentation wurde an Schulen, Jugendeinrichtungen und mit Jugendarbeit befasste kirchliche Einrichtungen kostenlos abgegeben. Privatpersonen können die Mappe im Lesesaal des Stadtarchivs einsehen und gegen Gebühr Kopien daraus anfertigen lassen.

Im November 2011 wurde dem "Arbeitskreis Stolpersteine" der Hoffnungspreis des Evangelischen Kirchenkreises Mülheim an der Ruhr verliehen. Der eine Teil des Preisgeldes floss in die Verlegung von weiteren Stolpersteinen, mit dem anderen Teil wurde eine Informationsbroschüre über das Projekt finanziert, die im Stadtarchiv und anderen Kultureinrichtungen kostenlos erhältlich ist.

 


Kontakt

Arbeitskreis "Stolpersteine"
c/o Stadtarchiv
Haus der Stadtgeschichte
Von-Graefe-Straße 37
45470 Mülheim an der Ruhr

Telefon: 0208 / 455 4260
Email: stolpersteine(at)muelheim-ruhr.de
Internet: www.stolpersteine-mh.de

 


Downloadbereich:

Übersicht der in Mülheim an der Ruhr verlegten Stolpersteine, Liste A 
(geordnet nach Familiennamen)

Übersicht der in Mülheim an der Ruhr verlegten Stolpersteine, Liste B 
(geordnet nach Straßennamen)

Informations- und Quellensammlung zur Erforschung von NS-Opferbiografien

 


Kurzrundgang "Stolpersteine" (Empfehlung des Arbeitskreises)

 


 

Eine aktuelle Online-Übersicht der in Mülheim verlegten Stolpersteine inklusive Opferbiographien finden Sie hier:

 

A      
Althofstraße Auerstraße

 
B      
Bachstraße Bahnstraße Bismarckstraße Blötter Weg
Bonnstraße Bülowstraße Bürgerstraße  
D      
Delle Dohne Dümptener Straße Düsseldorfer Straße
Duisburger Straße      
E      
Eppinghofer Straße       
F      
Falkstraße Forum Friedrich-Ebert-Straße Friedrichstraße
G      
Georgstraße      
H      
Hans-Böckler-Platz Heelweg    
K      
Kohlenkamp Kreuzstraße    
L      
Landsberger Straße Leineweberstraße Liebigstraße Löhstraße
Luisental      
M      
Mellinghofer Straße Mendener Straße Mühlenstraße  
O      
Oberhausener Straße      
P      
Prinzeß-Luise-Straße      
R      
Rheinische Straße Rosenkamp    
S      
Sandstraße Scharpenberg Schwerinstraße Stadthalle
Steiler Weg      
T      
Tersteegenstraße Theodor-Heuss-Platz    
V      
Viktoriastraße Voßbeckstraße    
W      
Wedauer Straße Winkhauser Weg Wörthstraße  
Z      
Zeppelinstraße      


Kartenansicht

Die Stolpersteine sind alle in der OpenStreetMap (OSM) eingetragen und können in einer entsprechenden Kartenansicht betrachtet werden.

 

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ODER Adresse (nur Straße und Hausnummer)
Markertext*

Kontakt


Stand: 17.01.2017

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