Die Stolpersteine in der Friedrichstraße

Stolpersteine für die Familie Brav in der Friedrichstraße 9Familie Brav (Friedrichstraße 9)

Der Kaufmann Adolf Samuel Brav wurde am 29. November 1890 als Sohn des Gershon Brav im polnischen Tarnow geboren. Seine Ehefrau Sally geborene Chaim, geboren am 3. März 1889, stammte ebenfalls aus Tarnow. 1924 zogen die Eheleute Brav von Duisburg nach Mülheim an der Ruhr, wo sie zunächst im Haus Löhberg 45 wohnten, bald darauf aber in die Wilhelminenstraße 12 umzogen. Dort kam am 13. Dezember 1927 ihre Tochter Regina zur Welt. Im Juni 1934 zog die Familie Brav erneut um: in die Adolf-Hitler-Straße (heute: Friedrichstraße) Nummer 9. In den Jahren 1935/36 übernahm Adolf Samuel Brav dort das Kurz- und Wollwarengeschäft der Familie Meynen, das sich im gleichen Haus befand.

Im November 1938 wurde er kurzzeitig ins Konzentrationslager Dachau eingewiesen, Mitte 1939 dann aber wieder entlassen. Die gesamte Familie Brav wurde am 27. Oktober 1941 ins KZ Litzmannstadt deportiert. Nach der Deportation wurden alle ihre Haushaltsgegenstände in Mülheim beschlagnahmt und im Dezember 1941 zwangsversteigert. Der Erlös von 1118,50 Reichsmark ging an die Oberfinanzdirektion Düsseldorf. Das weitere Schicksal der Familie Brav ist nicht ganz klar. Während Sally Brav wohl im Mai 1942 bereits im Lager Litzmannstadt verstarb, sind ihr Mann und ihre Tochter vermutlich weiter nach Theresienstadt und/oder Auschwitz deportiert worden. Alle drei Familienmitglieder wurden 1945 für tot erklärt.

 


Hermann Meynen (Friedrichstraße 9)

Stolperstein für Hermann Meynen in der Friedrichstraße 9Hermann Meynen wurde am 7. Mai 1895 in der ehemaligen Icktener Schule (Rombecker Weg) als drittes Kind des dortigen Dorfschullehrers Gustav Adolf Meynen und seiner Ehefrau Anna Catharina Gertrud Meynen, geborene Sellerbeck, geboren. Sein Vater musste aus gesundheitlichen Gründen den Lehrerberuf aufgeben und betrieb danach ein Manufakturwarengeschäft in der Friedrichstraße 9 in Mülheim. (Anmerkung: Dieses Geschäft wurde 1935/36 an die jüdische Familie Brav verkauft, denen ebenfalls drei Stolpersteine gewidmet sind.)

Hermann Meynen war Teilnehmer am ersten Weltkrieg und wurde von dort als Offiziersanwärter entlassen. Danach machte er eine kaufmännische Lehre. Der Weltkrieg und seine Folgen müssen ihn stark konservativ rechts beeinflusst haben. Er engagierte sich im rechten "völkisch-nationalen Lager" und bekämpfte 1919/20 die "Roten" in Mülheim und 1923/24 die "Separatisten" in Duisburg. 1923 wurde er Mitglied des "Jungdeutschen Ordens", einer autoritären rechten Vereinigung. 1933 trat er der NSDAP bei, obwohl er vermutlich der nationalsozialistischen Bewegung skeptisch gegenüber stand.

Am 7. März 1921 heiratete Hermann Meynen in Mülheim seine Frau Anni, geborene Lugscheider, geboren am 10. Januar 1900.

Als Hermann Meynen 1934 Werbeleiter der Wochenschrift "Der deutsche Volkswirt" wurde, sammelte er durch seine Kontakte Geschichten aus der NS-Gesellschaft und Göbbelsche Presseanweisungen, um sie in Gemeinschaft mit ehemaligen Gesinnungsgenossen aus der Ordensjugend, unter anderem als Persiflagen der politischen Zustände zu verwerten. Diese "Frontberichte" genannten Aufzeichnungen und ein weiterer Aufsatz mit der Überschrift "Die Regierung lässt bitten" wurden später Anklagepunkte des Volksgerichtshofes. Als zwei Gesinnungsfreunde von Hermann Meynen verhaftet wurden, floh er 1936/37 nach Tirol und übernahm von dort die Verantwortung für die Schriften, um seine Freunde zu entlasten. Über Wien, wo er sich mit anderen rechten NS-Gegnern traf, ging er 1937 nach Pressburg (Bratislava), um dort Gründungsmitglied der "Deutschen Front gegen den Nationalsozialismus" zu werden. Auch dieser Versuch scheiterte an finanziellen Engpässen.

Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 floh Hermann Meynen über die Tschechei, Ungarn und Bulgarien bis nach Frankreich. Hier wurde er für den französischen Nachrichtendienst angeworben, trat dort aber kaum in Erscheinung. Am 14. Mai 1940 wurde Hermann Meynen interniert und trat eine Odyssee durch verschiedene französische Lager an. Am 26. November 1942 verhaftete ihn die Gestapo in Chambons-sur-Lignon. Im Untersuchungsgefängnis litt er nach einem ärztlichen Gutachten vom 22. Oktober 1943 an einer schweren Nierenentzündung mit Ödemen im Gesicht und an den Beinen. Er galt als nicht haftfähig, aber alle Versuche, ihn frei zu bekommen, scheiterten. Die Anklage beim Volksgerichtshof wurde am 22. März 1944 eröffnet. Zu einem Urteil kam es jedoch nicht mehr, da Hermann Meynen zuvor am 5. April 1944 im Anstaltsspital des Zuchthauses Amberg an "Herzlähmung" starb. Er hinterließ eine Frau und drei Kinder.

 


Stolperstein für Sybilla Haber in der Friedrichstraße 12 (damals Friedrichstraße 10)Sybilla Haber (Friedrichstraße 10)

Sybilla Haber wurde am 19. März 1896 als außereheliche Tochter der Dienstmagd Mathilde Markus in Mülheim an der Ruhr geboren. Die Mutter war Jüdin und wohnte zum Zeitpunkt der Geburt ihrer Tochter Sybilla - der offizielle Eintrag in der Geburtsurkunde lautet Sibilla - in der Eppinghofer Straße 141a. 1912 wurde ihr Nachname "Markus" in "Haber" geändert und Josef Haber in den Standesamtsregistern als Vater vermerkt. Daher ist anzunehmen, dass Sybilla Haber eine uneheliche Tochter von Josef Haber und somit die Halbschwester des bekannten Mülheimer Kunstmalers Hermann Haber war.

Ab August 1910 wohnte Sybilla Haber in der Leineweberstraße 6, ab 1912 in der Delle 19, wo sie auch von 1925 bis 1929 eine Kunsthandlung betrieb. Dort wohnten seit 1911 bereits ihr Halbbruder Hermann Haber, seine Eltern und - ab 1918 - sein Bruder. Ende 1928 zog sie mit der Familie - der Vater Joseph Haber war mittlerweile verstorben - in die Friedrichstraße 10. Im März 1939 emigrierte Sybilla Haber ins holländische Scheveningen. Von hier aus wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Da das genaue Todesdatum nicht zu ermitteln war, wurde sie 1945 vom Amtsgericht für tot erklärt.

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Stand: 01.02.2017

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