ZEITZEICHEN 6. Februar 1607: Ermordung des Junggrafen Wirich von Daun

Der Mülheimer Raum um 1750 (Kupferstich von Jakob Becker)Im 16. und 17. Jahrhundert war auch Mülheim in die Religionswirren und kriegerischen Auseinandersetzungen verstrickt, die ganz Europa immer wieder in Unruhe versetzten. Besonders während des so genannten Achtzigjährigen Krieges in den Jahren zwischen 1568 und 1648, in dessen Verlauf die niederländischen Generalstaaten ihre Unabhängigkeit von Spanien erkämpften, kam es auch auf Mülheimer Gebiet immer wieder zu Kämpfen und Gefechten. Für großes Aufsehen und einen langen historischen Nachklang sorgten in diesen Jahren die Ermordung des Grafen Wirich VI. von Daun auf Schloss Broich im Jahre 1598 durch spanische Soldaten und die so genannte Schlacht um Mülheim im Jahr 1605 zwischen Spaniern und Niederländern.

Weniger prominent doch gleichwohl bezeichnend für die Gefahren der Zeit ist die Ermordung des Junggrafen Wirich von Daun, der am 6. Februar 1607 bei Sterkrade einem Überfall spanischer Truppen zum Opfer fiel. Wirich war der jüngere Bruder des Grafen Johann Adolf von Daun, der nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters, des unglückseligen Grafen Wirich VI. die Herrschaft Broich übernommen hatte. Seit dem Jahre 1605 stand Wirich als Offizier im Heer des Fürsten Moritz von Oranien in Diensten der Niederländer und kämpfte mit ihnen immer wieder gegen die spanischen Truppen. Nachdem er wieder einmal seinen Bruder Johann Adolf auf Schloss Broich besucht hatte, kam es für ihn zu einem letzten, tödlichen Zusammentreffen mit den verhassten Feinden.

Bevor Wirich seinen Besuch in Broich beendete, ritt er zusammen mit Johann Adolf nach Essen, um dort den Bürgermeister Heinrich Stecke zu besuchen. Nachdem sie einige frohe gemeinsame Stunden verbracht hatten, ließ dieser die beiden Brüder am späten Abend des 6. Februar 1607 an der Viehofer Pforte aus der Stadt hinaus. Vor den Toren Essens trennten sich die Wege der Brüder, da Wirich von hier aus nach Nimwegen in sein Quartier und Johann Adolf nach Broich zurückkehren wollten. Während Johann Adolf unbehelligt und völlig ahnungslos sicher nach Schloss Broich heimkehrte, ritt Wirich in sein Verderben. Bei Sterkrade wurde er von spanischen Soldaten überfallen, die mit dem niederländischen Söldner kurzen Prozess machten, ihn ausraubten und schließlich erschossen. Erneut war ein prominentes Familienmitglied der Herren von Broich den Wirren der Zeit durch einen gewaltsamen Tod zum Opfer gefallen.

Nachdem die Leiche Wirichs aufgefunden wurde, brachte man sie nach Mülheim. Am 6. März 1607 wurde Wirich dort in der Familiengrablege in der Petrikirche beigesetzt. Um das Begräbnis standesgemäß ausrichten zu können, musste Johann Adolf 2.000 Taler borgen, da es in diesen unruhigen Zeiten derart schlecht um die Wirtschaftslage der Herrschaft Broich bestellt war, dass er die Kosten einer solchen Beisetzung nicht ohne weiteres bestreiten konnte.

Der Mord an Wirich stellte indes keineswegs das Ende dieser schweren Epoche dar. Noch über Jahrzehnte würden kriegerische Auseinandersetzungen, die im 30jährigen Krieg einen schrecklichen Höhepunkt finden sollten, die Menschen auch in der Mülheimer Gegend schwer drücken und Frieden und Wohlstand vermissen lassen.

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Stand: 05.03.2018

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