Die Stolpersteine in der Löhstraße

Stolpersteine für das Ehepaar Jonas in der Löhstraße 53Familie Jonas (Löhstraße 53)

Karl Jonas wurde am 23. Mai 1870 im niederrheinischen Schermbeck, Kreis Rees, geboren. Im Alter von 30 Jahren heiratete er die aus Mülheim stammende sechs Jahre jüngere Martha Cahn, Tochter des zum Zeitpunkt der Hochzeit bereits verstorbenen Metzgers Isaak Cahn und seiner ebenfalls verstorbenen Frau Rosa, geborene Meier. Martha war am 26. Januar 1876 in Mülheim an der Ruhr geboren. Aus der Ehe von Karl und Martha Jonas ging eine Tochter hervor, Trude, geboren am 3. Juli 1901 in Mülheim an der Ruhr, wo die Eltern seit der Heirat wohnten. Trude Jonas wuchs in der Bachstraße 8-10 auf, besucht die Volksschule und anschließend das Städtische Lyzeum (Mädchenoberschule), wo sie Ostern 1918 ihr Abitur ablegte. Im Juni 1920 meldete sich nach Berlin ab, vermutlich um dort eine Beamtenausbildung zur Archivarin zu machen. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Die Eltern von Trude Jonas blieben noch bis 1933 in der Bachstraße wohnen und zogen dann im September 1933 in die Löhstraße 53. Bei diesem Gebäude handelte es sich um das Gemeindehaus der Mülheimer Synagogengemeinde, in dem Mitglieder der Jüdischen Gemeinde sich trafen und miteinander feierten. Gegen Ende der 1930er Jahre sollte dieses Haus zu einem sogenannten "Judenhaus" umfunktioniert werden, in das etliche der noch in Mülheim verbliebenen Juden zwangseingewiesen wurden. Im Januar 1939 flohen Karl und Martha Jonas vor den Repressalien des NS-Regimes in die Niederlande nach Den Haag. Vom 20. Juni bis 29. Juni 1943 waren sie im Sammellager Westerbork inhaftiert. Von dort erfolgte am 29. Juni 1943 ihre Deportation in das Vernichtungslager Sobibor. Als ihr Todesdatum wurde der 2. Juli 1943 erklärt.

 


Familie Plachschinski (Löhstraße 53)

Stolpersteine für das Ehepaar Plachschinski in der Löhstraße 53Gutmann Plachschinski, geboren am 24. Mai 1873 in Sgersen bei Lodz, kam im Juli 1892 mit seiner Frau Agnes, geb. Dahlheim, geboren am 10. April 1875, über Köln am Rhein nach Mülheim an der Ruhr. Hier trat er die Stelle als Kantor (Vorbeter im Gottesdienst) der Jüdischen Gemeinde an. Da gottesdienstliche Texte in der Gemeinde überwiegend hebräisch gelesen und deklamiert wurden, muss Plachschinski über gute Hebräischkenntnisse verfügt haben. Vermutlich wurden ihm deswegen zudem die Aufgaben eines Religionslehrers für die Kinder jüdischen Glaubens zumindest in den ersten Schuljahren übertragen. Die Berufsbezeichnung in den amtlichen Unterlagen lautete "Kantor und Lehrer" und in der Grundsteinlegungsurkunde von 1904 für die neu zu bauende Mülheimer Synagoge am Viktoriaplatz hat er den hebräischen Text sowohl mit seinem Namen (auf hebräisch) als auch der Angabe "Schliach-Zibur" (hebräisch für Kantor) unterschrieben.

Die drei Kinder des Ehepaars Plachschinski kamen allesamt in Mülheim zur Welt: Alfred (1903), Liselotte (1906) sowie Hans (1909). Die Familie wohnte lange Jahre in der Leibnizstraße 6, zog dann aber im April 1933 in das jüdische Gemeindehaus in der Löhstraße 53. Dort fanden nach dem Verkauf und der Zerstörung der Synagoge im November 1938 zuletzt auch die Gottesdienste der Synagogengemeinde statt.

Am 21. Juli 1942 wurden Gutmann Plachschinski und seine Frau von Düsseldorf ins Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort weiter am 21. September 1942 ins Vernichtungslager nach Treblinka. Sie wurden vom Mülheimer Amtsgericht mit Datum 8. Mai 1945 für tot erklärt. Die drei Kinder Alfred, Liselotte und Hans konnten ihr Leben durch die rechtzeitige Auswanderung nach Mexiko retten.

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Stand: 24.01.2017

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