Chird Hardering zum 50. Todestag

Chird Hardering-Autograph im Besitz von Franz Firla.Chird Hardering - wie sich Gerhard August Hardering als Dichter nannte, ist der  bedeutendste Lyriker mölmscher Zunge! Er wurde am 01.08.1892 in Mülheim geboren und verstarb am 05.05.1967.
Fritz Sauerbrey, sein Nachfolger in der Leitung des „Mölmsche Kringk“ hat den Rheinlandtaler bekommen. Sicher zu Recht. Chird Hardering erhielt nie eine Auszeichnung und ist doch in seiner Mölmschen Lyrik unübertroffen. Auch deshalb ist es an seinem 50.Todestag eine Pflicht, seiner in Dankbarkeit zu gedenken.


Chird HarderingWas Zuhörer und Vortragende noch heute an ihm schätzen, ist das feine Gefühl für seine Muttersprache. Sein Denken in Mölmsch Platt formt diese eher schwerfällig daherkommende Variante des Niederfränkischen so, dass sie – entgegen allen Vorurteilen – auf einmal leicht und lyrisch daherkommt.
Wenn es das gäbe, würde ich bei ihm von „Hochplatt“ reden. Dabei verlässt er niemals ganz das Alltagsplatt und beschäftigt sich mit den normalen Verrichtungen des Alltags, mit mölmscher Tradition (Steelmoosreis, Kettembrück, Pe-iskirmes, Mölmsche Oowe) und besonders eindringlich mit den Kriegs- und Nachkriegseindrücken. (Ick ouk, 23. Juni 1943, En Aule,  Die Haamsterfah‘t)
Seine „Gedanken zum Plattdeutschen“ sind weniger sprachwissenschaftlich von Bedeutung, zeigen vielmehr seine tiefe Verbundenheit mit der „Moodersprook“, die aus den spezifischen Lebensbedingungen der Menschen  vor Ort hervorgegangen sei und als „Ursprache“, die letztlich von Gott stammt, deren Seele spiegele.
Als Theaterschriftsteller  war er nicht so erfolgreich. „Der Fährmann“, mit dem er den Fährgeldstreit des Hermann Scholl auf die Bühne brachte, wurde nicht günstig aufgenommen und blieb weitgehend unbekannt. Fritz Sauerbrey spielte bei der 150-Jahrfeier der Stadt 1958 in der Stadthalle den Fährmann Scholl.
Harderings Gedichtband „Innich, Ssinnich, Finnich“ (Innig, Nachdenklich, Schadenfroh) ist ein nirgendwo sonst in dieser perfekten Kompaktheit anzutreffendes Spiegelbild der alten Mülheimer Seele und des Alltags in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Dass es nur noch im Antiquariat mit vergilbten Seiten erhältlich ist, schmerzt den Kenner und zeugt nicht gerade von Dankbarkeit für einen großen Sohn unserer Stadt.
Es sollte möglichst bald, zusammen mit einer hochdeutschen Übertragung, neu erscheinen.

Franz Firla

 


Stand: 03.05.2017

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