Ruhrpreis 2020/2021

Ruhrpreis 2020/2021

Rede Oberbürgermeister Marc Buchholz

anlässlich der Verleihung des Ruhrpreises für 2020/2021

am Sonntag, 11. September 2022, 11 Uhr

Sparkasse

***

Begrüßung:

  • Preisträger:
    Dr. Josep Cornellà (2020)
    Prof. Dr. Klaus Mackscheidt (2021)
    Dirk Salz (2021)
  • Martin Weck
  • Mülheimer Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des Landtages NRW
  • Mitglieder des Rates der Stadt, des Kulturausschusses und des Gremiums zur Vorbereitung der Vergabe des Ruhrpreises
  • Kulturdezernentin der Stadt Mülheim an der Ruhr, Dr. Daniela Grobe,
  • Gäste aus Industrie und Handel, aus Forschung, aus Gewerkschaften, Behörden, Wohlfahrtsverbänden und Religionsgemeinschaften,
  • Vertreter*innen der Presse
  • anwesende Ruhrpreisträger*innen mit Familie und Freund*innen
  • Gäste

„Lob ist eine gewaltige Antriebskraft, dessen Zauber seine Wirkung nie verfehlt“, sagte der Musiker Andor Földes.

Aus diesem Grund sind wir heute hier:

Wir wollen Lob und Anerkennung aussprechen für hervorragende Leistungen. Und ich freue mich sehr, dass uns die Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim an der Ruhr dafür – nach fast drei Jahren Pandemie - wieder zu einer feierlichen Begegnung zusammenführt.

Aufgrund der Corona-Pandemie waren wir gezwungen, die traditionell Anfang Dezember stattfinden Feierstunden zur Übergabe der Ruhrpreise für die Jahre 2020 und 2021 abzusagen bzw. zu verschieben.

Heute nun wollen wir dies nachholen. Und die rege Anteilnahme an diesem Festakt zeigt uns wieder einmal, wie groß die Bedeutung des Ruhrpreises für die Stadt und ihre Bürger*innen ist.

Meinen besonderen Dank möchte ich gleich zu Beginn an die Sparkasse Mülheim richten, die die Dotierung des Preises erneut gestiftet hat und uns heute in der Schalterhalle der Sparkasse diesen festlichen Rahmen ermöglicht.

Mit der Sparkasse Mülheim an der Ruhr haben wir seit vielen Jahren eine verlässliche Partnerin für die Verleihung des Ruhrpreises. Und ich hoffe sehr, dass uns die Sparkasse auch in Zukunft in finanziell schwieriger Zeit weiter „unter die Arme greifen“ wird.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

für die Stadt Mülheim an der Ruhr ist die Vergabe des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft, mit dem seit 1962 profilierte Persönlichkeiten des Kultur- und Geisteslebens unserer Stadt auszeichnet werden, immer ein besonderes Ereignis. Sie ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass sowohl Kunst als auch Wissenschaft die Identität einer Stadt ausmachen und ihre Bürger*innen prägen.

Die Preisträgerinnen und Preisträger aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Schauspiel, Bühnenbild, Gesang, aber auch aus der Wissenschaft, die diesen Preis entgegennehmen konnten, sind Kulturbotschafter*innen unserer Stadt. Und wir sind stolz, dass so viele anerkannte Menschen in Mülheim an der Ruhr wirken.

Verbunden mit dem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft ist auch die Möglichkeit, einen Förderpreis zu vergeben. Sein Ziel: den künstlerischen und wissenschaftlichen Nachwuchs zu pflegen.

Wir sind deshalb besonders glücklich, im 59. und 60. Jahr der Verleihung des Ruhrpreises Vertreter aus beiden Disziplinen heute auszeichnen zu können:

Der Kulturausschuss hat auf Empfehlung des Vorbereitungsgremiums beschlossen, den Ruhrpreis für das Jahr 2020 an den Bildenden Künstler Dirk Hupe und als Förderpreis an den Chemiker Dr. Josep Cornellà …

… sowie für das Jahr 2021 an den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Mackscheidt und den Bildenden Künstler Dirk Salz zu vergeben.

Die Hauptpreise sind jeweils mit 3.000 Euro, der Förderpreis mit 2.500 Euro dotiert.

Auf den ersten Blick können unsere die Preisträger nicht unterschiedlicher sein.

Gleichwohl eint alle das Anliegen, über ihre Disziplinen ins Gespräch zu kommen, ihre Ideen, Gedanken und ihre gesellschaftliche Bedeutung zu vermitteln.

Und dies zurecht: In der Kunst und der Wissenschaft findet die ständige Selbstreflexion der Gesellschaft über ihre Werte und Standards statt. Deswegen ist es nicht nur für den Einzelnen/die Einzelne und ihre Lebensqualität, sondern auch für die Entwicklung der Gesellschaft wichtig, dass möglichst viele Menschen in diesen Diskurs einbezogen werden.

Wer Wissenschaft betreibt, sucht Widersprüche und setzt seinen Ehrgeiz und auch seine Mühe daran, sie zu lösen, und wer sie gut betreibt, hat damit gleich die Tür zu neuen Widersprüchen aufgestoßen.

Künstler*innen dagegen, Poet*innen oder Bildhauer*innen, Graphiker*innen oder Filmemacher*innen, zeigen und lehren uns, mit den Widersprüchen, in und zwischen denen wir leben, umzugehen oder sie zu durchschauen.

Sie können mit Aussicht auf Erfolg den Dialog mit der Gesellschaft und den politischen Entscheidungsträgern am besten gemeinsam suchen. Politische und gesellschaftliche Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse brauchen eine starke und wahrnehmbare Stimme der Wissenschaft und der Kunst.

Meine herzliche Gratulation gilt allen Preisträgern.

Bedauerlicherweise können wir Dirk Hupe heute hier leider nicht begrüßen, da er im vergangenen Jahr nach langer schwerer Erkrankungen verstorben ist. Zuvor hatte ich allerdings Gelegenheit, die Preisübergabe sowie die Eintragung in das Goldene Buch bei ihm zu Hause in engstem Rahmen persönlich vorzunehmen.

Es war eine Begegnung, die mich ganz besonders berührt hat. Ich freue mich deshalb sehr darüber, dass seine Familie an dieser Feierstunde teilnimmt, die auch dem Andenken des Verstorbenen gewidmet ist.

Die Entscheidung der Vergabe des Ruhrpreises an Dirk Hupe ist wie folgt begründet worden (Sollte vorgetragen werden, da es für ihn keinen Laudator gibt):

„In komplexen Werkgruppen setzt sich Dirk Hupe in stringenter Weise mit Sprachtheorien, Zeichensystemen, Typografie und philosophischem Gedankengut auseinander. Er arbeitet dabei medienübergreifend:

Er verbindet Schrift mit Malerei und Zeichnung, wechselt zwischen Bild, Objekt und Installation und verankert seine Sprachexperimente oder „Kommunikationsfelder“ in unterschiedlichen (Raum-)Kontexten. Auch Performances, Wandbemalungen, Verschickungsaktionen sowie interaktive CD-Roms mit verzerrten Sprachaufnahmen, Videos, Animationen und Fotodokumenten werden von ihm als Ausdrucksmittel genutzt.

Mit „Restzeichen/Zeichenreste“ lotet er beispielsweise die Wechselbeziehung zwischen Konstruktion und Dekonstruktion aus und untersucht formal wie inhaltlich Auflösungsprozesse von Sprache und Schrift und deren so veränderten, sinnentleerten Informationsgehalt.

Ausgangspunkt sind ausgewählte literarische und philosophische Quelltexte und Zitate von Samuel Beckett und Ludwig Wittgenstein, die exemplarisch für das Absurde und das logische Denken stehen.

Diese werden in einem mehrschrittigen Verfahren zerlegt und bis zur Unkenntlich- und Unlesbarkeit verfremdet.

Viele ihrer Werke von Dirk Hupe finden sich in öffentlichen Sammlungen. Auch das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr besitzt eine raumgreifende Installation, die im Rahmen Ihrer Einzelausstellung im Jahr 2005 entstanden ist.“

Meine Damen und Herren,

an dieser Stelle begrüße ich die Laudatoren, die wir gleich hören werden. Ein herzliches Willkommen Ihnen, Dr. Michael Thöne, Prof. Dr. Raimund Stecker und Prof. Dr. Alois Fürstner. Sie werden uns vertiefte Einblicke in das Wirken von Prof. Dr. Klaus Mackscheidt, Dirk Salz und Dr. Jesep Cornellà geben.

Ohne Ihnen vorzugreifen:

Lassen Sie mich ein paar Wort über die Begründung der getroffenen Vergabeentscheidung der drei anderen Preisträger verlieren.

Der in Mülheim an der Ruhr geborene Ökonom und emeritierte Professor Prof. Dr. Klaus Mackscheidt zählt zu den renommiertesten deutschen Finanzwissenschaftlern.

In der Finanzwissenschaft – der ökonomischen Lehre von den Staatsaufgaben und den öffentlichen Finanzen – ist es ihm von Beginn seiner akademischen Laufbahn an immer gelungen, Interdisziplinarität zu leben und für den wissenschaftlichen Fortschritt fruchtbar zu machen.

Die Finanzpsychologie prägt ebenso Klaus Mackscheidts Arbeiten zur Abgabengerechtigkeit und Steuermoral.

Daneben hat er zu einem breiten Spektrum von ökonomischen und politischen Fragen gearbeitet, unter anderem zur Subventions-, Wohnungs-, Umweltpolitik, zu beschäftigungs- und bildungspolitischen Fragen sowie zur Besteuerungstheorie, dem Finanzausgleich und der marktlichen Ordnungstheorie.

Bei Dirk Salz gilt es, ein künstlerisches Werk auszuzeichnen, das über viele Jahre mit bewundernswerter Konsequenz gewachsen ist.

In unterschiedlichen Werkreihen setzt sich der in Mülheim an der Ruhr lebende und arbeitende Bildende Künstler mittels einer abstrakt-minimalistischen Formensprache mit dem Thema der menschlichen Wahrnehmung auseinander.

Seine Komposition bestehen aus hintereinander gestaffelten, farbigen Glasflächen oder mehrschichtig aufgetragenen, mit Pigmenten versehenen Epoxidharzen. Die transparente Materialität seiner Bildobjekte eröffnet neben Einblicke in den Werkprozess eine überraschende Tiefenwirkung.

Neben regelmäßigen Teilnahmen an der Jahresausstellung der Mülheimer Künstlerinnen und Künstler im Kunstmuseum wurden seine Werke in Galerien und Kunstvereinen präsentiert. Darüber hinaus war er international in Ausstellungen vertreten u. a. in Amsterdam, Barcelona, Salzburg, Wien, Zürich sowie in den USA, Kanada, Südafrika, China und Taiwan.

Und last but not least: den Förderpreis zum Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft erhält Dr. Josep – genannt „Pep“ - Cornellà für die praxisrelevante Entwicklung neuartiger Katalysatoren.

Er entwickelt in seiner Forschung neuartige Katalysatoren, die auch für den industriellen Einsatz relevant sind und generell dazu beitragen, chemische Reaktionen schneller und ressourcenschonender durchzuführen.

Besonders hervorzuheben sind zwei Durchbrüche, nämlich die Erschließung des Elements Bismuth für die Knüpfung von Bindungen zwischen Kohlenstoff und Fluor sowie die Entdeckung eines Nickelkatalysators, der das über 50 Jahre alte Problem der Instabilität von industriell derzeit genutzten Nickelkatalysatoren löst.

Unter anderem für die Entwicklung solcher Katalysatoren der ersten Generation hatte Günther Wilke bereits im Jahre 1965 den Ruhrpreis erhalten.

Die von Pep Cornellà gefundenen Katalysatoren haben das Potenzial, diese seit mehr als einem halben Jahrhundert eingesetzten Systeme nun abzulösen.

Bevor Sie gleich von den Laudatoren erfahren werden, was unsere Preisträger angespornt und geprägt hat, bleibt es mir noch, mich bei Ihnen für Ihr bewundernswertes Wirken in unserer Stadt ganz herzlich zu bedanken und auch bei all denen vor und hinter den Kulissen, die diesen Festakt heute mitgestaltet haben.

Dazu passt ein Zitat von André Maurois:

„Kunst ist das Bemühen, neben der wirklichen Welt eine menschlichere zu schaffen“.

Der Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft hat sich auch ein Stück dieser Maxime verschrieben.

Ich wünsche unsere Stadt auch in den nächsten Jahren Ruhrpreisträger*innen, die mit Kreativität, mit Mut zum Experimentieren und mit wissenschaftlichen Forschergeist zeigen, wie wichtig Kunst und Wissenschaft für unsere Stadt und ihre Bewohner*innen ist.

Vielen Dank und Glück auf.

Kontakt


Stand: 30.09.2022

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