Historische Persönlichkeiten: Fritz Thyssen (1873-1951)

Fritz Thyssen (1873-1951), Unternehmer, Sohn des Mülheimer Firmengründers August ThyssenFritz Thyssen wurde am 9. November 1873 als ältester Sohn des Industriellen August Thyssen (1842-1926) und seiner Ehefrau Hedwig Pelzer in Mülheim an der Ruhr geboren. Er besuchte zunächst das städtische Gymnasium in Mülheim, bevor er auf eine katholische Schule in Düsseldorf wechselte.

Nach einer einjährigen Praktikantenzeit im väterlichen Unternehmen und einem dreijährigem Studium in London, Lüttich und Berlin übernahm er ab 1897 verschiedene Positionen im Konzern seines Vaters, unter anderem im Bergwerksvorstand der Zeche Gewerkschaft Deutscher Kaiser (1897) sowie in den Aufsichtsräten der Saar- und Mosel-Bergwerks-Gesellschaft (1900) und der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (1907), wobei er unternehmerisch bis zu dessen Tod immer im Schatten seines Vaters stand. 1900 heiratete Fritz Thyssen gegen den Widerstand seines Vaters Amélie zur Helle (1877-1965), Tochter eines Fabrikanten aus Mülheim am Rhein. 1909 kam Tochter Anita zur Welt, die das einzige Kind des Ehepaars Thyssen bleiben sollte.

Am Ersten Weltkrieg nahm Fritz Thyssen als Freiwilliger teil, wurde aber 1917 wegen eines Lungenleidens aus dem Heeresdienst entlassen. Während der Ruhrbesetzung 1923 lehnte er als Sprecher der Montanindustrie die Ausführung der Befehle der Besatzungsmacht ab, woraufhin er verhaftet und von einem französischen Militärgericht verurteilt wurde.

Bei der Gründung der Vereinigten Stahlwerke 1926 wurde Fritz Thyssen zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. In anderen Vereinigungen und beruflichen Verbänden war er an führender Stelle tätig. Er galt als nationalistisch eingestellter Konservativer und war bis 1932 Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Zum 1. Mai 1933 trat er in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein, die er zuvor schon mit finanziellen Beiträgen unterstützt hatte. Hitler ernannte ihn zum Preußischen Staatsrat und versorgte ihn zudem mit einem Abgeordnetenmandat im Reichstag. Nach dem Röhm-Putsch 1934 distanzierte sich Fritz Thyssen zusehends von den Nationalsozialisten, blieb aber Parteimitglied und behielt auch seinen Sitz im Reichstag. Zum offenen Bruch mit dem Regime kam es, als Thyssen im September 1939 nicht zur Reichstagssitzung in Berlin erschien, um den Angriff auf Polen parlamentarisch abzusegnen, sondern stattdessen in einem Telegramm mitteilte, dass er gegen den Krieg sei.

Noch im September 1939 floh Fritz Thyssen mit seiner Familie über die Schweiz nach Frankreich. Sein eigentliches Ziel - Argentinien - sollte er jedoch nicht mehr erreichen, da ihn der deutsche Angriff auf Frankreich überraschte. Ende 1940 lieferte ihn die französische Vichy-Regierung an Deutschland aus. Sein Vermögen wurde beschlagnahmt, er selbst zunächst in ein Sanatorium bei Berlin eingewiesen. Es folgte eine Verlegung in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Buchenwald und schließlich Dachau. Während eines Geiseltransports nach Südtirol wurde er im Mai 1945 - zusammen mit anderen prominenten Häftlingen - von amerikanischen Truppen befreit.

Die Amerikaner inhaftierten Fritz Thyssen erneut. In einem Entnazifizierungsverfahren musste er sich für seine frühere Unterstützung der NSDAP rechtfertigen, wurde aber am Ende als "minderbelastet" eingestuft. Unmittelbar nach dem Freispruch 1948 reiste er zusammen mit seiner Frau Amélie zu ihrer in der Nähe von Buenos Aires lebenden Tochter Anita. Am 8. Februar 1951 starb Fritz Thyssen in Argentinien. Sein Leichnam wurde nach Deutschland überführt und auf Schloss Landsberg beigesetzt.

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Stand: 09.10.2017

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