Rede OB zur Auftaktveranstaltung Leitbild

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
zur Eröffnung des Leitbild-Prozesses
 am Mittwoch, 30. Mai 2012, 19 Uhr
Stadthalle

- Es gilt das gesprochene Wort -

***


Sehr geehrte Herren und Damen,

"Habt Ihr nichts anderes zu tun?"
So oder ähnlich wird schnell reagiert, wenn das Thema Leitbild aufgerufen wird.

Sie, meine sehr geehrten Herren und Damen, wissen, dass das falsch ist - und oberflächlich.

Aber zuerst einmal möchte ich Sie herzlich begrüßen, und ich bedanke mich bei Ihnen allen für Ihr Kommen. Und für die guten, ja großartigen Telefongespräche, die ich in Vorbereitung auf den heutigen Abend mit einer großen Zahl von Ihnen führen durfte und natürlich für die zahlreichen Zusagen.

Denn das muss ich hier loswerden: Es war keine einzige abweisende oder ablehnende Reaktion darunter, aber viel spontane Bestätigung für das Leitbild-Vorhaben und den geplanten Weg - und noch mehr Begeisterung für das Mitwirken an der Weiterentwicklung unserer Stadt. Auch dafür danke ich Ihnen sehr herzlich.

Wenn ich an die Zukunft unserer Stadt denke, dann fällt mir der Refrain eines schon in den 30er Jahren populären Schlagers ein, der eine von vornherein so unsinnige wie selbstironische Feststellung trifft: "Am 30. Mai ist der Weltuntergang, wir leben nicht mehr lang, aber keiner weiß, in welchem Jahr."

Durch diesen Refrain fühle ich mich um 43 Jahre zurückversetzt, zum 30. Mai 1969, an dem ich an der Luisenschule meine mündliche Abiturprüfung abgelegt habe. Unser Mathematiklehrer hatte uns mit dieser Verszeile auf das Abitur und die Zeit danach eingestimmt und damit eine durchaus zwiespältige Wirkung und Stimmung erzielt.

Gleichwohl, einiges war klar und stand für uns fest:

  • Dass uns nach bestandenem Abitur die Zukunft offenstehen und keineswegs der Weltuntergang drohen würde.
  • Dass wir uns gute Lebens- und Berufsperspektiven in unserer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr ausrechnen konnten,
  • und dass diese an Vitalität, Schönheit und Zukunftsfähigkeit ganz vorne in der Region rangierte.

Das sieht heute etwas anders aus:
Den Schönheitspreis würden wir sicher auch 2012 sofort mit Recht für unsere Stadt beanspruchen können. Wenn wir uns aber Vitalität und Zukunftsfähigkeit sichern wollen, müssen wir intensiv daran arbeiten. Und hinter dieser Arbeit muss eine gemeinsame Vorstellung vom Ziel stehen!

Dass Sie das auch so sehen, denn sonst wären Sie heute nicht hier, bestätigt mich. Dass Sie bereit sind mitzutun, macht mir Mut für unsere Stadt.

Sehr geehrte Herren und Damen,

"Wir haben in Mülheim ja auch keine anderen Sorgen!"

Dieses Zitat stammt aus dem Beitrag eines Ratsmitglieds, das sich in der Ratssitzung am 3. Mai vehement gegen die Durchführung des Leitbildprozesses aussprach.

Eigentlich war die Aussage ironisch gemeint und wurde - wie sooft - abgerundet durch das Geldargument. Dabei hat die Person ja Recht!

Nein, wir haben in Mülheim keine anderen Sorgen als die große Frage: Wohin soll der Weg dieser Stadt führen? Was für ein Mülheim wollen wir sein - für uns, für unsere Kinder und Enkel, für unsere Region?

Alle anderen Fragen, meine sehr geehrten Herren und Damen, sind Teil- und Detailfragen dazu. Vielleicht klingt das dem einen oder der anderen zu einfach, aber darauf lässt es sich bei aller Vielfalt der zu bewältigenden Zukunftsthemen in der Tat reduzieren.

Ja, das Geld ist knapp, eigentlich haben wir gar keines übrig. Aber gerade, weil das Geld knapp ist, weil die überhaupt verfügbaren Mittel so begrenzt sind, will, ja muss der Einsatz der Ressourcen sehr genau überlegt und abgewogen sein.

Wir können uns keine einzige Fehlinvestition leisten. Wir können uns keinen einzigen falsch verausgabten Euro leisten! Das galt gestern, gilt heute, und das habe ich im Übrigen auch schon bei den großen Investitionsvorhaben gesagt, die seit 2003 getätigt wurden. Sie alle sind nur gerechtfertigt, wenn und weil sie einen Mehrwert für die Zukunft unserer Stadt darstellen.

Gerade weil wir in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr alles in der bisher üblichen Weise und im bisher gewohnten Umfang machen können,...
gerade weil wir sparen müssen, ohne die Lebensqualität in der Stadt zu gefährden,
ist es so wichtig, miteinander darüber nachzudenken und zu diskutieren, was die Bürger und Bürgerinnen in Mülheim brauchen,... was sie erhalten wollen,... was sie verändern möchten... und was sie für verzichtbar halten.

"Eine Idee ist immer so stark wie die, die sie weitertragen." Der Satz des deutschen Unternehmers Norbert Stoffel klingt gut und ermunternd. Aber zunächst ist er nur ein Satz, bestenfalls Erfahrung. Denn Veränderungen, meine sehr geehrten Herren und Damen, Veränderungen sind in der Politik in der Regel Revolutionen.

Alle rufen zwar nach Veränderungen und alle haben dabei die Erwartung im Kopf, mit Veränderungen gehe automatisch Verbesserung einher.

Viele sehen sich aber keineswegs in einer aktiven Rolle, wenn es um Veränderungen geht. Das merken Sie an solchen Sätzen wie "Man müsste mal...", "Es sollte doch möglich sein...", "Man könnte doch...", "Es wäre schön, wenn...".

Warum auch immer das so ist: Wenn jemand zu Veränderungen aufruft und den ersten Schritt tut, ist die Reaktion der Vielen eher Zurückhaltung, Unbehagen, Abweisung und Festhalten am vermeintlich sicheren Bewährten.

Denn es liegt auf der Hand: Zur Veränderung gehört Mut, sogar Wagemut, auch die Bereitschaft, ein Ergebnis hinzunehmen, was man gar nicht angestrebt hat oder gehört gar, ein Scheitern in Betracht zu ziehen. Deshalb ist es gut, wenn viele ihren Mut zusammennehmen und einen solchen Schritt gemeinsam wagen wollen.

Sie, meine sehr geehrten Herren und Damen, gehören zu den Mutigen.
Die Mülheimer Wirtschaft, die den Leitbildprozess angestoßen, ja gefordert hat, gehört zu den Wagemutigen.
Und ich, ich freue mich, Sie alle an meiner Seite zu wissen bei unserem ersten Schritt in Richtung Zukunft für unsere schöne Stadt. Ein Schritt in eine zwar benannte, aber noch unbekannte Richtung.

Wir sind Mülheim - dieser Slogan einer städtischen Gesellschaft hat viel Zuspruch in der Bevölkerung gefunden. Warum? Weil er ein Gefühl ausdrückt, das die Menschen bejahen und das sie eint.

Wir sind Mülheim - können wir heute hier alle mit Überzeugung und Leidenschaft sagen. Und mit dieser Überzeugung und Leidenschaft stellen wir uns und unsere Ideen in den Dienst für das Mülheim von morgen.

Lassen Sie uns starten!

Leitbildsymbol zur AG 3: Umwelt, Klima, Natur, Gesundheit (grün)

Kontakt


Stand: 30.05.2017

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