Mülheimer Bodenschätze

Wasser muss sauber sein, denn es wird getrunken. Luft muss rein sein, denn sie wird geatmet. Dass erst ungestörter Boden mit seinen vielfältigen natürlichen Funktionen klares Wasser und reine Luft ermöglicht, ist außerhalb von Fachkreisen kaum bekannt. Dieses war für den Stab für kommunale Entwicklungsplanung und Stadtforschung neben gesetzlichen Erfordernissen Anlass genug, das Projekt "Mülheimer Bodenschätze" zu initiieren und der allgemeinen Öffentlichkeit zu präsentieren. "Unser Ziel ist, die Mülheimer für einen bewussten und gewissenhaften Umgang mit der Ressource Boden zu sensibilisieren", fasst Rolf Hornbostel, Leiter des Stabes, zusammen.

Dabei sei der Name des Bodenschutzkonzeptes "Mülheimer Bodenschätze" Programm, erläutert Projektleiterin Ulrike Marx. "Wir möchten den Boden nachhaltig im Bewusstsein der Mülheimer Öffentlichkeit als schützens- und schätzenswerte Lebensgrundlage verankern, um so einen verantwortungsvollen Umgang mit Böden im alltäglichen wie auch dem planerischen Handeln zu etablieren", so Marx weiter. "Planern, politisch Verantwortlichen, wie auch der allgemeinen Bevölkerung soll ein Rahmen und ein Instrument gegeben werden, Bodennutzung nachhaltig, effektiv und transparent voran zu bringen und Flächen mit schutzwürdigen Böden zu bewahren. Die Ergebnisse der fachlichen Bewertung werden in einem für Jedermann verständlichen Planwerk interaktiv verfügbar gemacht. Ob Stadtplaner oder Hobbygärtner - jeder kann auf Grundlage dieses Planwerkes seinen Beitrag zum Erhalt der sensiblen Umweltressource leisten. "
Erste Karten kündigt der Stab für Ende 2007 an.

Parallel zu den fachlichen Aspekten des Bodenschutzes, sieht das Konzept Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit vor. Hornbostel bringt es auf den Punkt: "Der Boden hat ein Imageproblem." "Dreck" sei die häufigste Umschreibung dieses Multifunktionstalentes. Boden in seiner Vielfalt und seiner Bedeutung in unserer Umwelt, aber auch seiner Schönheit, sei weitgehend unbekannt. Dafür habe er sogar Verständnis, wo der Boden doch in der Regel unsichtbar unter unseren Wiesen, Wäldern, Straßen und Häusern verborgen sei.

Entsprechend lautet das Motto des Maßnahmenpaketes: "Erst was man kennt, kann man auch bewusst wahrnehmen und schützen."

Herzstück des Paketes sind elf im Stadtgebiet verteilte Bodenstationen. Dabei handele es sich nicht um einen klassischen Bodenlehrpfad, sondern um künstlerisch gestaltete und mit allen Sinnen erlebbare Bodenwerke. "Wir wollen den Boden an die sicht-, fühl-, ja sogar hörbare Oberfläche holen: Begehbare Bodenprofile, eindrucksvolle Riesenabbildungen, künstlerisch gestaltete Bodensäulen und Plastinate gehören ebenso zum Programm, wie in reizvoller Landschaft integrierte Sprechautomaten aus denen lyrische Gedanken zum Thema Boden angeboten werden. Ganz nebenbei werden viele bodenkundliche Themen wie Bodenbildungsprozesse oder menschliche Nutzungseinwirkungen aufgegriffen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern eher zufällig entdeckbar, spannend und neugierig machend.", verspricht die Projektleiterin. Vertieft werden könne das Wissen über weiterführende Angebote, wie das Internet, Broschüren oder sonstige Veröffentlichungen.

Unter dem Leitsatz "Gemeinsam Boden gut machen!" engagieren sich zur Zeit das Baustoffzentrum Harbecke GmbH und die Mülheimer VerkehrsGesellschaft mbH finanziell an dem Projekt. Mit Hilfe der zugesicherten Sponsorengelder können dieses Jahr bereits zwei Bodenstationen realisiert werden. Der Stab bemühe sich um weitere engagierte Sponsoringpartner. Dabei stehe nicht nur die finanzielle Unterstützung im Blickpunkt, sondern besonders der Vernetzungsgedanke, erläutert Hornbostel.

"Alleine ist das Projekt nicht zu stemmen. Deshalb sind wir froh, kompetente Unterstützer und Multiplikatoren für die Mülheimer Bodenschätze gewonnen zu haben. Ein so stiefmütterlich vernachlässigtes Schutzgut wie der Boden braucht viele Fürsprecher", meint der Stabsleiter und ist stolz, die Biologische Station westliches Ruhrgebiet e.V. als Partner für das Projekt gewonnen zu haben. Die Biologische Station ist aktiv, inhaltlich und fachlich an der Umsetzung der Bodenstationen beteiligt. "Natürlich liegt es in unserem Interesse, dass die Menschen die Natur vor Ihrer Haustür wertschätzen und sie für die Belange des Natur- und Umweltschutzes zu sensibilisieren. Deswegen haben wir auch nicht gezögert, uns an diesem ungewöhnlichen und spannenden Projekt zu beteiligen", so Dr. Randolph Kricke, Umweltwissenschaftler der Biologischen Station.
Zusätzlich überzeugte Frau Marx die Verantwortlichen des GeoParks Ruhrgebiet e.V., die Mülheimer Bodenschätze in die touristisch hochwertige und in Schwerte beginnende "GeoRoute Ruhr - durch das Tal des schwarzen Goldes" zu integrieren. Ursprünglich sollte dieser Bergbau- und Geologiewanderweg, mit dem auch Industriedenkmäler und nicht-geologische Sehenswürdigkeiten verknüpft werden, in Essen enden.

Unterstützung für das Projekt haben auch alle in Mülheim ansässigen Naturschutzverbände zugesichert. "Grünes Licht haben wir sowohl vom BUND, dem NABU, dem LNU und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald."

Abgerundet wird das Projekt mit bodenkundlichen Schulprojekten. Schon unseren jüngsten Mitbürgern soll das Thema Boden als existenzielle Lebensgrundlage nachhaltig vermittelt werden. "Schüler sind eine unserer wichtigsten Zielgruppen, denn sie sind die Bodenakteure von Morgen", argumentiert Marx. Die ersten Schulprojekte mit spannenden Exkursionen und Experimenten sind für diesen Herbst durchführbar. Gespräche dazu führt Frau Marx aktuell mit der Gustav-Heinemann-Gesamtschule und dem Gymnasium Broich.

Weitere Informationen und Ansprechpartner zu den Mülheimer Bodenschätzen, den Möglichkeiten zur Kooperation und zum Sponsoring sowie zu aktuellen Angeboten sind unter dem Suchstichwort "Mülheimer Bodenschätze" hier auf der Homepage zu finden.  

Kontakt


Stand: 31.07.2007

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