ZEITZEICHEN 6. Januar 1857: Einweihung des Evangelischen Versorgungshauses

Historische Postkartenansicht des Evangelischen Versorgungshauses (o.D.)

Die Gründung der heutigen Stiftung Evangelisches Kranken- und Versorgungshaus zu Mülheim an der Ruhr geht auf das Jahr 1850 zurück, als einige Mitglieder des Mülheimer Jünglingsvereins unter Führung des reformierten Pfarrers Eduard Wilhelm Schulz im Rahmen einer privaten Stiftung ein bescheidenes, erstes Krankenhaus eröffneten. Bis dahin waren Arme und Mittellose bei gesundheitlichen Problemen meist auf Mildtätigkeit von privater Seite angewiesen. Mit der Errichtung dieses Krankenhauses entstand nun erstmals eine Einrichtung, die sich um die Betreuung dieser Personen kümmerte und damit Aufgaben der städtischen Armenfürsorge übernahm.

Vier Jahre nach Aufnahme des Krankenhausbetriebs verfestigte sich beim Stiftungskuratorium der Gedanke, für die „unnützen alten und armen Langzeitkranken“ ein gesondertes Pflegehaus - in zeitgenössischen Texten auch als Invalidenhaus oder Siechenhaus bezeichnet - einzurichten. Es hatte sich in der Vergangenheit immer wieder als Problem erwiesen, ältere Patienten ohne Arbeit nach ihrer Heilung im Krankenhaus behalten zu müssen, wenn sie existenzunfähig waren. Der Bau eines separaten Versorgungshauses sollte hier Abhilfe schaffen und das Krankenhaus bei der Betreuung dieser Personen entlasten.

Ein Grundstück in der Teinerstraße 59, das man Anfang 1854 von den Erben der Apothekerfamilie Mellinghoff erworben hatte, stand am Anfang der Planungen. Mit dem Ankauf zweier Nachbarparzellen verdoppelte sich dann im darauffolgenden Jahr der Grundbesitz für das geplante Projekt. Während das Mellinghoffsche Grundstück für den eigentlichen Bau des Versorgungshauses vorgesehen war, sollte das Gartenareal der zwei später erworbenen Parzellen dazu dienen, „den Pfleglingen eine Bewegung in frischer Luft zu verschaffen sowie denen, deren Kräfte es erlauben, Gelegenheit zu einer den Körper stärkenden und die schädliche Langeweile vertreibenden Tätigkeit zu geben“.

Der Rohbau wurde im Januar 1856 fertigestellt, die Einweihung fand am 6. Januar 1857 statt. Ein Rechenschaftsbericht von 1860 beschreibt die damals 43 Bewohner der Einrichtung - bei einer Gesamtkapazität von 100 Plätzen - wie folgt:

„Die meisten sind schon sehr alt und gebrechlich und zur Pflege und Beaufsichtigung derselben bedarf es eines großen Maaßes von Geduld und Liebe. Sieben unter ihnen sind dabei schwach- und stumpfsinnig, und eine blind. Tobsüchtige und eigentlich Wahnsinnige werden statutenmäßig nicht aufgenommen […] Im Ganzen führen sich die Leute gut auf, und wenn wohl mal einer auf dem Wege der Disciplin durch Ausweisung bestraft wird, so ruht er nicht eher, bis man ihn wieder aufnimmt, und gewöhnlich geht es dann mit ihm besser. Neben der leiblichen Pflege fehlt es auch nicht an der geistigen, und die Bewohner beider Häuser wohnen gern den Andachtsstunden in der Kapelle bei, und zeigen sich auch sonst gegen christliche Einwirkung und Ermahnung nicht widerspenstig.“

 

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Stand: 09.01.2017

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