35.
Mülheimer Theatertage NRW
Die Stücke eines Jahres im Wettbewerb
um den Mülheimer Dramatikerpreis

Kathrin Röggla


Kathrin Röggla wurde 1971 in Salzburg geboren, sie ist Theaterautorin Geboren 1971 in Salzburg.
Dort begann sie 1989 ihr Studium der Germanistik und Publizistik, welches sie 1992 in Berlin fortsetzte und 1999 erfolgreich abbrach. Seit 1988 ist sie aktiv in der literarischen Öffentlichkeit. Zunächst in der Salzburger Literaturwerkstatt, der Salzburger Autorengruppe und in der Redaktion der Literaturzeitschrift "erostepost". Im Zusammenhang mit diesen Gruppierungen trat sie mit Lesungen, Performances und Videoperformances auf. Durch den Umzug nach Berlin erfolgte eine Konzentration auf den schriftlichen Text. Es entstanden die ersten Bücher sowie Kurzprosa. Seit 1998 verfasst und produziert sie auch Radioarbeiten - Hörspiele, akustische Installationen, Netzradio.
Seit 2002 schreibt sie auch Theatertexte.
Kathrin Röggla lebt seit 1996 in Berlin-Neukölln.

Stücke

fake reports UA 16.10.2002, Volkstheater Wien / steirischer herbst, Regie: Tina Lanik
superspreader Monolog UA 21.06.2003, Düsseldorfer Schauspielhaus, Regie: Gustav Rueb
totficken. totalgespenst. topfit. Einakter UA 20.12.2003, Burgtheater (Kasino) Wien, Regie: Stephan Rottkamp
sie haben soviel liebe gegeben, herr kinski! UA 13.3.2004, Pumpenhaus Münster, Regie: Paula Artkamp
wir schlafen nicht UA 07.04.2004, Düsseldorfer Schauspielhaus, Regie: Burkhard C. Kosminski
junk space UA 29.10.2004, steirischer herbst / Theater am Neumarkt, Zürich, Regie: Tina Lanik
draußen tobt die dunkelziffer
UA 08.06.2005, Volkstheater Wien, Regie: Schorsch Kamerun – „Stücke ´06“ (Inszenierung des Maxim Gorki Theater Berlin, Regie: Stephan Müller)
publikumsberatung UA, 2.5.2008, Theater am Neumarkt, Regie: Leopold von Verschuer
plan b minidrama UA 17./18.5.2008, Schauspielhaus Bochum, Regie: Hans Dreher
worst case UA 11.10.2008, Theater Freiburg, Regie: Leopold von Verschuer
die beteiligten UA 19.04.09, Düsseldorfer Schauspielhaus, Regie: Stephan Rottkamp – „Stücke 2010“
machthaber UA 03.03.2010, Schauspielhaus Wien, Regie: Daniela Kranz


Preise und Auszeichnungen
Salzburger Landesliteraturpreis (1992), Reinhard Priessnitz-Preis und Meta-Merzpreis (1995), Alexander von Sacher-Masoch-Preis, Italo-Svevo-Preis und New-York-Stipendium des Literaturfonds (2001), Hans-Erich-Nossack-Förderpreis, RIAS Preis (2003), Förderpreis des Schillergedächtnispreises, Preis der SWR-Bestenliste und Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (2004), Solothurner Literaturpreis und Internationaler Preis für Kunst und Kultur des Kulturfonds der Stadt Salzburg (2005), Anton-Wildgans-Preis (2008)

Zahlreiche Buchpublikationen und Radioarbeiten
www.kathrin-roeggla.de


Die Beteiligten

 


Düsseldorfer Schauspielhaus

Der Name Natascha Kampusch fällt kein einziges Mal, und doch ist nach wenigen Sätzen klar, dass es hier um sie geht, um den Fall der im Kindesalter entführten, erst nach acht Jahren höllischer Gefangenschaft befreiten Österreicherin, die scheinbar selber zu Wort kommt. Doch das „Ich“, das hier in andauernder indirekter Rede spricht, ist nur eine Projektion, in der sich die Kommentare der anderen spiegeln, der Bescheidwisser, Sensationsgeier, kurz: der „Beteiligten“, wie Kathrin Röggla sie im Titel nennt. Die Psychologin, der Journalist, die neugierige Nachbarin: Es sind solche selbst ernannten Experten, die hier sprechen und sich in ihrer konjunktivistischen Rede des Opfer-Ichs bemächtigen: „sie wolle ja nur sagen... “, „ich liefe gefahr, eine prinzessinnendiktatur zu errichten... “. Im Stimmenkonzert dieser nicht direkt, sondern über die Medien an der Sache Beteiligten, erklingt nicht nur die Resonanz, die der Fall Kampusch in der Öffentlichkeit hervorgerufen hat – es blitzt in dem indirekten Redefluss auch die entlarvende Perspektive des „Opfers“ auf seine es vereinnahmende Umwelt auf, wie hier überhaupt öffentliche und mediale Wahrnehmung sehr raffiniert hinterfragt wird. Die Katastrophenspezialistin Kathrin Röggla hat da kluge Spracharbeit geleistet. Und Stephan Rottkamp hat mit Hilfe der kongenialen Raum- und Videoinstallation von Robert Schweer eine starke, die scheinbare Live-Situation mehrfach brechende Umsetzung dafür gefunden. In der Möglichkeitsform eröffnet sich hier ein neuer Blick auf die Wirklichkeit.
Christine Dössel


Uraufführung am 19. April 2009 im Kleinen Haus

Inszenierung: Stephan Rottkamp
Raum- und Videoinstallation: Robert Schweer
Kostüme: Esther Geremus

Mit
Denis Geyersbach
Claudia Hübbecker
Anna Kubin
Wolfram Rupperti
Pierre Siegenthaler
Susanne Tremper
 
Aufführungsdauer: 1 ½ Stunden, keine Pause
Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag Theater & Medien, Frankfurt / Main

www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

 


Stand: 16.04.2010

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