Festakt für Prof. Dr. List (2022)

Festakt für Prof. Dr. List (2022)

Begrüßung von Oberbürgermeister Marc Buchholz

anlässlich des Festaktes für Prof. Dr. List, Träger des Nobelpreises für Chemie 2021,

am Dienstag, 29. März 2022, 15 Uhr

Stadthalle, Festsaal

***

Ich begrüße:

Prof. Dr. Benjamin List und seine persönlichen Gäste

Laudator Prof. Ferdi Schüth

meine Vorgänger*in im Amt, Dagmar Mühlenfeld und

Jens Baganz,

unsere Bürgermeister*in und Bezirksbürgermeister*innen

Mandatsträger*innen aus Bundestag, Landtag, Rat, Integrationsrat und Jugendstadtrat

Mitglieder VV

Ehrenringträger*innen

Ruhrpreisträger der Mülheimer MPIs

Vertreter*innen der Kirchen, des DGBs, der Wirtschaft, der Kreishandwerkerschaft und unserer Hochschule

Presse

und alle Gäste, die ich jetzt noch nicht aufgezählt habe!

Uns erreichten leider in den letzten Tagen vermehrt krankheitsbedingte Absagen. Allen Erkrankten wünsche ich von dieser Stelle aus gute Besserung! Und all jene, die sich in Quarantäne befinden, grüße ich sehr herzlich aus unserer Stadthalle. Wir hätten Sie gerne heute hier gehabt!

Nun aber zurück zu Ihnen, liebe Gäste hier vor Ort:

Herzlich willkommen zum Festakt der Stadt Mülheim an der Ruhr zu Ehren von Prof. Dr. Benjamin List vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, … der zu unser aller Freude gemeinsam mit seinem Kollegen David MacMillan im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

den meisten von Ihnen wird der Name Professor Adolf Harnack nichts sagen. So ging es zumindest mir, bevor ich mich – aus gegebenem Anlass - intensiver mit der Entstehung der Max-Planck-Institute beschäftigt habe.

Prof. Harnack ist sozusagen verantwortlich dafür, dass wir mit Prof. Dr. Benjamin List nun schon zum zweiten Mal in Mülheim einen außerordentlichen Forscher ehren können, der mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde!

Der Berliner Theologie-Professor galt Anfang des letzten Jahrhunderts als einer der innovativsten und einflussreichsten Wissenschaftsförderer seiner Zeit.

Er war es, der 1909 die wegweisende Idee formulierte, ergänzend zu den Universitäten des Landes unabhängige Forschungsinstitute einzurichten. Diese sollten sich speziell mit Grundlagenforschung vor allem in den Naturwissenschaften beschäftigen.

Sein Appell basierte auf den alltäglichen Erfahrungen, die er und seine Zeitgenossinnen und -genossen damals machten:

Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts hatte allzu deutlich gezeigt, dass viele neue technische Probleme nur mit einem größeren Wissen über chemische und physikalische Grundlagen zu lösen sein würden.

Und offensichtlich traf Prof. Adolf Harnack den Nerv der Zeit - und auf das Verständnis der Herrschenden. Bereits zwei Jahre später, 1911, kam es nämlich in Berlin zur Gründung einer neuen Forschungsgesellschaft, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Eine weise Entscheidung und - wie sich inzwischen zeigt - eine sehr erfolgreiche Investition in unsere Zukunft!

Unser Mülheimer Max-Planck-Institut für Kohlenforschung war eines der ersten Institute dieser Gesellschaft.

Es wurde bereits 1912 gegründet und zwei Jahre später - 1914 - eröffnet.

1930 wurde der Forscher Max Planck zum Präsidenten der Gesellschaft berufen. Schon damals hatte die unabhängige Forschungseinrichtung 7 (!) Nobelpreisträger hervorgebracht…

Max Planck wurde Namensgeber der 1948 gegründeten Max-Planck-Gesellschaft, in die die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Laufe der Jahre überging.

1963 konnte sich die Stadt Mülheim an der Ruhr gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Kohlenforschung auf dem Kahlenberg über den ersten „Mülheimer“ Nobelpreisträger für Chemie freuen!

Prof. Dr. Karl Ziegler, seit 1943 Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung, das nach 1948 in das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung umfirmierte, erhielt den Nobelpreis für seine Erkenntnisse, mit denen eine neue Generation von Kunststoffen hergestellt werden konnte.

Prof. Ziegler ist noch heute über seine Forschungen hinaus in unserer Stadt sehr präsent – als Namensgeber eines der städtischen Gymnasien und natürlich über die Sammlung Ziegler in unserem Kunstmuseum.

Heute aber freuen wir uns sehr darüber, mit

Prof. Dr. Benjamin List den zweiten Nobelpreisträger in Mülheim würdigen zu können.

Ich weiß, dass wir Mülheimer*innen eigentlich nur wenig zu den Forschungserfolgen der asymetrischen Organokatalyse beigetragen haben.

Vielleicht ist es der attraktive Standort des Instituts, vielleicht sind es die ambitionierten Kolleg*innen in Ihrem Hause oder das Wohnumfeld, in dem Sie, sehr geehrter Herr Prof. List, und Ihre Familie sich wohlfühlen – die zu Ihren weltweit anerkannten und geschätzten Forschungsergebnissen beitragen… Den Grundstein dazu haben Sie allerdings vor vielen Jahren in den USA gelegt.

Ich kann zumindest aus eigener Erfahrung sagen, dass ich am 6. Oktober 2021 mit Stolz und Gänsehaut auf die Verlautbarung aus Stockholm reagiert habe, dass mit Prof. Dr. Benjamin List ein Mülheimer Bürger mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wird. Und ich weiß, dass es vielen Mülheimer*innen genauso ging…

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. List,

als Sie von Ihrer Auszeichnung erfahren haben, waren Sie mit Ihrer Frau in Amsterdam. Sie hatten am Vorabend ein klassisches Konzert besucht - und vielleicht im Hinterkopf das Datum der Bekanntgabe der diesjährigen Nobelpreisträger abgespeichert.

Mir ist bekannt, dass Sie in den Jahren zuvor schon von vielen Kolleg*innen aus der Wissenschaft für Ihre Erkenntnis rund um die asymetrische Organokatalyse als möglicher Nobelpreisträger gehandelt wurden.

Aber 2021 - so haben Sie selbst in einem Interview gesagt -d hätten Sie eher auf die Forscher*innen auf dem Gebiet der mRNA-Vakzine gesetzt… zumal Alfred Nobel ja ausdrücklich in seinem Testament verfügt hat, dass diejenigen ausgezeichnet werden sollen, „die der Menschheit im vergangenen Jahr den größten Nutzen erwiesen haben“.

Trotz der in der Corona-Pandemie unschätzbar wertvollen Erkenntnisse der Forscher*innen auf dem Feld der mRNA-Vakzine haben die Juror*innen Ihre bahnbrechenden Forschungsergebnisse mit der Verleihung des Chemienobelpreises 2021 gewürdigt. Was vor vielen Jahren als Forschungsprojekt während Ihres Aufenthalts in den USA begann, wurde nun mit den höchsten Würden ausgezeichnet.

Im Namen der Bürger*innen der Stadt Mülheim an der Ruhr und auch ganz persönlich gratuliere ich Ihnen zu dieser größten Auszeichnung, die ein Forscher erhalten kann!

Ich will am Rande daran erinnere, dass bereits Ihre Tante, Christiane Nüsslein-Volhard, 1995 als erste Frau überhaupt mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde… und auch Ihr Urgoßvater, Franz Volhard, und Ihr Ururgroßvater, Jacob Volhard, bedeutende Wissenschaftler waren. Die Neugierde für Naturwissenschaften, für das Forschen und Entdecken, zieht sich durch Ihre Familiengeschichte …

Dass wir in Mülheim an der Ruhr Ihre Expertise offenbar schon früher als das Nobel-Komitee erkannt haben, lässt mich schmunzeln. Wir haben Sie nämlich bereits 2013 mit unserem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft, dem traditionsreichsten und renommiertesten Preis unserer Stadt, ausgezeichnet. 

In der Würdigung hieß es damals: „… indem Sie die bestehenden Dinge aus neuen Blickwinkeln ansehen, sie hieraus bewerten, nach neuen Ansätzen, Entwicklungsmöglichkeiten und Ausdrucksformen suchen, lösen Sie Diskussionen aus, in der Fachwelt und bei Laien, die sich neugierig mit Ihren Arbeitsergebnissen auseinandersetzen.“

Dies, sehr geehrter Herr Prof. Dr. List, ist Ihnen auf herausragende Weise gelungen.

Ich möchte mir nicht anmaßen, Ihre Forschungsergebnisse zur asymetischen Organokatalyse in ihre Bedeutung für die Wissenschaft und unseren Alltag einzuordnen. Hierfür haben wir einen ebenfalls außergewöhnlichen Laudator gewinnen können, den Leiter unseres MPI für Kohlenforschung, Prof. Ferdi Schüth, bei dem ich mich herzlich dafür bedanke!

Nach einem kurzen musikalischen Intermezzo überlasse ich die Bühne deshalb Ihnen, sehr geehrter Herr Prof. Schüth.

Vielen Dank!

Kontakt


Stand: 31.03.2022

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