Mülheimer Baudenkmäler: Schloss Broich

Kolorierter Stich von Jakob Becker, um 1750 (Ausschnitt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schloss Broich  gilt als älteste erhaltene karolingische Befestigungsanlage nördlich der Alpen und lag ursprünglich - aus stragischen Gründen - an einer Ruhrfurt, über die der Hellweg, einer der wichtigsten Verkehrswege im Mittelalter, führte.

Im Jahre 883 eroberten Wikinger Duisburg und richteten dort ihr Winterlager ein. Vermutlich aus diesem Grund ließ der ostfränkische Herzog Heinrich im Winter 883/84 im benachbarten Broich ein befestigtes Militärlager errichten. Auf einer Anhöhe oberhalb der Ruhr entstand die Anlage als Sperrburg, um den Fluss und den Hellweg zu sichern. Im April 884 vertrieb Heinrich mit seinem Heer die Wikinger aus Duisburg. Nachdem nun die Bedrohung durch die Wikinger nicht mehr akut war, wurde die Anlage aufgegeben. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde die verlassene Burg von den Edelherren von Broich wieder auf- und ausgebaut. In einer Gerichtsurkunde der Abtei Werden von 1093 werden die Broicher zusammen mit den Herren von Mülheim und Dümpten erstmals nachweislich erwähnt. Ein gewisser Burghardus de Brouche tritt dort als Zeuge des Grafengerichts in Erscheinung. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts wandelte sich die Anlage durch Umbauten allmählich zu einer Festung. Die Ringmauer wurde auf 1,5 m verstärkt und auf 9 m erhöht, ein etwa 17 m hoher Bergfried kam hinzu. Die erneuerte Befestigung war so effektiv, dass sie im Jahr 1240 der Belagerung und dem Angriff des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden widerstand.

Mit dem letzten Herrn von Broich, Dietrich V., starb das Geschlecht im Mannesstamm aus. Seine älteste Tochter Lukardis, verheiratet mit Graf Dietrich IV. von Limburg, erbte 1372 die Herrschaft Broich. Zwischen 1380 und 1400 wurde in die südliche, teils abgerissene Umwehrung ein zweistöckiger gotischer Saalbau (Palas) gebaut.

Ansicht des Broicher Ruhrufers mit Schloss Broich (Lithographie, 1855)Als klevische Festung an der Grenze zum Herzogtum Berg gelegen, war Burg Broich für den Erzbischof von Köln und seinen Verbündeten, den Herzog von Jülich-Berg, eine ständige Bedrohung. Im Zuge der Soester Fehde (1444 -1449) eroberten Truppen des Erzbischofs und des Herzogs nach mehrtägiger Belagerung die Burg. Der mächtige Bergfried wurde dabei derartig zerstört, dass man ihn später nicht wieder aufbaute, sondern das noch vorhandene Steinmaterial zur Verstärkung der Ringmauer verwandte. Doch nicht nur die Burganlage erlitt schwere Schäden. Auch die Zivilbevölkerung hatte unter den feindlichen Truppen zu leiden und beklagte neben wilden Plünderungen auch zahlreiche Todesopfer.

Im Oktober 1598 wurde Schloss Broich von spanischen Truppen belagert und mit Kanonen beschossen, die neben dem Küchenturm auch einen Teil der Mauer zum Einsturz brachten. Um weitere Beschießungen und einen drohenden Sturmangriff abzuwenden, kapitulierte Graf Wirich VI. gegen das Versprechen der spanischen Offiziere, die Bewohner des Schlosses und ihn unbehelligt zu lassen und den auf Broich vorhandenen Truppen den Abzug zu erlauben. Beim Abzug wurden sie jedoch entgegen der ursprünglichen Zusicherung von den Spaniern niedergemetzelt, der Graf verhaftet und das Schloss geplündert. Wenige Tage später wurde Graf Wirich auf einem Spaziergang von seinen spanischen Bewachern ermordet. Diese Tat erregte großes Aufsehen in der Öffentlichkeit Europas, zumal der calvinistische Graf Wirich von Daun-Falkenstein ein wichtiger Führer der Protestanten im Niederrheingebiet war.

Die Schäden an der stark zerstörten Burg sollten erst Jahrzehnte später (1644-1648) durch Graf Wilhelm Wirich von Daun-Falkenstein beseitigt werden. Nach dem Tod von Wilhelm Wirich von Daun-Falkenstein 1682 fiel die Herrschaft Broich durch Heirat an die Grafen von Leiningen. Schloß Broich verlor seine Funktion als herrschaftliche Residenz und diente fortan nur noch als Amtssitz für die gräflichen Rentmeister. Eine bauliche Pflege war für die fernen Besitzer von geringem Interesse. Erst unter Marie Luise Albertine, Landgräfin von Hessen-Darmstadt, rückte dieser Wohnsitz wieder stärker in den Mittelpunkt der Herrscherfamilie. Auf Ihre Einladung hin hielt sich in den Jahren 1787 und 1791 auch ihre Enkelin Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz, die spätere Königin Luise von Preußen, auf Schloss Broich auf. Diese Aufenthalte begründeten den späteren Mülheimer Luisenkult.

Ansicht von Schloss Broich und Stöckerscher Villa (1913)Mit dem Einmarsch der Franzosen Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zur Auflösung der Herrschaft Broich und 1808 zur Gründung der Munizipalität Mülheim. 1815 fiel Mülheim an den preußischen Staat, der die alten Rechte der Herren von Broich zum Teil restaurierte. Als der Broicher Landesherr Prinz Georg von Hessen-Darmstadt 1830 starb, wurde das Schloß Teil der Nachlassmasse. Im Jahr 1857 erwarb der Mülheimer Kaufmann Eduard Stöcker, ein Schwiegersohn des letzten Schlossverwalters Johann Bilger, die Anlage für 335.000 Taler bei einer öffentlichen Versteigerung des fürstlichen Nachlasses. Er  beseitigte größere Schäden an den Gebäuden, brach die Fachwerkbauten der Kernanlage ab und errichtete dort, angelehnt an das Hochschloss, eine zweistöckige klassizistische Villa, die sogenannte "Stöckersche Villa".

Die folgenden Jahrzehnte hindurch war der Erhaltungszustand des Schlosses konstant gut. Vor allem das Palasgebäude wurde von Eduard Stöcker und seinen Erben als Wohnraum an Privatpersonen vermietet und dementsprechend gepflegt. Mülheimer Honoratiorenfamilien hatten über Generationen hinweg dort ihren Wohnsitz und bezahlten notwendige Reparaturen teilweise aus eigener Tasche. Schloß Broich galt als eine vornehme Adresse, die man zu schätzen wusste. Mit dem Erwerb des Besitzes durch die Stadt Mülheim am 7. März 1938 fand diese Nutzung ihr Ende. Umbauplanungen, die eine Unterbringung von städtischen Dienststellen  sowie die Errichtung eines Ehrenmals vorsahen, wurden durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erst einmal gestoppt und nach dem Krieg durch andere, dringendere Bauprojekte im Rahmen des Wiederaufaufbaus verdrängt.

Modell der Gesamtanlage von Schloss BroichVon 1967 bis 1974 kam es im Auftrag des Landschaftsverbandes Rheinland unter der Leitung von Professor Günther Binding zu Ausgrabungen. Dabei wurden die Grundmauern der spätkarolingischen Anlage sowie die der späteren Jahrhunderte freigelegt, die Stöcker-Villa abgerissen. 1975 wurde Schloss Broich feierlich wiedereröffnet. Heute dient die Anlage städtischen Repräsentationszwecken und kann für private Feiern angemietet werden. Im so genannten Hochschloss wird als Teil des dezentralen stadthistorischen Museums eine historische Ausstellung präsentiert, die vom Geschichtsverein und dem Stadtarchiv betreut wird.

 

Plan des Ruhrtales vom Schloss Broich bis zum Kolkerhof, 18.Jh. (Ausschnitt) Schloss Broich mit Blick in die damalige Schloßstraße (um 1910) Ansicht des Palas von Schloss Broich (um 1890) Ansicht der Innenanlage von Schloss Broich (um 1880)
Grabungen am Schloss Broich zum Bau eines Bunkers (1941) Schloss Broich mit Stöckerscher Villa in der Kernanlage (1958) Die Stöckersche Villa (angebaut an Schloss Broich um 1857, abgerissen 1966) Das Wappen von Wilhelm Wirich, Graf von Falkenstein (über dem Eingang des Hochschlosses)
Ansicht von Schloss Broich aus der Vogelperspektive (um 1966) Modell der Anlage von Schloss Broich (vor 1941) Planungsmodell zur Errichtung einer Gedenkstätte während der NS-Zeit (um 1941)

Ansicht von Schloss Broich um 1800 (Postkarte aus Anlass der Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim 1908)

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Stand: 27.11.2017

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