Mülheimer Baudenkmäler: Die Schlossbrücke

Ansicht der Kettenbrücke vom Broicher Ruhrufer

Von 1844 bis 1909 war die Kettenbrücke - offiziell Friedrich-Wilhelms-Brücke - das Wahrzeichen der Stadt Mülheim an der Ruhr und gleichzeitig eine der ersten Kettenbrücken Deutschlands. Mit dem Brückenschlag entstand eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen dieser Zeit. Die bis zu diesem Zeitpunkt verkehrende Schollsche Fähre war stets vom Wasserstand abhängig gewesen, bei Hochwasser kam die Verbindung zum Erliegen. Darüber hinaus konnte sie das stetig steigende Verkehrsaufkommen nicht mehr bewältigen. Die bedeutendste Auswirkung des Brückenbaus für die Stadt lag jedoch darin, dass Mülheim damit zum Knotenpunkt wurde. Als erste Bücke der Region ermöglichte sie jederzeit die Querung der Ruhr und konnte von allen Straßen der Umgebung ohne große Umwege genutzt werden.


Der Bau der Kettenbrücke (1842-44)

Die Mülheimer Kettenbrücke während der Bauarbeiten (um 1843)Bereits im Jahr 1835 begann die Planung der Königlichen Regierung in Düsseldorf für den Bau einer Brücke über die Ruhr. Nach reichlichen Diskussionen wurde als verkehrsgünstigster Standort die Stadt Mülheim als Mittelpunkt von fünf über die Ruhr führenden Straßen festgelegt. Als kostengünstigste Bauweise wurde bereits in diesen Anfängen der Bau einer Kettenbrücke angestrebt.

Doch obwohl mit der Entscheidung für eine Kettenbrücke die geringsten Baukosten zu erwarten waren, zogen sich die Verhandlungen mit der Stadt hin. Zwar bekam die Stadt während dieser Zeit von verschiedenen Industriellen - so auch von Mathias Stinnes - das Angebot, die Brücke auf eigene Rechnung erstellen zu lassen, jedoch unter Einbehalt der Brückengelder. Letztendlich sagte dann im Jahr 1838 der preußische Staat die Kostenübernahme für den Bau der Brücke zu. Dennoch dauerte es weitere Jahre, bis im August 1842 die Grundsteinlegung erfolgte. Die eigentliche Bauzeit war mit wenig mehr als zwei Jahren dagegen recht kurz, so dass am 13. November 1844 in Mülheim eine der ersten Kettenbrücken Deutschlands eröffnet werden konnte.

Die Nutzung der Kettenbrücke (1844-1909)

Blick auf die Kettenbrücke vom Broicher Ruhrufer (um 1908)Die Eröffnung der Kettenbrücke im November 1844 wurde mit einem großen Zug über dieselbe begangen. In Reihen von sechs Personen, voran die Baubeamten und Techniker, ging es über die Brücke, gefolgt von zwei vierspännigen Kohlenwagen. Ebenso kontrolliert wie die Eröffnung gestaltete sich im Folgenden auch die Regelung des Verkehrs. Die an der Brückengeld-Hebestelle postierten Brückenbeamten hatten für die Einhaltung der strengen Regelungen zu sorgen. Laut Brückenordnung war die Ansammlung von Menschen in größerer Menge untersagt und die Brückenbeamten dazu verpflichtet, nicht mehr als 1.000 Personen gleichzeitig auf die Brücke zu lassen. Diese und ähnliche Vorschriften begleiteten die Geschichte der Brücke in den kommenden 30 Jahren, bis die Belastungen derart gewachsen waren, dass die Brücke den Ansprüchen nicht mehr entsprach. 1874/75 wurden daher auf beiden Seiten und mittig unter der Fahrbahn Versteifungsträger aus Stahlfachwerk eingezogen. Im gleichen Zug ersetzte man die hölzernen Querträger und den Diagonalverband durch vollwandige Stahlträger. Diese Maßnahmen konnten die Entwicklung jedoch nicht aufhalten. Die Brücke konnte so zwar bis 1907 weiterbestehen, musste dann aber endgültig einer neuen Brücke mit breiterer Fahrbahn weichen. 

Die Schlossbrücke (1909)

Lageplan für den Bau der Schlossbrücke (mit Einzeichnung der provisorischen Notbrücke)Die geringe Verkehrsbreite war ausschlagegebend für die Entscheidung der Stadt, die Kettenbrücke durch einen Neubau zu ersetzen. Denn obwohl die Eisenteile bis dahin vorzüglich gehalten hatten und man die Konstruktion bereits erfolgreich verstärkt hatte, war die Erhaltung der Brücke durch einen weiteren Umbau unmöglich. Ein solcher wäre von den Kosten her einem Neubau gleichgekommen. Zudem kam wegen der verkehrlichen Verhältnisse nur dieser Standort in Frage, so dass ein Abbruch trotz der engen Verbundenheit der Mülheimer mit ihrem Wahrzeichen unabwendbar war.
   
Mit der Ausschreibung eines Wettbewerbs trat die Stadt 1907 an eine Anzahl von Brückenbaufirmen heran, Entwürfe und Angebote für die neue Brücke einzureichen. Bereits bis zum 2. Oktober 1907 hatten 21 Unternehmen insgesamt 24 Entwürfe eingereicht. Aus den verschiedensten Entwürfen, von eisernen über steinerne Brücken bis zu Betonbrücken, entschied sich das Preisgericht letztlich für den Entwurf von Grün und Bilfinger, Mannheim, der in Zusammenarbeit mit dem Architekten Prof. Billig, Karlsruhe, erarbeitet worden war.

Die Wahl war trotz erheblich höherer Baukosten, es waren weit über einer halben Million Mark, auf eine Massivbrücke in Klinkerkonstruktion mit vollständiger Verkleidung aus Ruhrsandstein gefallen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war wohl neben der geringeren Unterhaltskosten und einer längeren Lebensdauer vor allem die Gestalt der Brücke.

Bauzeit und Konstruktion

Die Kettenbrücke mit daneben errichteter NotbrückeAm 7. Oktober 1909 wurde die Kettenbrücke für den Abbruch stillgelegt. Mit einem Fackelzug über die Brücke verabschiedeten sich die Mülheimer von diesem einzigartigen, seltenen und schönen Bauwerk. Vergeblich hatte man mit verschiedenen Gemeinden über die Übernahme der Konstruktion verhandelt; noch bis zum Vorabend der Sperrung hatten die Mülheimer gehofft. Nach über 60 Jahren mussten sie sich von ihrem Wahrzeichen verabschieden. Von der Sperrung der Kettenbrücke 1909 bis zur Einweihung der neuen Brücke am 24. Februar 1911 diente wenige Meter weiter eine Notbrücke als Verbindung.

Voll Stolz zeugen Bilder und Postkarten vom Bau der neuen Schlossbrücke, mit der eine neue Epoche der Stadt begann: Mülheim wurde zum „Venedig der Ruhr“. Mit dem Ziel, die Ruhr durch ein Ensemble von Bauten im Stil antiker Uferpaläste zu inszenieren, war die neue Schlossbrücke als monumentale Steinbrücke nun zentrales Element dieser Konzeption. Als steinerne Klammer verband sie Stadtbad und Brückenhaus mit der Stadthalle und dem Verwaltungsgebäude der Wasserwerke am anderen Ufer.

Blick auf die Schlossbrücke und das Broicher Ruhrufer (vor dem Bau der Stadthalle)Die mit 12 Metern festgesetzte Brückenbreite teilte sich in 8 m Fahrbahn und je 2 m Bürgersteig, die sich am Broicher Ufer um je einen Meter aufweiteten. Auf Mülheimer Seite wurde zugunsten des Brückengeldnehmerhauses und des Stadtbades eine größere Aufweitung vorgesehen.Trotz der monumentalen Wirkung hielt Architekt Billig die Gestaltung der Brücke bewusst schlicht.   

Während ihres 49jährigen Bestehens wurde die Schlossbrücke neues Wahrzeichen der Stadt. Sie überstand als einzige größere Brücke den 2.Weltkrieg ohne Zerstörungen. Allerdings erging es ihr wie ihrer Vorgängerin: obwohl die Fahrbahn bereits Kraftfahrzeugverkehr und Straßenbahn Platz bot, entsprach sie nicht dem stetig steigenden Verkehrsaufkommen.

Die neue Schlossbrücke (1957)

Die neue Schlossbrücke (1957) entstand vor dem Abriss der Vorgängerbrücke und wurde erst später auf ihre endgültige Position verschoben1956 wurde ein Neubau der Brücke beschlossen und ein Jahr später beauftragte man Professor Leonhardt aus Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Brückenarchitekten Lohmer aus Köln mit einem Entwurf. Nach der Ausschreibung Anfang 1958 erhielt die Firma Fried. Krupp Maschinen- und Stahlbau, Rheinhausen, nach eingehender Prüfung für ihren Sonderentwurf den Zuschlag unter Maßgabe, „die Tiefbauarbeiten von der Baugesellschaft F. Brüggemann, in Arbeitsgemeinschaft mit den Mülheimer Firmen Rudolphi und Volkenborn, ausführen zu lassen“.

Das Unternehmen Fried. Krupp Maschinen- und Stahlbau Rheinhausen hatte den Zuschlag für ihren Entwurf einer Brücke in Verbundkonstruktion von Stahl-Kastenträgern mit Stahlbetonfahrbahn vor allem aufgrund einer herausragenden verkehrlichen Problemlösung erlangt. Der Verkehr sollte so lange normal weiterlaufen, bis die neue Brücke auf Verschubbahnen neben der bestehenden Brücke errichtet war. Dann sollte die Umleitung des Verkehrs auf die neue Brücke erfolgen. Nach dem Abbruch der alten Brücke wurden die neuen Pfeiler an festgelegter Position erstellt und die neue Brücke auf diese Pfeiler an ihre endgültige Position verschoben.
   
Ansicht der neuen Schlossbrücke, so wie sie auch heute noch zu sehen istSo konnte im Dezember 1959 die neue Brücke für den Verkehr freigegeben werden und mit dem Abbruch der alten Brücke begonnen werden. Nach Sprengung der alten Brücke im  Februar 1960 wurde deutlich, dass die Erstellung neuer Fundamente unabdingbar war. Nach dieser unplanmäßigen Verzögerung, die zusätzlich einen Mehraufwand von 500.000 DM mit sich brachte, ging jedoch die Erstellung der neuen Flußpfeiler recht zügig voran, so dass diese bereits Mitte Juli fertig waren. Anfang September wurde dann die Brücke für den Verkehr gesperrt, um am folgenden Tag mit dem Verschieben des Überbaus beginnen zu können. Bereits am 13. September 1960 konnte die Brücke an ihrem endgültigen Standort in beide Fahrtrichtungen für den Verkehr freigegeben werden.

(Bearbeitete u. gekürzte Fassung von "Von der Kettenbrücke bis zur Schlossbrücke" von Melanie Rimpel, in: Zeugen der Stadtgeschichte - Baudenkmäler und historische Orte in Mülheim an der Ruhr. Klartext Verlag, Essen 2008)

 

Die Schollsche Fähre war vor dem Bau der Kettenbrücke in Mülheim der einzige Weg über die Ruhr Die Mülheimer Kettenbrücke mit elektrischer Beleuchtung Blick auf die Kettenbrücke vom Schleusenkanal Blick auf die Ruhr und die alte Schlossbrücke vom Broicher Ruhrufer
Blick von der Brücke in die alte Schlossstraße (zum Schloss Broich führend) auf dem Broicher Ruhrufer Blick vom Wasserbahnhof auf die alte Schlossbrücke (nach 1927) Spielende Kinder bei Niedrigwasser vor der alten Schlossbrücke Die steinerne Schlossbrücke mit Stadthalle (nach 1926)
Längengrad*
Breitengrad*
ODER Adresse (nur Straße und Hausnummer)
Markertext*

Kontakt


Stand: 06.11.2017

[schließen]

Fehler melden

Sie haben einen Fehler auf dieser Internetseite gefunden? Bitte teilen Sie ihn uns mit. Ein Redakteur wird sich umgehend darum kümmern.

Haben Sie ein anderes Anliegen, um das wir uns kümmern sollen, dann wenden Sie sich bitte an die Bürgeragentur.

Ihre Nachricht

 

Teilen | Drucken | PDF-Version | RSS-Feed | Fehler melden

Transparenter Pixel