Luftqualität in Mülheim

Erfolg und Rückschlag bei Stickstoffdioxid (NO2)

Station zur Luftqualitätsmessung Mülheim-Styrum.Seit dem 11. April 2017 liegt der Bericht über die Luftqualität im Jahr 2016 des Landesumweltamt (LANUV) vor. Zur Entwicklung des Luftschadstoffs Stickstoffdioxid (NO2) resümiert das LANUV wie folgt: „Im Vergleich mit der NO2-Belastung des Vorjahres ist im Jahr 2016 keine weitere Abnahme der Immissionsbelastung erkennbar. An den städtischen und vorstädtischen Hintergrundmessstellen wurde wie auch schon in den zurückliegenden Jahren eine Stagnation oder ein geringer Anstieg der Immissionsbelastung beobachtet. Auch die seit 2009 an den verkehrsnahen Standorten zu beobachtende Belastungsabnahme setzte sich zwischen 2015 und 2016 nicht fort“. Nach Analyse des Umweltamtes hat sich vor diesem Hintergrund die Situation an den Mülheimer Messstationen des LANUV im letzten Jahr sehr unterschiedlich entwickelt:

Styrum (STYR):
Die Hintergrundmessstation in Mülheim Styrum weist wie auch der Landestrend eine stagnierende beziehungsweise leicht negative Entwicklung auf. Gegenüber dem Vorjahr ist hier eine geringe Verschlechterung des Jahresmittelwertes um etwa einen Mikrogramm pro Kubikmeter von 26 μg/m³ auf 27 μg/m³ zu verzeichnen. Erhöhte Monatsmittel gegenüber dem Vorjahr traten dabei insbesondere in der zweiten Jahreshälfte in den Monaten September (32 μg/m³), November (33 μg/m³) und vor allem im Dezember (40 μg/m³) auf.

Kölner Straße - Tempo 30 erfolgreich

Kölner Straße (MHKS):
An der verkehrsnahen Messstelle der Kölner Straße (B1) in Selbeck gilt seit Februar 2016 aus Luftreinhaltegründen eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Kilometer/Stunde (km/h). Die hier seither zu verzeichnende Entwicklung ist aus Sicht der Stadt Mülheim äußerst positiv. Der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid an der B1 ist deutlich, und zwar um etwa drei Mikrogramm pro Kubikmeter zurückgegangen.

Dr. Zentgraf, Leiter des Amtes für Umweltschutz: „Nach Analysen des städtischen Umweltamtes gehört die Messstelle damit zu den wenigen verkehrsnahen Messstationen in NRW, die im letzten Jahr überhaupt einen Rückgang verzeichnen können. Außer einer Station im Bergischen Land gibt es zudem keine Station in NRW, welche diese Höhe des Rückgangsniveaus erreicht.“
Da sich das Hintergrundniveau der Luftqualität eher verschlechtert hat, und nach Auswertung der Ruhrpilot-Verkehrszählstellen der Stadt auch keine wesentlichen Änderungen der Verkehrsmengen zu verzeichnen sind, bewertet das Umweltamt die vor Ort umgesetzte Luftreinhaltemaßnahme als erfolgreich. Mit einem Jahresmittelwert von 37 μg/m³ für 2016 wird der geltende Grenzwert von 40 μg/m³ zum zweiten Mal in Folge - nun aber deutlich - eingehalten.

Die höchsten Monatsmittel an der Station waren dabei mit jeweils um die 44 beziehungsweise 45 μg/m³ in den Monaten Februar, November und Dezember zu verzeichnen. Insgesamt liegt die zu beobachtende Entwicklung über den mit der Maßnahme verbundenen Erwartungen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die geschwindigkeitsreduzierende Maßnahme auch in den nächsten Jahren beibehalten werden muss, da ohne sie, das heißt nur unter Berücksichtigung des landesweiten Trends, der Grenzwert in 2016 wieder überschritten worden wäre.

Die Stadt Mülheim bedankt sich in diesem Zusammenhang ausdrücklich bei allen Verkehrsteilnehmenden die durch ihr Verhalten zum bisherigen Erfolg beigetragen haben.

Anstieg der Werte an der Aktienstraße

Aktienstraße (VMHA):
Die oberhalb der Kreuzstraße gelegene Messstation an der Aktienstraße (L450) verzeichnet einen der landesweit höchsten Anstiege der Stickstoffdioxidbelastung um fast vier Mikrogramm pro Kubikmeter. Für 2016 werden im Bericht des LANUV als Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid (NO2) 45 μg/m³ ausgewiesen gegenüber 42 μg/m³ im letzten Jahr. Nachdem es in 2015 noch so aussah, dass die Station kurz- bis mittelfristig den geltenden Jahresgrenzwert einhalten könnte, bedeutet die aktuelle Entwicklung einen Rückschlag auf das Niveau der Vorjahre von 2012 bis 2014. Für das städtische Umweltamt sind die Ursachen der aktuellen Erhöhung an der Aktienstraße unklar. Zwar reagieren die verkehrsnahen Messstationen im Allgemeinen mit höheren Ausschlägen der Jahresmittelwerte auf die Veränderung des Hintergrundniveaus, doch die Höhe der Veränderung lässt auch andere Gründe wie eine veränderte Verkehrssituation einen gestiegenen Einfluss industrieller Quellen nicht ausschließen.

Im Unterschied zur Kölner Straße gibt es allerdings in der Nähe der LANUV-Messstelle keine städtische Verkehrszählstelle die hierüber Aufschluss geben könnte. Im unteren Bereich der Aktienstraße werden seit September 2016, dem Monat indem die Station mit fast 56 μg/m³ auch den höchsten Monatsmittelwert ausweist, gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich erhöhte Verkehrsbewegungen registriert. Diese dürften jedoch nicht auf die Abschnitte der Aktienstraße nördlich der Mellinghofer Straße übertragbar sein. Das Umweltamt wird daher die Situation in den kommenden Monaten kritisch verfolgen, um gegebenenfalls zu entscheiden, inwieweit hier Handlungsbedarf für eine weitergehende Maßnahmenplanung besteht. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre mithin die verstärkte Kontrolle des schon bestehenden Fahrverbotes für LKW mit mehr als 2,8 t zulässigem Gesamtgewicht.

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Stand: 12.04.2017

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