Mülheimer Baudenkmäler: Die Alte Post

Ansicht des Postgebäudes am Viktoriaplatz (um 1918)

Das alte wilhelminische Hauptpostgebäude mit seiner historistischen Fassade liegt unmittelbar am Synagogenplatz, dem ehemaligen Viktoriaplatz, und beherbergt das städtische Kunstmuseum. Als die Stadt Mülheim den Bau im Jahr 1979 im Tausch gegen das hinter dem Forum (damals noch City Center) gelegene Baugrundstück erwarb, gab es zunächst Diskussionen über die zukünftige Nutzung. Nach der Einigung auf politischer Ebene wurde als erstes die alte Schalterhalle umgebaut, um 1985 als Bürgerbegegnungsstätte ihrer neuen Funktion übergeben zu werden. Im August 1994 wurde nach mehreren Bauphasen der restliche Teil des Gebäudes als „Kunstmuseum in der Alten Post” wiedereröffnet.

Mülheimer Postgeschichte

Die Mülheimer Postgeschichte  beginnt 1794 mit dem Gesuch des preußischen Ministeriums an die Broicher Landesherrin Marie Luise Albertine von Hessen-Darmstadt, für die Postbeförderung zwischen Duisburg und Essen die Durchfahrt durch das Broicher Gebiet zu gestatten und auf Zollforderungen zu verzichten. Die Landgräfin erkannte den großen Vorteil einer Postanbindung und stimmte zu. Ihr Ansinnen, eine eigene Poststation in Mülheim einzurichten, wurde jedoch vom Ministerium wegen der zu großen Nähe zu  Duisburg und Essen abgelehnt. Damals vermittelten Boten und Fuhrleute den geringen Brief- und Paketverkehr der Bewohner Mülheims nach Düsseldorf, Duisburg, Werden und Essen und von dort aus zu weiteren Zielorten. 1796/97 richtete die Thurn und Taxis'sche Postverwaltung in Mülheim eine eigene Poststation ein. Deren Leitung wurde zunächst noch durch den Lehrer einer katholischen Schule im Nebenamt wahrgenommen. Wann dieser seine Aufgaben in hauptamtliche Hände übergab, ist unklar. Wahrscheinlich kam die Ablösung bereits 1798 mit der Einsetzung des Postverwalters Mathias Krabb als Vorsteher der sogenannten Postwärterstelle.

Historische Ansicht des Postgebäudes am Viktoriaplatz (ohne Datierung)1816 übernahm das Land Preußen die Posthoheit von den Fürsten von Thurn und Taxis, was  einige Veränderungen im Postwesen zur Folge hatte. Ein geregeltes Bestellgeld, die Selbstabholung sowie die Auslieferung der Post zweimal am Tag wurden eingeführt. 1817 trat in den gesamten preußischen Gebieten die preußische Postverfassung in Kraft. Die bisher dem Postamt Duisburg unterstellte Postwärterstelle Mülheim wurde in ein selbstständiges Postamt umgewandelt und der bisherige Postwärter zum Postmeister ernannt. Diesem wurden zudem die Postwärterstellen in Kettwig und Werden unterstellt.

1850 kam es in Mülheim zur Einführung von Briefmarken. Diese Neuerung stieß jedoch auf starken Widerstand in der Bevölkerung und noch jahrelang machten die Mülheimer Gebrauch von der Möglichkeit, die Gebühren auf dem Postamt zu bezahlen und Briefmarken somit zu vermeiden.  Für heutige Philatelisten ist es eine besondere Herausforderung, eine frühe gelaufene Briefmarke mit Mülheimer Poststempel zu finden.

1856 wurden die ersten Briefkästen zur bequemeren Auslieferung der Post in den  Mülheimer Landgemeinden aufgestellt, 1859 folgten Briefkästen auch im Mülheimer Stadtgebiet. Diese wurden sechs Mal am Tag - zwischen 6.30 Uhr morgens und 21.30 Uhr abends - geleert. Die ersten drei Kästen hingen in den Straßen “Auf dem Bach”, “Am Bogen” - unterhalb der Petrikirche - sowie in der „Kettenbrückstraße“ (heute Schloßstraße).

Das Mülheimer Postamt

Durch das ständige Wachstum der Poststation und ihrer Aufgaben wurden wiederholte Umzüge notwendig. Als 1888 das bislang genutzte Gebäude des Ruhrschifffahrtsgefälleamtes zu klein und daher erweitert werden musste, erwog man den  Ankauf von Nachbargrundstücken. Diese Option wurde dann aber letztendlich als zu teuer wieder verworfen. Zudem war das Postgebäude inzwischen nach der Eingemeindung von Eppinghofen und Mellinghofen (1878) nicht mehr zentral gelegen und durch die tiefe Lage in der Nähe der Ruhr hochwassergefährdet. Das Schollenfeld hingegen erschien als hochgelegener Ort mit bisher kaum vorhandener Bebauung als günstiger Bauplatz. 1894 kaufte man das Areal dem Bauunternehmer Döring für 120.000 Mark ab, um dort das neue Postgebäude zu errichten. Döring übernahm auch einen beträchtlichen Teil der auf zwei Jahre veranschlagten Bauarbeiten, die im April 1895 aufgenommen wurden. Im November wurde bereits das Richtfest gefeiert und nach winterlichem Baustopp konnten die Bauarbeiten mit den noch ausstehenden Steinmetzarbeiten im März 1896 wieder aufgenommen werden. Den Steinmetzarbeiten am Außenbau folgte der innere Ausbau.

Ansicht des Postgebäudes am Viktoriaplatz (o.D.)Das neue Postgebäude

Hinter der prachtvollen Fassade des neuen Postgebäudes war die Organisation des Inneren vorbildlich angelegt. Im Kellergeschoss befanden sich eine Hilfspackkammer, Wirtschaftsräume für das Postamt und die Dienstwohnungen der Postbeamten. Im Erdgeschoss waren die Diensträume für das Postamt, im ersten Stock Diensträume für die so genannte Telegraphie- und Fernsprechstelle sowie eine Dienstwohnung für den Amtsvorsteher untergebracht. Der Unterbeamte hatte eine Wohnung im Dachgeschoss, das über zusätzlichen, zunächst ungenutzten Raum verfügte. Geheizt wurden die Diensträume und Dienstwohnungen mit Kachelöfen der Firma Albrecht & Sohn aus Hildesheim und eisernen Öfen von Johann Höfmann aus Mülheim. Einen dieser Kachelöfen kann man heute noch in den Ausstellungsräumen der Abteilung zur klassischen Moderne besichtigen.

Der Haupteingang zur Schalterhalle - heute Haupteingang des Museums - zeigte zum Viktoriaplatz (heute Synagogenplatz). Die seitlichen Eingänge führten zu den übrigen Diensträumen im ersten und zweiten Stock und ermöglichten kurze Wege auch in die Dienstwohnungen. Vom Hof aus zugänglich war die Paketannahme und -ausgabe in einem Querflügel untergebracht, der heute ebenfalls vom Museum genutzt wird und trotz baulicher Veränderungen in seiner äußeren Form noch klar zu erkennen ist.

(Bearbeitete und gekürzte Fassung von "Die Alte Post - Kunstmuseum und Begegnungsstätte" von Rouven Lotz, in: Zeugen der Stadtgeschichte - Baudenkmäler und historische Orte in Mülheim an der Ruhr. Klartext Verlag, Essen 2008)

 

Ansicht des Postgebäudes am Viktoriaplatz (um 1901) Das Ensemble von Synagoge, Sparkasse und Postgebäude am Viktoriaplatz Die Alte Synagoge (von 1907) und das Kaiserliche Postamt am Viktoriaplatz Ansicht des Postgebäudes am Viktoriaplatz (um 1911)
Ansicht des Postgebäudes am Viktoriaplatz (ohne Datum) Ansicht des Postgebäudes am Viktoriaplatz (o.D.) Ansicht des Postgebäudes am Viktoriaplatz (ohne Datierung) Die Postfachschließanlage im damaligen Hauptgebäude der Post am Viktoriaplatz (um 1929)
Die damalige Hauptpost am Viktoriaplatz in den 1960er Jahren Das Gebäude der Hauptpost am Viktoriaplatz in den 1960er Jahren Postkartenansicht der Alten Post von 1994. Foto: Walter Schernstein. Kunstmuseum/Alte Post. Tag des offenen Denkmals.
Längengrad*
Breitengrad*
ODER Adresse (nur Straße und Hausnummer)
Markertext*

Kontakt


Stand: 29.09.2015

[schließen]

Fehler melden

Sie haben einen Fehler auf dieser Internetseite gefunden? Bitte teilen Sie ihn uns mit. Ein Redakteur wird sich umgehend darum kümmern.

Haben Sie ein anderes Anliegen, um das wir uns kümmern sollen, dann wenden Sie sich bitte an die Bürgeragentur.

Ihre Nachricht

 

Teilen | Drucken | PDF-Version | RSS-Feed | Fehler melden

Transparenter Pixel