Die Stolpersteine in der Leineweberstraße

Die Stolpersteine für Jenny und Sophie Marx in der Leineweberstraße 47Sophie und Jenny Marx

(Leineweberstraße 47)

Sophie Marx wurde am 18. November 1875, ihre Schwester Jenny am 25. Februar 1879 im hessischen Frankenberg (Eder) geboren. Sie waren beide jüdischen Glaubens. Die jüngere der beiden Schwestern, Jenny, zog 1904 nach Mülheim, nachdem sie zuvor einige Jahre  in Duisburg gelebt hatte. Die ältere Schwester Sophie folgte ihr 1913.

Beide bewohnten von 1914 bis Ende 1933 gemeinsam eine 5-räumige Wohnung im Haus der Familie Hardt in der Leineweberstraße 22-24. Dann zogen sie um in eine 3-räumige Etagenwohnung in der Leineweberstraße 4 (heute: Nr. 47). Diese war gutbürgerlich eingerichtet. Beide Frauen waren sehr belesen, was auch in ihrer umfangreichen Bibliothek zum Ausdruck kam. Jenny Marx war zudem Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Literatur und Kunst in Mülheim.

Bis zum Juli 1931 betrieben die beiden Schwestern ein Geschäft für Damen- und Herrenmoden auf der Leineweberstraße 22. Nachdem sie aus unbekannten Gründen ihr Geschäft aufgegeben hatten, eröffneten sie  im Oktober 1931 eine Wäscheannahmestelle an gleicher Stelle. Diese bestand bis 1935. Im Februar 1942 wurden Sophie und Jenny Marx durch die Behörden genötigt, ihre Wohnung in der Leineweberstraße räumen und in das "Judenhaus" in der Eppinghofer Straße 133 umzuziehen. Ihr umfangreiches Mobiliar konnten sie dabei nicht mitnehmen. Laut Wiedergutmachungsakte mussten sie dabei einen Großteil der Möbel und Gegenstände zu Schleuderpreisen verkaufen. Zwei Monate später erhielten sie die Aufforderung, sich für eine Deportation in den Osten bereit zu halten. Zusammen mit 14 weiteren Juden aus Mülheim wurden sie am 22.  April 1942 zum Bahnhof gebracht, um dann über Düsseldorf-Derendorf nach Polen ins Konzentrationslager Izbica gebracht zu werden. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Jenny Marx noch über ein Sparbuch von rund 200 Reichsmark, Münzen und Silber. Alle zu Deportierenden auf diesem Transport hatten 25 Prozent ihres Vermögens an die Reichsvereinigung der Juden zu „spenden“. Von diesem Konto, das die Gestapo verwaltete, wurden die Transportkosten beglichen. Obwohl der Deportationszug nur aus Güterwagen bestand, waren die „Passagiere“ als Reisende dritter Klasse gebucht. Bevor man sie in die Waggons pferchte, beraubte man die  Juden im Güterbahnhof Derendorf noch ihrer wenigen Habseligkeiten. Im Zug fuhren  neben einigen jüdischen Ordnern ein Offizier und 15 Mann als Begleitkommando mit.

Izbica war der Kreuzungspunkt zweier wichtiger Bahnlinien und sollte als Sammelpunkt dienen für die spätere Fahrt in ein Vernichtungslager. Laut amtlicher Angaben hat von den in das Lager Izbica eingelieferten Personen niemand das Jahr 1943 überlebt. Jenny und Sophie Marx wurden weiter nach Auschwitz verbracht, wo sich ihre Spuren verlieren. Am 8. Mai 1945 wurden die beiden Schwestern für tot erklärt.

 


Stolpersteine der Familie Ernst Rosenthal, Verlegung am 31.01.2017Familie Ernst Rosenthal (Leineweberstraße 86), [früher Bachstr. 48]

Ernst Rosenthal, geboren am 27. Dezember 1889 in Östrich/Rheingaukreis Hessen-Nassau, und seine Frau Elise genannt Elly, geboren am 17. Februar 1893 als Elise Jac(k)obs in Lathen (Emsland), lebten mit ihren beiden Kindern, einer Tochter und ihrem Sohn Heinz (*29. August 1927 in Herne) von 1931 bis 1933 in Mülheim an der Ruhr. Zuvor wohnte die Familie in Siegburg und kurze Zeit in Bremen. Die Familie war jüdischen Glaubens.

Der Vater Ernst Rosenthal war im 1. Weltkrieg als aktiver Frontsoldat für vier Jahre eingezogen und mit dem Eisernen Kreuz der deutschen Wehrmacht ausgezeichnet worden.Kaufhaus Alsberg in der Leineweberstraße, 1928 von Karl Pless (s. Stolperstein Viktoriastraße 26) gegründet, Neubau 19281929; seit 1933 Berger & Lindner

Nach dem Krieg war Ernst Rosenthal Kaufmann und arbeitete als Einkäufer und Geschäftsführer bei der Firma Gebrüder Alsberg, einem Kaufhaus in der Bachstraße 36-38, unweit der Wohnung der Familie in der Bachstraße 48. Die Familie war finanziell abgesichert, hatte eine Haushaltshilfe und konnte sich mehrere Urlaube im Jahr leisten.

1933 verlor Ernst seine Anstellung bei Alsberg und die Familie emigrierte im Dezember 1933, laut Einwohnermeldekarte am 20. November 1933, nach Amsterdam. Dort eröffneten Ernst und Elise Rosenthal einen Kleider-Konfektionsbetrieb, da Elise Rosenthal Schneiderin war.

Die Tochter besuchte von Ostern 1932 bis zum Wegzug am 1. Dezember 1933 das Lyzeum an der Kaiserstraße in Mülheim. Heinz ging aus Angst vor möglichen Belästigungen durch "arische" Schüler in keine Schule in Mülheim. In Amsterdam besuchten die Geschwister eine Oberrealschule, von der Beide vorzeitig abgingen, weil sie im elterlichen Betrieb mitarbeiten mussten und weil sie auch hier verfolgt wurden. Ihre Berufswünsche, ein Medizinstudium bzw. in die Fußstapfen des Vaters zu treten und ebenfalls Kaufmann zu werden, blieb beiden Kindern verwehrt.

Ein erster Aufruf zur Deportation im Juli 1942 konnte wegen der Frontkämpferpapiere des Vaters noch zurückgestellt werden.

Am 28. November 1942 wurde die Familie jedoch in das niederländische Durchgangslager Westerbork deportiert. Heinz und die Eltern Ernst und Elise wurden von dort am 14. September 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie am 17. September 1943 ermordet wurden.

Freunde der Familie hatten zuvor noch versucht, für die Eltern und den Sohn ein Zertifikat für die Ausreise nach Amerika zu besorgen. Die Anfrage hatte sogar Erfolg, allerdings trafen die offiziellen Papiere erst eine Woche nach dem Transport nach Auschwitz ein.

Die Tochter überlebte. Sie war bis zum 15. Februar 1944 in Westerbork inhaftiert und wurde von dort nach Bergen-Belsen gebracht. Hier traf sie unter anderem auf Anne Frank, mit der sie lange Gespräche führen konnte. Am 23. April 1945 wurde sie nach Troebitz gebracht und dort am selben Tag von russischen Truppen befreit.

Sie kehrte nach Kriegsende nicht nach Deutschland zurück.

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Stand: 17.07.2017

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