Goldene Amtskette des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin

Oberbürgermeister Ulrich Scholten mit Amtskette. 14.02.2017 Foto: Walter SchernsteinEin Tag besonderer Bedeutung in der Geschichte unserer Heimatstadt war der 6. November 1961. An diesem Tage wurde dem damaligen Oberbürgermeister der Stadt Mülheim an der Ruhr, Heinrich Thöne, eine von den Rheinstahl Eisenwerken Mülheim/Meiderich AG gestiftete Amtskette durch deren Direktor Wiedenhoff überreicht. Der Bedeutung der Feierstunde entsprechend, an der der Rat der Stadt und Herren der Direktion und des Aufsichtsrates der Stifterin teilnahmen, war ein festlicher Rahmen gewählt worden.

Im Anschluss an eine nichtöffentliche Sitzung der Stadtverordneten nahm Oberbürgermeister Thöne in dem folgenden öffentlichen Teil der Ratssitzung mit dem feierlichen Akt, dem einzigen Punkt der Tagesordnung, die neue Amtskette in Empfang, die in Zukunft bei besonderen Anlässen das Stadtoberhaupt getragen werden sollte. Eine mehrteilige goldene Kette, die von fünf verschiedenen Emblemen unterbrochen ist, trägt als Hauptteil das Wappen der Stadt in einem 12 Zentimeter hohen Schild. In Emailschmelzarbeit sind die einzelnen heraldischen Zeichen aus der Geschichte der Stadt, aus denen sich das Stadtwappen zusammensetzt, in Gold gebettet.

Die ersten beiden Symbole, denen Mülheim einen bedeutenden Teil seiner wirtschaftlichen Größe verdankt: Kohle und Stahl, werden mit dem Stadtwappen durch eine siebenfache Kette verbunden. Die Fassungen der beiden Symbole sind wie bei kostbaren Edelsteinen gehalten. Eine fünfgliedrige Kette  führt zu zwei weiteren Symbolen: einen Ruhraak und das Zeichen E M M (Eisenwerke Mülheim/Meiderich). Die Ruhraaks waren es, die vor Zeiten schon unsere Heimat in der weiten Welt als Schifferstadt bekannt und berühmt gemacht haben. Die Segel des auf schwarzem Gold gebetteten Ruhraaks sind aus Silber getrieben.

In 1994 besuchten die damalige Herzogin von Kent von Kent und der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau die Mülheimer Landesgartenschau (MüGa). Obebürgermeisterin a.D. Eleonore Güllenstern empfing die Gäste und machte mit Ihnen einen Rundgang durch die MüGa.

In 1994 besuchten die damalige Herzogin von Kent und der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau die Mülheimer Landesgartenschau (MüGa). Oberbürgermeisterin a.D. Eleonore Güllenstern empfing die Gäste und machte mit ihnen einen Rundgang durch die MüGa. Sie trug zu diesem Anlass die Goldene Amtskette.

Fotos: Walter Schernstein

Dem Aak gegenüber ist das Zeichen der Stifterin dieser Kette eingefügt und in gleicher symbolischer Form ausgeführt, das Zeichen „E M M“. Ganz entscheidend haben diese Werke seit der Gründung ihrer Vorgängerin, der Dinnendahls Hütte im Jahre 1820, zum Aufstieg und der Entwicklung der Stadt Mülheim und durch ihre weltweiten Verbindungen nicht wenig zum Ruhme der Stadt in aller Welt beigetragen.

Durch eine nochmals fünffache Gliederkette gehalten, zeigt das Rückenschild die alte „Friedrich Wilhelms-Hütte“ aus der Zeit um 1850, eine Silhouette von der Ruhrseite aus, wobei die Ruhr und der Rauch der Schlote ebenfalls in Silber ausgeführt sind.

In den Kunstwerkstätten der Goldschmiedemeisterin Professor Elisabeth Treskow (gestorben 1992), Köln, die auch als Dozentin an der Kölner Werkschule tätig war und unter anderem auch die Meisterschale des Deutschen Fußballbundes, die sogenannte „Salatschüssel“ anfertigte, ist die Kette in fachmännisch gediegener Arbeit in fast 1.000 Arbeitsstunden entstanden. Nicht nur durch den Wert ihres edlen Materials, sondern auch durch die prachtvoll gelungene Ausführung der schwierigen Technik und ihre künstlerische Vollendung zeichnet sich die neue Amtskette aus. Sie reiht sich damit würdig ihrer Vorgängerin an, der goldenen Amtskette, die im Jahre 1909 Oberbürgermeister Dr. Paul Lembke von den Stadtverordneten überreicht wurde.

Verleihung des Ehrenringes der Stadt Mülheim an der Ruhr durch Oberbürgermeister Ulrich Scholten an Dr. Otmar Schuster. Kammermusiksaal, Stadthalle. 04.12.2016 Foto: Walter Schernstein

Verleihung des Ehrenrings der Stadt Mülheim an der Ruhr durch Oberbürgermeister Ulrich Scholten an Dr. Otmar Schuster am 4. Dezember 2016.

Die Stadtverordneten hatten am 5. Mai 1908 aus Anlass der Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr beschlossen, dem Oberbürgermeister eine goldene Amtskette zu überreichen. Nach Genehmigung durch „Allerhöchste Stelle“ durfte sie als besondere Auszeichnung angesehen und bei besonderen Gelegenheiten angelegt werden. Im Februar des nächsten Jahres war die Kette fertiggestellt und wurde dem Oberbürgermeister am Donnerstag, dem 4. Februar 1909 feierlich überreicht. Aus 18-karätigem Gold war sie nach dem Entwurf des Dresdener Professors Groß hergestellt. Der Mülheimer Juwelier Perschel, auf der Kettenbrückstraße, fertigte sie an und seine Arbeit fand sowohl die begeisterte Zustimmung aller Stadtverordneten als auch des Professors Groß, der die sorgsame Ausführung lobte.

Sie war in strengem Renaissancestil gehalten. In abwechselnd länglichen und runden Gliedern waren Achate in grauer und rosa Farbe eingebettet. Die facettierte Kettenverbindung trug als Haupt- und Mittelstück das Mülheimer Stadtwappen in Email-Schmelzverfahren. An einem Hänger befestigt war aus reinem Dukatengold das Bildnis des damaligen Kaiser Wilhelm II. als Landesvater. Eingerahmt von vier rosa Achaten gab es diesem „echt männlichen Schmuck“ eine besondere Wirkung, heißt es in einem zeitgenössischen Bericht.

Die guten Wünsche, die bei der Überreichung dieser Kette zum Ausdruck gebracht wurden, haben sich leider nicht erfüllt. Nur wenige Jahre war sie würdige Zierde des Oberbürgermeisters.

Oberbürgermeister, Amtskette 24.03.2017 Foto: Walter SchernsteinDer erste Weltkrieg und all seine Nöte brachten sehr schnell ihr Ende. Sie wurde eingeschmolzen unter dem Leitwort der Befreiungskriege „Gold gab ich für Eisen“.

Ob diese 1909 verliehene Amtskette bereits die zweite Kette der Mülheimer Oberbürgermeister gewesen ist, steht nicht eindeutig fest. Hartnäckig hält sich die Ansicht, dass bereits der Amtsvorgänger Dr. Lembkes, Bürgermeister Karl von Bock und Polach (1879 – 1902), eine solche Amtskette getragen haben soll. Authentische Unterlagen darüber liegen nicht vor. Kein Dokument weist sie nach und kein Bild zeigt den Bürgermeister mit derselben. Vielleicht wird sich eines Tages das Dunkel, das über dieser Kette liegt und in das sie auch verschwunden sein soll, lichten.

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Stand: 24.05.2017

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