"Stand der Renaturierung" in Mülheim an der Ruhr

Durch Inkrafttreten der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 haben sich die EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, alle Oberflächengewässer bis 2015 in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen. Verlängerungen bis spätestens 2027 sind möglich. Die Umsetzung der Richtlinie erfolgt zu einem großen Teil auf landes- und kommunaler Ebene. Auch in Mülheim an der Ruhr wird konsequent an der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie gearbeitet, um die 215 Bäche mit rund 128 km Fließstrecke ökologisch aufzuwerten.

Ein Großteil der hiesigen Fließgewässer befindet sich momentan noch in einem schlechten Zustand: Verrohrungen, Begradigungen oder Einleitungen sind das Ergebnis einer Jahrzehnte langen Vernachlässigung der heimischen Fließgewässer. Diese Erkenntnis lässt sich auch aus dem aktuellen Gewässerzustandsbericht ableiten. Es zeigt sich deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. 

Aktuell befindet sich das Amt für Umweltschutz im Bau beziehungsweise in den Planungen von acht Renaturierungs-Projekten. Eines dieser Projekte ist die naturnahe Umgestaltung des Wambachs an mehreren Abschnitten. Dieser gilt aufgrund der Größe seines Einzugsgebietes als berichtspflichtig und hat daher Priorität.

Renaturierungsarbeiten am Sachtenhorst:

Renaturierung: Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in Mülheim an der Ruhr. Hier Arbeiten am Sachtenhorst - Gabriele Wegner

Renaturierung: Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in Mülheim an der Ruhr. Hier Arbeiten am Sachtenhorst - Gabriele Wegner

Renaturierung: Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in Mülheim an der Ruhr. Hier Arbeiten am Sachtenhorst - Gabriele Wegner

Eine der Maßnahmen wird derzeit an dem Reitweg, 'Im Sachtenhorst‘ und an dem Weg, 'Holzenbergs Bruch‘ umgesetzt. Hierbei werden die bestehenden Verrohrungen entfernt und eine Furt (Sachtenhorst) und ein neuer Durchlass (Holzenbergs Bruch) errichtet. Das Projekt startete vor den Osterferien 2018 und ist voraussichtlich bis Ende Juni fertig gestellt. Die durch den Umbau entstandene Durchgängigkeit von Ufer und Gewässersohle beseitigt das Defizit der geforderten ökologischen Durchgängigkeit. Der derzeit gesperrte Reitweg Im Sachtenhorst und der für Fußgänger, Radfahrer und forstliche Fahrzeuge zulässige Holzenbergs Bruch werden nach Beendigung der Maßnahme wieder hergestellt. Die voraussichtlichen Baukosten belaufen sich auf cirka 95.000 Euro. Gefördert wird das Projekt durch das Land NRW mit 90 Prozent der Gesamtkosten. Die verbleibenden 10 Prozent werden durch den Haushalt der Stadt Mülheim an der Ruhr finanziert.

Ende des Jahres wird der Wambach am Einlauf Entenfang umgebaut. Der bestehende Absturz unter dem Wanderweg, Am Entenfang‘ wird durch eine 100 Meter (m) lange raue Gleite ersetzt. Dadurch wird ebenfalls die ökologische Durchgängigkeit hergestellt. Fischen ist somit der Zugang zum Wambach und dadurch wichtigen Laichplätzen wieder möglich. Im Zuge des Umbaus werden die Brückenfundamente erneuert. Die Baukosten belaufen sich insgesamt auf rund 229.000 Euro. Auch hier werden 90 Prozent der Kosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Den Eigenanteil der Stadt Mülheim an der Ruhr nehmen circa 23.000 Euro ein.

Weitere Projekte in Arbeit

Weitere Maßnahmen im Oberlauf des Wambachs starten in den nächsten Monaten. Dazu zählen Projekte an der Winsterstraße, Markenstraße sowie am Faulenkamp. Im Bereich der Winsterstraße befindet sich aktuell noch eine 9,5 m lange Verrohrung, die den Lauf des Wambach hier stark einengt. Durch Einsetzen eines vier Meter breitem Haubenprofils wird dem Gewässer zum einen ausreichend Platz gegeben. Zum anderen wird die Gewässersohle aus Beton entfernt und durch eine Sohle aus natürlichem Substrat ersetzt. Ein weiterer Vorteil der Maßnahme besteht in der Verkürzung des Querprofils. Das Haubenprofil ist mit einer Breite von vier Metern deutlich kürzer als die Verrohrung, jedoch breit genug, um die Winsterstraße ausreichen zu queren. Geplant ist diese Maßnahme für Ende 2018. Die Baukosten für die Umgestaltung der Querung an der Winsterstraße belaufen sich voraussichtlich auf 75.000 Euro. Zusammen mit der Umgestaltung des Durchlasses an der Markenstraße wird auch dieses Projekt mit 90 Prozent der Gesamtkosten durch das Land NRW gefördert.

Der Durchlass an der Markenstraße weist eine Länge von 14,5 Metern auf. Zudem zeigt der Wambach hier mit 17 Prozent ein überdurchschnittlich hohes Gefälle auf. Dadurch besitzt der Abfluss auch bei normalen Verhältnissen bereits schießenden Charakter. Auch durch den starken Abfluss ist die Böschungskante zwischen Straßenseitengraben und dem Durchlass an der Markenstraße nicht mehr standsicher. Die alte Verrohrung wird auch hier durch ein 4,5 Meter langes Haubenprofil ausgetauscht. Aufgrund des bei Starkregen zu erwartendem erhöhten Abflusses, wird die Durchlasshöhe an der Markenstraße um einen Meter höher liegen, als an der Winsterstraße. Durch Einbau des neuen Querprofils Ende 2018 wird das Gefälle auf 6,8 Prozent reduziert. Des Weiteren wird im Zuge der Maßnahme die Böschungssicherheit wiederhergestellt. Die Baukosten betragen hier aller Voraussicht nach 88.000 Euro.

Weiter oberhalb des Wambachs befinden sich am Faulenkamp zwei Querbauwerke, die ebenfalls im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie die ökologische Durchgängigkeit einschränken. Bei diesen und dem folgenden Gewässerabschnitt von ungefähr 200 Metern Länge, werden noch in diesem Jahr die Planungen beginnen. Geplant ist die Umgestaltung der beiden zu klein dimensionierten Durchlässe. Zudem sollen im angrenzenden Gewässerabschnitt neben der Ausweisung eines nutzungsfreien Gewässerrandstreifens und dem Entfernen von Uferverbau, eine Neutrassierung und eine Sohlanhebung den Wambach in diesem Bereich ökologisch aufwerten. Momentan befindet sich hier ein stark eingetieftes, teilweise verfallenes Trapezregelprofil. Kurz vor Beginn der Straße Oemberg soll zuletzt ein Auenbereich ausgewiesen werden, welcher sich positiv auf die Gewässerentwicklung auswirkt. Die Schätzungen für die Baukosten betragen 235.000 Euro. Angestrebt ist auch hier eine Förderung durch das Land NRW. Voraussichtlicher Baubeginn für dieses Projekt ist Ende 2019.

Durch die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und der hohen Förderung durch die Bezirksregierung Düsseldorf (mindestens 80 Prozent der Gesamtkosten) ergeben sich für Mülheim enorme Möglichkeiten, einen großen Teil der Fließgewässer kostengünstig zu renaturieren. Die dadurch entstehenden neuen Lebensräume sind überdies förderlich für das gesamte Stadtbild und erlauben eine Aufwertung der angrenzenden Lebensräume für Tier und Mensch.

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Stand: 19.04.2018

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