ZEITZEICHEN 8. September 1903: Wahl von Paul Lembke zum Oberbürgermeister

Der Mülheimer Oberbürgermeister Dr. Paul Lembke (1904 - 1928)Im Jahr 1904 machte Mülheim an der Ruhr einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Großstadt. Aus einer Stadt mit weniger als 40.000 Einwohnern, die dem Landrat des Kreises Mülheim unterstand, wurde eine kreisfreie Stadt, die gleichzeitig durch Eingemeindungen so stark wuchs, dass sie 1908 den 100.000. Einwohner feiern konnte.

Am 8. September 1903 wählte die Versammlung der Stadtverordneten Dr. Paul Lembke, den Landrat des Kreises Mülheim, zum Bürgermeister. Nach Bestätigung durch den preußischen König, der ihm den Titel Oberbürgermeister verlieh, wurde er am 2. Januar 1904 in sein Amt eingeführt. Paul Lembke, am 12. April 1860 als Sohn eines mecklenburgischen Gutsbesitzers geboren, war seit 1899 zunächst kommissarisch, ab 1900 endgültig Landrat des Kreises Mülheim an der Ruhr gewesen.

Fast ein Vierteljahrhundert, bis zum Jahr 1928, war Lembke Oberbürgermeister und führte Mülheim durch Krieg, Revolution, Ruhrbesetzung und Inflation. Am Anfang seiner Amtszeit hatte Mülheim einen eher kleinstädtischen Charakter; die Eingemeindungen und eine starke Bevölkerungszunahme erforderten große Anstrengungen. Trotz der schwierigen Zeiten gelang es ihm mit viel Geschick, Mülheim zu einer modernen Großstadt zu entwickeln. Das Schulwesen wurde ausgebaut; durch erhebliche Förderung der Stadt konnte das Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung hier angesiedelt werden. Es entstanden bedeutende Bauwerke wie Rathaus, Sparkasse und Solbad Raffelberg, von denen einige noch heute das Bild der Stadt prägen. In der Krisen- und Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg gelang es, die Stadthalle zu erbauen. Sie schuf ganz neue Möglichkeiten für das städtische Kulturleben, zugleich rundete sie das Ensemble aus Stadtbad und Schlossbrücke ab, das Mülheim den Namen "Ruhr-Venedig" einbrachte. Dieses Ensemble an der Ruhr stand im Rahmen des Ruhrbania-Projekts wieder im Mittelpunkt des Interesses. In den 1920er Jahren bekam Mülheim einen Flughafen, die Weiße Flotte und den Wasserbahnhof. Der 1927 eröffnete Ruhrschifffahrtskanal mit Hafen und Industriegebiet war zweifellos Lembkes wichtigste Infrastrukturmaßnahme, die in den 1960er Jahren eine entscheidende Rolle beim Strukturwandel spielen sollte.

Lembke, der als nationalbewusster und kaisertreuer preußischer Beamter aufgewachsen war, stand der Weimarer Republik wohl eher distanziert gegenüber. So versuchte er zum Beispiel das Hissen der schwarz-rot-goldenen Flagge vor städtischen Gebäuden möglichst zu verhindern. Unbestritten ist aber seine Leistung für die Stadt Mülheim, die in seiner Amtszeit durch die Entwicklung von Infrastruktur, Wirtschaft, Verkehr und Kulturleben nicht nur zahlenmäßig zur Großstadt wurde. Bei seinem Ausscheiden wurde er zum Ehrenbürger Mülheims gewählt und erhielt zahlreiche weitere Ehrungen. Noch heute erinnert eine Straße an ihn.

Paul Lembke starb am 19. September 1939 in Mülheim an der Ruhr.

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Stand: 15.11.2018

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