Der Stolperstein in der Sandstraße

Otto Weiß (Sandstraße 64)

Otto Weiß mit seinen drei Schwestern Maria, Wilhelmine und ElisabethOtto Franz Weiß wurde am 28. April 1902 als Sohn des Kaufmanns Otto Weiß und seiner Frau Elisabeth, geborene Neuhaus, in Mülheim an der Ruhr geboren. Er war der Zweitjüngste der vier Geschwister und gleichzeitig der einzige Sohn. Zusammen mit seinen Schwestern Maria, Wilhelmine und Elisabeth wuchs er in einem katholischen Elternhaus in der Sandstraße 64 auf. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte er auf das humanistische Staatliche Gymnasium - die heutige Otto-Pankok-Schule - und legte dort im Februar 1921 das Abitur ab.

Schon als Schüler zeichnete er sich durch ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und eine starke Frömmigkeit aus, so dass seine Familie der Überzeugung war, er würde einmal den Beruf des Priesters ergreifen. Otto Weiß entschied sich jedoch für ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, das er an den Universitäten Freiburg, München und Münster absolvierte. Nach dem Ersten Staatsexamen und dem Referendariat  - mit Stationen bei der Stadtverwaltung, dem Amtsgericht und dem Finanzamt seiner Heimatstadt Mülheim - bestand er 1924 die Zweite Staatsprüfung vor dem Oberlandesgericht Hamm. Es folgten 1928 die Staatsprüfung für den Höheren Verwaltungsdienst in Preußen sowie 1929 die Promotion an der Universität Münster.

Dr. Otto Weiß im Dienst beim Polizeipräsidenten in Breslau (Foto um 1940)Als bekennender Katholik erkannte er schon früh die Gefahren des Nationalsozialismus und des Totalitätsanspruchs, mit dem die NSDAP als Partei auftrat. Im Jahr der Machtergreifung 1933 wurde Weiß als junger Regierungsrat zum Kulturdezernenten der Bezirksregierung in Aachen ernannt. Zum Abbau von Ressentiments und zur Förderung der Völkerverständigung begann er, Reisen ins benachbarte Belgien und in die Niederlande zu organisieren. Als zu diesen Reisen auch katholische Wallfahrten hinzukamen, setzten seine Vorgesetzten diesen Aktivitäten ein Ende und ordneten eine Strafversetzung ins schlesische Breslau an. Dort verrichtete Weiß fortan seinen Dienst beim örtlichen Polizeipräsidenten.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde Otto Weiß "UK" (= unabkömmlich) gestellt, da seine Arbeit beim Polizeipräsidenten als kriegswichtig eingestuft wurde. Im März 1943 wurde diese UK-Stellung jedoch aufgehoben. Weiß erhielt den Einberufungsbefehl und wurde als Soldat zu einer Wehrmachtseinheit nach Rumänien verlegt. Während dieser Zeit reifte in ihm die Überzeugung, dass der Krieg falsch sei und so schnell wie möglich beendet werden müsse. Anonym schickte er ein Schreiben an Adolf Hitler mit der Aufforderung zum Rücktritt. Mit der Denkschrift "Auftrag zur Rettung Deutschlands" machte er die deutsche Widerstandsbewegung, insbesondere den Kreis um Carl Friedrich Goerdeler, auf sich aufmerksam. Durch die Denunziation eines vermeintlichen Gesinnungsgenossen wurde Otto Weiß während eines eigenmächtig verlängerten Heimaturlaubs im August 1943 bei dem Versuch verhaftet, in die Schweiz einzureisen, wo er Kontakt zu emigrierten Regimegegnern aufnehmen wollte.

Stolperstein für Dr. Otto Weiß in der Sandstraße 64Am 14. Februar 1944 wurde vor dem Volksgerichtshof Anklage gegen Otto Weiß wegen Fahnenflucht und Hochverrats erhoben. Dabei beschuldigte man seine Schwester Elisabeth der Mitwisserschaft. Während Elisabeth Weiß eine Einweisung in das KZ Ravensbrück erhielt und dort überlebte, endete das Gerichtsverfahren für ihren Bruder mit einem Todesurteil. Das Urteil - Tod durch Erhängen - wurde am 20. März 1944 in Plötzensee vollstreckt. Nach der Verbrennung der sterblichen Überreste von Otto Weiß überführten Familienangehörigen diese nach Mülheim, wo sie auf dem Hauptfriedhof in heimatlicher Erde beigesetzt wurden.

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Stand: 27.02.2017

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