Die Stolpersteine im Kohlenkamp

Julius und Henriette Hirsch (Kohlenkamp 8)*

Stolpersteine für die Familie Julius Hirsch im Kohlenkamp 8Julius Hirsch wurde am 10. Februar 1875 in Mülheim an der Ruhr geboren. Seine Frau Henriette Marcuse, geboren am 3. Januar 1882, stammte aus dem westpreußischen Loebau (heute Lubawa). Julius Hirsch war von Beruf eigentlich Kaufmann, betätigte sich später aber auch als Versicherungsvertreter.

Nach dem Zuzug von Gelsenkirchen im Jahre 1891 wohnte die Familie mit ihren beiden in Mülheim geborenen Töchtern Helene (Jahrgang 1921) und Eva (Jahrgang 1925) zunächst  am Löhberg 66, dann einige Jahre (1923-1929) in der Leineweberstraße 4, schließlich nach einem Umzug 1929 im Kohlenkamp 8. Dieses war der letzte freigewählte Wohnsitz der Familie Hirsch, bevor sie in das "Judenhaus" am Scharpenberg eingewiesen wurden. Nach dem Novemberpogrom in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 - die Synagoge lag in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses der Familie - flüchteten die beiden Töchter im Dezember 1938 in die Niederlande.

Julius Hirsch und seine Frau wurden zum gleichen Zeitpunkt in das „Judenhaus“ am Scharpenberg 42  zwangseingewiesen. Im Sommer 1942 wurden sie von dort ins Konzentrationslager nach Theresienstadt deportiert. Mindestens 49 weitere ältere Mülheimer jüdischen Glaubens waren zusammen mit dem Ehepaar Hirsch am 21. Juli 1942 in diesem von der Reichsbahn unter der Bezeichnung „Da 70“ zusammengestellten Transport, der vom Düsseldorfer Güterbahnhof in Derendorf startete. In Theresienstadt wurde Julius Hirsch im Alter von 68 Jahren am 8. Juli 1943 umgebracht. Seine Frau Henriette wurde mit einem der ab Januar 1943 einsetzenden Transporte weiter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 

Helene Hirsch (Kohlenkamp 8)*li. Helene Wilhelmine Hirsch, re. Eva Hirsch

Helene Hirsch wurde am 21. Dezember 1921 als älteste Tochter des Kaufmanns Julius Hirsch und seiner Frau Henriette, geborene Marcuse, in Mülheim an der Ruhr geboren. Das Geburtshaus von Helene und ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Eva lag am Löhberg. Ab 1929 wohnte die Familie im Kohlenkamp 8. Eingeschult wurde Helene zu Ostern 1928 in die Schule an der Auerstraße. Sie wechselte auf die Dickswallschule, schließlich 1932 auf die weiterführende städtische Mädchenmittelschule. Ihr vorzeitiger Austritt aus der Mittelschule zum September 1935 ist mit der Bemerkung versehen "Besuch der Volksschule aus wirtschaftlichen Gründen". Im Dezember 1938 flüchtete sie in die Niederlande, wo sie zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts als Dienstmädchen arbeitete. 1942 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Dort verstarb sie kurz darauf am 30. September desselben Jahres.

 

Eva Hirsch (Kohlenkamp 8)*

Eva Hirsch wurde am 29. Juni 1925 als jüngere Tochter des Kaufmanns Julius Hirsch und seiner Frau Henriette, geborene Marcuse, in Mülheim geboren. Ihr Elternhaus war zunächst auf dem Löhberg 66. Ab 1929 wohnte die Familie auf dem Kohlenkamp 8. Nach ihrer Einschulung in die Dickswallschule zu Ostern 1932 blieb sie dort bis zur Flucht in die Niederlande im Dezember 1938.

Aus den Niederlanden erfolgte ihre Deportation 1942 zusammen mit ihrer Schwester direkt nach Auschwitz. Die geplante Vernichtung wurde am 30. September 1942 vollzogen. Nach verlässlichen Aussagen hatten beide Schwestern vor ihrem Tod noch im Bordell außerhalb des Lagers für Offiziere und Aufseher zur Verfügung stehen müssen.

*Wegen der Lage des Hauses Kohlenkamp 8 an der Ecke zur Leineweberstraße wurden die  Stolpersteine nach hinten versetzt zur Leineweberstraße verlegt, um zu verhindern, dass er durch die Auslagen des Geschäfts vor dem Haus überdeckt und damit übersehen wird.


 

Der Stolperstein für Antonie Kox geb. Rosenbaum im Kohlenkamp 34Antonie Kox (Kohlenkamp 34)

Antonie ("Toni") Kox wurde am 20. August 1891 als Tochter des jüdischen Ehepaars Salomon und Johanna Rosenbaum in Mülheim an der Ruhr geboren. Aus der 1916 mit dem Verlader Ernst Kox geschlossenen Mischehe - Ernst Kox war Katholik - gingen die beiden Zwillingstöchter Ruth und Alice hervor. Die Ehe wurde 1935 geschieden. Nach ihrer Scheidung zog Antonie Kox von der Bachstraße in den Kohlenkamp 34. Am 10. November 1938 - dem Tag nach der Reichspogromnacht - drangen mehrere SA-Leute in ihre Wohnung ein und zerschlugen Mobiliar, Porzellan, Kristall und andere Haushaltsgegenstände. Sie zerschnitten Betten, Kissen und Decken.

Im November 1939 wurde durch eine Polizeiverordnung die Möglichkeit geschaffen, Juden an bestimmten Orten zu konzentrieren, die Vorbedingung für ihre Ghettoisierung. In Mülheim wurden daraufhin viele jüdische Mitbürger in sogenannten „Judenhäusern“  untergebracht. So auch Antonie Kox, die mit ihrer Tochter Ruth in die Löhstraße 53 umziehen musste. Das Haus, ehemals im Besitz von Moritz Heymann,  gehörte zu diesem Zeitpunkt der Jüdischen Gemeinde. Nach der Zerstörung der Synagoge im November 1938 wurden dort der Gottesdienst, der Religionsunterricht und verschiedene andere Gemeindeaktivitäten abgehalten. Als Jüdin im Sinne der Nürnberger Gesetze wurde Antonie Kox am 10. Dezember 1941 von der Gestapo festgenommen und zusammen mit 25 weiteren Mülheimern jüdischen Glaubens zum Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf gebracht. In der vor dem Bahnhof gelegenen Schlachthofhalle mussten sie sogenannte Einziehungsverfügungen unterschreiben, die Grundlage waren für die Beschlagnahme ihres Wohnungsinventars. So wurde auch Antonie Kox’ Wohnungseinrichtung von der Gestapo beschlagnahmt. Später beauftragte man das Finanzamt in Mülheim damit, die Gegenstände zu veräußern.

Insgesamt umfasste der Deportationstransport nach Riga 1007 jüdische Menschen, hauptsächlich aus niederrheinischen Gebieten. Zusammen mit Antonie Kox wurde auch ihre Tochter Ruth deportiert. Ruths Zwillingsschwester Alice war dagegen bereits 1936 rechtzeitig in die USA ausgewandert. Es gibt eine ausführliche Dokumentation über den Transport nach Riga, verfasst von dem begleitenden Polizeioffizier Hauptmann Salitter ["Buch der Erinnerung", Bd. 2 (Sign. 580 / 654), S. 691 zit. bei Günter von Roden: Geschichte der Duisburger Juden. In: Duisburger Forschungen. Schriftenreihe für Geschichte und Heimatkunde Duisburgs, Bd. 34, Duisburg, S. 871 ff. (Sign. StaMH 900 / 307)], in dem die unmenschliche Behandlung der Deportierten zum Ausdruck kommt. Der Transport erreichte Riga am 13. Dezember 1941 um 23:35 Uhr und blieb bis zum nächsten Morgen bei 12 Grad unter Null auf den Gleisen stehen. Antonie und Ruth Kox wurden dann in das dortige Konzentrationslager verbracht. Während Ruth Kox das Lager überlebte, starb ihre Mutter im Beisein der Tochter am 15. März 1945 - fünf Tage nach der Befreiung des Lagers durch sowjetische Truppen.


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Stand: 13.07.2017

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