Kranzniederlegung 75 Jahre Bombenangriff auf Mülheim (2018)

Rede von Oberbürgermeister Ulrich Scholten

anlässlich der Kranzniederlegung „75 Jahre Bombenangriff auf Mülheim“

am Samstag, 23. Juni 2018, 14 Uhr

Ehrenmal am Altstadtfriedhof

***

Liebe Mülheimerinnen und Mülheimer,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie hier am Ehrenmal gegenüber dem Altstadtfriedhof - und danke Ihnen für Ihr Kommen.

Wir erinnern heute an jene schreckliche Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943, in der über 570 Mülheimer Bürgerinnen und Bürger ihr Leben verloren.

In jener Nacht starben allerdings auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die in Mülheim für die kriegswichtigen Industrien und im Eisenbahnausbesserungswerk arbeiteten. Ihre Zahl wurde nicht einmal für die Statistik vermerkt.

Es starben auch 198 britische Besatzungsmitglieder der 35 Bomber, die in jener Nacht abgeschossen wurden. Sie alle zählen zu den unmittelbaren Opfern jener Bombennacht.

Um 01.10 Uhr wurden die Mülheimer Innenstadt und die nördlich gelegenen Industriekomplexe von 557 britischen Bombern in drei Wellen angegriffen.

Dieser Angriff war der schwerste und verlustreichste für unsere Stadt. 64 Prozent der Mülheimer Innenstadt wurden durch dieses Flächenbombardement zerstört.

Eltern verloren ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, Familien ihr Zuhause, ihre Heimat, die Mülheimer große Teile ihrer geliebten Stadt.

Der persönliche Schmerz der Hinterbliebenen und Verletzten bringt uns heute hier zu dieser Kranzniederlegung, zum Gedenken an den wahrscheinlich schlimmsten Tag in der Mülheimer Geschichte, zusammen.

Ihrer, der vielen Opfer dieser schrecklichen Bombennacht, wollen wir uns erinnern, und gleichzeitig aller Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft und des Zweiten Weltkriegs gedenken.

Dieser alliierte Luftangriff brachte großes Leid über Mülheim. Er richtete große Zerstörung in unserer Stadt an. Trotz alledem dürfen wir die verursachende Schuld des Hitlerregimes nicht relativieren. Die Bombardierung Mülheims fiel nicht aus heiterem Himmel.

Trotz aller Trauer um die Mülheimer Opfer, um die menschlichen und baulichen Wunden, die unserer Stadt zugefügt wurden: Wir wissen, dass dieser Krieg von Nazi-Deutschland losgebrochen wurde.

Und auch in Mülheim wurde der imperiale Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten von der Mehrheit der Bevölkerung bejaht. Der „totale Krieg“, mit dem die deutsche Wehrmacht und die Luftwaffe seit dem 1. September 1939 Europa und die Welt überzogen hatten, kehrte am 23. Juni 1943 nach Mülheim zurück – und traf unsere Stadt und die in ihr lebenden Menschen mit aller Wucht.

Noch gibt es Zeitzeugen, die diese Nacht miterlebt und überlebt haben. Sie helfen uns mit ihren Erinnerungen, das Unvorstellbare vorstellbar zu machen. Vor fünf Jahren haben wir ihnen Gehör verschafft und ihre Erinnerungen durch Zeitzeugengespräche in das Gedächtnis der Stadt aufgenommen. Doch die Zahl derer, die sich persönlich erinnert, wird kleiner, die Verantwortung aber von uns Nachgeborenen, aus der Geschichte zu lernen und für den Erhalt und die Sicherung des Friedens einzustehen, bleibt bestehen. Damit wir – wie Hannah Arendt uns mahnt – nicht verdammt sind, unsere Vergangenheit zu wiederholen.

Wir gedenken nun der Opfer dieser Bombennacht vom 22. auf den 23. Juni 1943, die unsere Stadt ins Mark traf. Und aller Opfer des Zweiten Weltkriegs und des nationalsozialistischen Terrorregimes.

Wir verneigen wir uns vor den Toten.  

Kontakt


Stand: 19.06.2019

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