Ruhrpreis (2019)

Rede von Oberbürgermeister Ulrich Scholten

anlässlich der Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft

am Sonntag, 8. Dezember 2019, 17 Uhr

Sparkasse

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich zur Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft, einen der wohl renommiertesten Preise der Stadt Mülheim an der Ruhr, den wir jährlich vergeben.

Zusammen mit meinem Willkommensgruß möchte ich meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass Sie – liebe Gäste - der Einladung in so überzeugender Zahl gefolgt sind. Durch Ihre Anwesenheit tragen Sie die öffentliche Anerkennung mit, die im Rahmen dieser Feierstunde ausgesprochen werden soll.

Einen ganz besonderen Gruß und Dank möchte ich an den Vorstandsvorsitzenden unserer Sparkasse, Herrn Weck, richten. Die Sparkasse Mülheim an der Ruhr übernimmt seit vielen Jahren die Dotierung des Preises - und ermöglicht uns in ihrer Kundenhalle diesen festlichen Rahmen.

Ferner begrüße ich stellvertretend für viele der Anwesenden …

die Mitglieder des Rates der Stadt und der Bezirksvertretungen,

die Mitglieder des Kulturausschusses und des Gremiums zur Vorbereitung der Vergabe des Ruhrpreises,

den Kulturdezernenten der Stadt Mülheim an der Ruhr Marc Buchholz, sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kulturbetriebs,

die Vertreter der Presse

sowie die anwesenden Ruhrpreisträgerinnen und Ruhrpreisträger mit ihren Familien und Freunden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem Ruhrpreis verbindet sich seit seiner Stiftung das Anliegen, den Stellenwert von Kunst und Wissenschaft stärker in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu rufen. Das Ziel des Preises ist, erbrachte Leistungen im künstlerischen und wissenschaftlichen Bereich zu würdigen, aber auch „aufblitzende“ Talente weiter zu fördern, um sie - sozusagen – „zu Größerem“ zu ermuntern.

Für die Stadt Mülheim an der Ruhr ist die Vergabe des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft deshalb seit jeher ein besonderes Ereignis.

Seit 1962 werden mit diesem Preis profilierte Persönlichkeiten unseres Kultur- und Geistesleben ausgezeichnet. Viele Bildende Künstler, Musiker, Schauspieler, Bühnenbildner, Filmemacher, aber auch Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Bereichen konnten diesen Preis für ihre herausragenden Leistungen bereits entgegennehmen – insgesamt 121 Preisträgerinnen und Preisträger.

Wenn wir uns nochmals alle Ruhrpreisträger seit 1962 bildlich vor Auge führen, dann kann man die Gremien, die an den Entscheidungen beteiligt waren, nur für ihr sicheres Gespür und die fachliche Kompetenz loben. Ihnen ist es sehr beeindruckend gelungen, in all den Jahren dieses hohe Niveau aufrechtzuerhalten.

Betrachtet man die Lebensläufe der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger, so stellt man mit Genugtuung fest, dass alle mit Stolz auf die Verleihung des Ruhrpreises der Stadt Mülheim an der Ruhr verweisen, dass der Preis für die ausgezeichneten Personen von nachhaltig großer Bedeutung ist. Das ist sein sicheres Zeichen dafür, dass der Preis auch außerhalb der Stadt „etwas gilt“.

Mit der heutigen Verleihung des Ruhrpreises wird der Kreis der Preisträgerinnen und Preisträger um zwei Frauen erweitert. Die Jury hat sich in diesem Jahr für zwei Preisträgerinnen aus den Sparten Bildende Kunst und Musik entschieden: Der mit 3.000 Euro dotierte Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft geht an die Künstlerin Ursula Hirsch. Der Förderpreis zum Ruhrpreis in Höhe von 2.500 Euro an den Musikerin Liana Leßmann…

Ohne den Laudatoren vorzugreifen, lassen Sie mich ein paar Wort über die Begründung der diesjährigen Vergabeentscheidung verlieren …

Mit der Vergabe des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft an Ursula Hirsch gilt es, ein Werk auszuzeichnen, das in über 60 produktiven Schaffensjahren gewachsen ist. Den meisten ist Ursula Hirsch durch die Jahresausstellung der Mülheimer Künstlerinnen und Künstler im Kunstmuseum in der Alten Post seit vielen Jahren bekannt.

Ihr künstlerisches Schaffen hat viele Facetten. Und mit der Vergabe des Ruhrpreises wird das vielseitige Werk einer Künstlerin gewürdigt, die als Gestalterin moderner Glasfenster für den sakralen und öffentlichen Raum, aber auch als freie Malerin und Zeichnerin hervorgetreten ist.

In Mülheim an der Ruhr zeugen die unlängst restaurierten Glasfenster in der Katharinenschule, die mit ihren intensiv leuchtenden Farben und Formen fast wie abstrakte Malerei wirken, von ihrem Können in dieser Kunstform.

Neben solchen Auftragsarbeiten ist aber auch ein umfangreiches Werk an Gemälden, Zeichnungen, Reliefs, Collagen und Grafiken entstanden. Zunächst vom Formenrepertoire der Nachkriegsmoderne beeinflusst, gelang es der Künstlerin, sich von überkommenen Traditionen zu lösen. Neben abstrakten und konstruktiven Gestaltungen finden sich in ihrem Werk Anklänge an Pop Art und Collage, figurative Elemente sowie der Einbezug von Schrift.

Die Faszination, mit der Ursula Hirsch der Welt des Theaters bis heute begegnet, lassen jene Papierarbeiten erkennen, die sich auf Inszenierungen des Theaters an der Ruhr und auf die Bühne mit ihren Akteuren beziehen.

Ihre Verbundenheit mit Mülheim an der Ruhr und den hier tätigen Kulturschaffenden hat Ursula Hirsch als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Mülheimer Künstlerinnen und Künstler stets aktiv gepflegt.

Liebe Frau Hirsch, die meisten Menschen fürchten sich vor dem Altwerden. Sie gehören jedoch zu den Menschen, die beweisen, dass Alter ein eigener Entwicklungsplan mit neuen Möglichkeiten und Chancen sein kann.

„Altwerden“ beginnt heute nicht mehr – wie nach der Definition der Vereinten Nationen - mit 60 Jahren. In einer Zeit, in der ein 80-Jähriger auf den Mount Everest steigt oder noch einen Marathon läuft oder eine 90-jährige in ihrem künstlerischen Schaffen innovativ bleibt, ist diese Definition zumindest zu hinterfragen.

Hierzu passt auch die Anekdote, nach der eine Dame den 90-jährigen Picasso gefragt haben soll, warum er so viel mache. Er habe geantwortet: "Es dauert lange, Madame, bevor man jung wird." Das Gleiche, liebe Frau Hirsch, könnte man auch von Ihnen sagen!

Verbunden mit dem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft vergibt die Stadt Mülheim an der Ruhr auch einen Förderpreis, und zwar mit dem Ziel, künstlerischen oder wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen.

Die junge Musikerin Liana Leßmann begann ihre musikalische Karriere im Alter von sechs Jahren mit der Blockflöte. Da sie schon sehr früh den Wunsch äußerte, in einem Orchester mitzuspielen, wechselte sie zum Orchesterinstrument Klarinette.

Bereits bei der jungen Schülerin an der Mülheimer Musikschule war zu erkennen, dass Liana Leßmann mit einer außerordentlichen Tonvorstellung und großem Gestaltungswillen gesegnet ist.

Mit 16 Jahren wurde sie Jungstudentin an der Folkwang Universität der Künste. Drei Jahre später wurde sie an der Musikhochschule Lübeck aufgenommen. Seit Februar 2018 ist Liana Leßmann als Stipendiatin an der Karajan-Akademie, an der herausragende junge Musikerinnen und Musiker eine erstklassige, meist am solistischen Repertoire orientierte Hochschulausbildung durchlaufen und in Konzerten der Berliner Philharmoniker mitwirken dürfen.

Um neue Impulse zu bekommen, besucht Frau Leßmann regelmäßig Meisterkurse von europäischen Spitzensolisten. Schon heute – am Anfang ihrer Karriere – ist sie regelmäßig Gast in diversen Orchestern und spielte unter zahlreichen Dirigenten, darunter u. a. auch Sir Simon Rattle und Zubin Mehta.

Unvergessen ist sicherlich einigen von uns auch das Konzert in der Mülheimer Musikschule im März des vergangenen Jahres: ein anderthalb Stunden langes Programm mit immens fokussiertem Ton, elegantester Vortragsweise, virtuos und frei von jedweder Unsicherheit mit taktvoller, zurückhaltender und charmanter eigener Moderation.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

lassen Sie mich an dieser Stelle noch einige Worte über die Bedeutung und Notwendigkeit von bürgerschaftlichem Engagement in der Kultur verlieren: Es prägt entscheidend das kulturelle Leben in unserer Stadt. Es ist sogar unverzichtbar für die Pflege der Kultur, den Erhalt und Fortentwicklung kultureller Werte, gesellschaftliche Integration und zivilgesellschaftliche Demokratisierung.

Das Bild der reichen Kulturlandschaft in Mülheim an der Ruhr mit seinem engen Netz von Kultureinrichtungen wäre undenkbar ohne das bürgerschaftliche Engagement vieler Menschen.

Ihre Aktivitäten erweitern das Leistungsspektrum kultureller Einrichtungen nachhaltig: Ihr Engagement trägt dazu bei, dass Angebote bürgernah organisiert sind, sich die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit den Kultureinrichtungen in ihrer Stadt und den Angeboten in ihrem Lebensumfeld erhöht und vielen Menschen die Möglichkeit gegeben ist, sich am kulturellen Leben aktiv zu beteiligen.

Für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadtgesellschaft wird es von großer Bedeutung sein, dass es trotz gesellschaftlichem Struktur- und Wertewandel, trotz Entsolidarisierungs- und Individualisierungsprozessen und der weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen und materiellen Problemen gelingt, solches bürgerschaftliche Engagement zu sichern.

Denn: Engagement der Bürgerschaft für die Kultur wird in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Dieses nicht allein aus dem Grund heraus, dass die öffentliche Hand kulturelle Leistungen nicht mehr im gewohnten Umfang vorhalten kann, sondern auch, weil in einer zukunftsfähigen Bürgergesellschaft die Bürgerinnen und Bürger selbst Verantwortung für das kulturelle Leben vor Ort übernehmen wollen.

Bürgerschaftliches Engagement in der Kultur erfolgt zumeist aus dem Motiv heraus, sich für Kunst und Kultur zu engagieren, selber kreativ tätig zu sein, sich als Künstler und für Künstler einzusetzen, Spaß zu haben und etwas in der Stadt oder Gemeinde zu verwirklichen, in der der Lebensmittelpunkt liegt. Gemeinsinn und Eigeninteressen werden verbunden, indem man etwas für sich und für die Gemeinschaft tut.

Die Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement ist deshalb unverzichtbar für die Gestaltung des sozialen Wandels und hat mit der Entwicklung von Demokratie und Partizipation, von kultureller Vielfalt und Bürgernähe als Aufgaben der Kulturpolitik zu tun.

Eine Unterstützung ehrenamtlich-bürgerschaftlichen Engagements nur, weil Angebote dann billiger zu erhalten sind, Personalstellen wegrationalisiert und Ressourcen eingespart werden können, verkehrt die gesellschaftspolitische Aufgabe der Kulturpolitik in ihr Gegenteil.

Dieses Engagement darf nicht überstrapaziert werden! Bürgerschaftlich Engagierte wollen und können nicht der Lückenbüßer für fehlende Finanzmittel sein.

Die Kulturschaffenden und Künstler in Mülheim an der Ruhr sind wesentliches Kreativ- und Innovationspotential für die Entwicklung der Stadt. Sie sind auch, wie wir an Ursula Hirsch und Liana Leßmann sehen, Motoren bürgerschaftlichen Engagements. Wir brauchen sie notwendiger denn je - und wir brauchen Preise, die unsere Künstler und Wissenschaftler fördern und deren Leistungen öffentlich anerkennen.

Bevor Sie gleich von den Laudatoren erfahren werden, was unsere Preisträgerinnen angespornt und geprägt hat, bleibt es mir noch übrig, mich bei den Preisträgerinnen für ihr bewundernswertes Wirken in unserer Stadt herzlich zu bedanken. Dieser Dank gilt auch all jenen vor und hinter den Kulissen, die diesen Festakt heute mitgestaltet haben.

Ich wünsche Ihnen, liebe Gäste, weiterhin besinnliche Adventstage, ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2020!

Kontakt


Stand: 27.01.2020

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