ZEITZEICHEN 18. Juni 1945: Mülheim wird Teil der britischen Besatzungszone

Oberbürgermeister Hoosmann zwischen zwei britischen Offizieren bei der ersten Sitzung des Bürgerausschusses am 3. August 1945 im Trausaal des Rathauses - StadtarchivAm 11. April 1945 war mit dem Einrücken amerikanischer Truppen der Zweite Weltkrieg in Mülheim beendet. Knapp einen Monat dauerte es noch bis die Wehrmacht bedingungslos kapitulierte.

Von da an war an die Stelle der ausgelöschten Staatlichkeit des Deutschen Reiches die Hoheit der vier Siegermächte getreten. Die gesamte öffentliche Gewalt in Deutschland lag nun in den Händen der Alliierten unter dem Vorsitz des Alliierten Kontrollrates. Dieser bestand aus den vier Oberkommandierenden der Siegermächte. Sie erließen am 5. Juni 1945 eine Deklaration an das deutsche Volk, in der die Übernahme der gesamten staatlichen Macht in Deutschland durch die Alliierten in 15 Artikeln festgelegt wurde. Darin hieß es aber auch: "Die Übernahme […] bewirkt nicht die Annektierung Deutschlands."

Deutschland als Staat existierte nicht mehr. Von den Alliierten folgte eine Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen, die vom jeweiligen Oberkommandierenden auf Anweisung der zuständigen Regierungen verwaltet wurden.

Mülheim wurde Teil der britischen Besatzungszone und so übernahmen am 18. Juni 1945 britische Soldaten die Ruhrstadt. In der Ruhr Zeitung vom 16. Juni 1945 hieß die Schlagzeile "Engländer besetzen das Ruhrgebiet". Die Ruhr Zeitung war das Mitteilungsblatt der Militärregierung, in der wichtige Informationen für die Bevölkerung veröffentlicht wurden. Die britische Stadtkommandantur stand vor großen Herausforderungen.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln war nur rationiert und über Karten möglich. "Schafft Nahrung für den Winter: Die Engländer helfen euch." lautete die Schlagzeile am 23. Juni 1945 in der Ruhr Zeitung. Die Mülheimer wurden aufgefordert, jeden freien Quadratmeter für den Anbau von Gemüse zu nutzen. 

Große Probleme bereitete auch die Schaffung von genügend und vor allem geeignetem Wohnraum. Dreiviertel der Wohngebäude der Innenstadt waren zerstört oder beschädigt. Die Wohnungsnot verschärfte sich durch die vielen Heimkehrenden und durch die zusätzlichen Flüchtlingsströme aus dem Osten. Dadurch wuchs die Bevölkerung nach Kriegsende schneller als Wohnraum zur Verfügung stand. Aus diesem Grund organisierten die Briten vorsorglich für den Winter freiwillige Evakuierungs-maßnahmen in ländliche Gebiete. Daneben musste auch der Trümmerschutt beseitigt und der Wiederaufbau organisiert werden. Der britische Stadtkommandant führte deswegen eine Arbeitspflicht ein für Männer ab 16 bis 65 und Frauen zwischen 16 und 45 Jahren.

Die Briten beschleunigten auch den demokratischen Wiederaufbau. Hierzu gehörte neben den Entnazifizierungsverfahren die Bildung eines Bürgerausschusses im August 1945, der die Stadtverwaltung bis zur Neuwahl der ersten Stadtverordnetenversammlung 1946 unterstützen sollte.

In der NRZ schrieb am 18. Juni 2010 der Journalist Dr. Thomas Emons, dass im Wohnpark Witthausbusch  heute die Liverpoolstraße und der William-Shakespeare-Ring daran erinnern, dass dort bis 1994 britische Soldaten stationiert waren, die am 18. Juni 1945 als Sieger in unsere Stadt kamen, aber am Ende als Freunde gingen.

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Stand: 18.06.2020

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