ZEITZEICHEN 19. August 1928: Richtfest der Kirche St. Mariae Geburt

Das Richtfest der Kirche St. Mariae Geburt am 19. August 1928 in Mülheim an der  Ruhr - StadtarchivIm Zuge der Reformation war die Mülheimer Bevölkerung, die ihre Gottesdienste in der Petrikirche feierte, protestantisch geworden. Erst 1755 erhielten die Jesuiten von den katholischen Grafen von Styrum ein Grundstück auf dem Gelände des Altenhofes zur Errichtung einer katholischen Mission. 1781 folgte die Grundsteinlegung für die erste Marienkirche, die wegen der steigenden Einwohnerzahlen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erweitert werden musste.
Der letzte Gottesdienst in dieser Kirche fand am 23. April 1928 statt. Am Tag darauf begannen schon die Abbrucharbeiten.

Drei Monate danach war der neue Kirchenbau bis zum Dachstuhl fertiggestellt, so dass am 19. August 1928 das Richtfest für den Neubau der Marienkirche stattfinden konnte. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein Grundstein gelegt. Die Mülheimer Zeitung vom 21.08.1928 beschreibt die Stimmung an diesem Sonntagnachmittag wie folgt: “Durch die hohen Rundbogenfenster des himmellosen Neubaus huschen Sonnenbreiten, vergolden den großen Kruzifixus an der Stirnwand des werdenden Gotteshauses, werfen farbige Reflexe […] und grüßen hoch oben auf dem Dachgerüst den fröhlich im Winde wehenden Richtbaum.“ Der Kölner Weihbischof Dr. Joseph Hammels wurde um 16.00 Uhr nachmittags vom katholischen Mülheimer Klerus und einer großen Menschenmenge empfangen. Unter den vielen geladenen Gästen waren auch Oberbürgermeister Dr. Paul Lembke und Baurat Arthur Brocke.

Bläser- und Kirchenchor spielten „Tu es Petrus“ und anschließend begannen die symbol-haften Zeremonien. Unter einem Baldachin am ersten linken Chorpfeiler, der den Grundstein aufnehmen sollte, weihte der Bischof den Stein. Dann wurden in eine Aushöhlung des Pfeilers eine Urkunde über die Entstehung und Geschichte der St. Marien-Pfarrgemeinde sowie die Geschichte des Neubaus, einige Münzen, zwei Zinkkästchen, welche aus der alten Marienkirche stammten und ein Steinstück der Peterskirche in Rom eingemauert. In einem Gang durch die Kirche weihte der Bischof weitere wichtige Stellen der Kirche und segnete sie. In seiner anschließenden Ansprache setzte er die Grundsteinlegung in Beziehung zum Leben des christlichen Menschen. Er sagte: „Der Grundstein dieses Gottestempels ist die Seele, das Herz der Altar, das Gewissen die Kanzel, von der herab Gott predigt. Und so, wie diese hohen Mauern sich zum Gotteshause schließen, so ist jeder Mensch ein Baustein an dem großen Dom der triumphierenden Kirche. Der Mörtel, der die Steine verbindet, ist das Band des Glaubens und der Liebe. […] Ein herrliches Gotteshaus geht seiner Vollendung entgegen.“

Diese Worte des Bischofs klangen versöhnlich, denn zunächst waren die avantgardistischen Kirchenbaupläne des evangelischen (!) Architekten Emil Fahrenkamp auf Widerstand im Erzbistum Köln gestoßen. Kirchen im Ruhrgebiet wurden bis Mitte der 1920er Jahre noch im neuromanischen oder neugotischen Stil errichtet. Jula Thyssen, die den Bau finanziell großzügig unterstützte, und der Pastor der Gemeinde, Konrad Jacobs, hatten sich für Emil Fahrenkamp stark gemacht. Er war bereits beim modernen Innenausbau der Stadthalle tätig gewesen. Das Bistum hatte wohl auch weniger Probleme mit dem modernen Stil des Backsteinbaus als vielmehr damit, dass eine katholische Kirche von einem evangelischen Architekten entworfen wurde. Es schlug vor, einen katholischen Architekten bei der Planung des Baus hinzuzuziehen. Dies übernahm Josef Pfoser.

Am Tag des Richtfestes gewannen die Anwesenden einen ersten Eindruck von dem massiv wirkenden Backsteinwänden. Nach der Fertigstellung der Kirche St. Mariae Geburt - sie wurde am 10. März 1929 feierlich konsekriert [s. Zeitzeichen] - hatte die Stadt ein monumentales Wahrzeichen mehr und die Petrikirche verlor ihre Dominanz auf dem Kirchenhügel.

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Stand: 11.09.2018

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