Archiv-Beitrag vom 06.08.2013"Eisern sparen Ja, Kaputtsparen Nein"

Strukturschwache Kommunen machen ihre Hausaufgaben und fordern erneut "Hilfe zur Selbsthilfe"

"Das Führen einer strukturschwachen Stadt wird für jeden Oberbürgermeister und jedes Ratsmitglied immer schwieriger. Die dramatischen Finanzprobleme der meisten Kommunen in Nordrhein-Westfalen sind trotz des Stärkungspaktes ‚Stadtfinanzen‘ des Landes und der Bundeshilfe bei der Entlastung von Sozialausgaben nicht wirklich gelöst. Überall vor Ort wird seit Jahren eisern gespart. Viele Kommunen sind inzwischen wie ausgepresste Zitronen. Dringend notwendig und dauerhaft wirksam ist nur eine umfassende Neuordnung der Kommunalfinanzen in der kommenden Legislaturperiode des Deutschen Bundestages."
Diese Zustandsbeschreibung gibt die langjährige Mülheimer Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (SPD), die gemeinsam mit ihrem Wuppertaler Amtskollegen Peter Jung (CDU) als Sprecher des Aktionsbündnisses "Raus aus den Schulden / Für die Würde unserer Städte" fungiert. Dieses Bündnis strukturschwacher Kommunen aus dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land, denen sich auch Mönchengladbach angeschlossen hat, fordert seit Jahren im Verteilungskampf um Steuermittel von Land- und Bund die im Grundgesetz verankerte ausreichende kommunale Finanzausstattung. Sie ist den deutschen Kommunen seit Jahrzehnten versprochen, jedoch nie umfassend realisiert worden.

Kämmerer Bonan bei der Fachtagung des Aktionsbündnisses Raus aus den Schulden, Messe Essen. 19.02.2010 Foto: Walter SchernsteinDazu Oberbürgermeisterin Mühlenfeld und Kämmerer Uwe Bonan: "Der Vergleich mit der ausgepressten Zitrone gilt auch für unsere Stadt. Sparen bleibt bei uns wie in allen anderen Kommunen unseres Aktionsbündnisses noch lange oberstes Gebot. Weil Kaputtsparen allerdings den Tod der kommunalen Selbstverwaltung bedeutet und damit unser gesamtes politisches System bedroht, hoffen wir auf weitere Unterstützung durch Bund und Land. Uns geht es um Hilfe zur Selbsthilfe!"

Dass nahezu alle nordrhein-westfälischen Kommunen in den letzten Jahren enorme eigene Sparanstrengungen realisiert haben, bestätigten jüngste Berechnungen der Gemeindeprüfungsanstalt GPA, vorgetragen beim Fachverband der Kämmerer in Nordrhein-Westfalen. Sie beziffern den kommunalen Konsolidierungsbeitrag allein in den vom Stärkungspakt Stadtfinanzen profitierenden Städten und Gemeinden auf 5 Milliarden Euro. Er setzt sich zusammen aus bereits vollzogenen beziehungsweise geplanten Effizienzsteigerungen bei der Personalwirtschaft - insbesondere Personalabbau, steigender Gewinnabführung aus kommunalen Beteiligungen und höheren Grund- und Gewerbesteuern.

In Mülheim an der Ruhr ergibt sich durch die beschlossenen Haushaltssicherungskonzepte 2010 ff und 2012 ff. sowie die beschlossene HSK-Fortschreibung für 2013 ff. ein Gesamteinsparpotenzial im Jahre 2022 in Höhe von rund 90,4 Millionen Euro zur Sanierung der Stadtfinanzen. Dabei verdeckt der Blick auf die reinen Zahlen zum Personalabbau (bis 2022 rund 18 Mio. Euro), dass die Kommunen im gleichen Zeitraum durch Bundes- und Leistungsgesetze gezwungen wurden, zusätzlich Personal einzustellen - so beim Ausbau der Kitas, der U3-Betreuung oder der Verschärfung der Brandschutzrichtlinien.

Konkret mussten die Kommunalpolitiker der verarmten Städte mit der Streichung sogenannter "freiwilliger Leistungen" viele unpopuläre Beschlüsse fassen. Sie zwingen die Bürger auf der einen Seite stärker zur kommunalen Kasse und schränken auf der anderen Seite gleichzeitig die  Lebensqualität oft massiv ein. Beispielsweise durch Schließungen von Bädern, drastischer Einschränkung des kulturellen Angebots, Aufgabe von Jugendeinrichtungen und Stadtteilarbeit sowie dauernden Ärger über marode Straßen und Brücken.

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Stand: 06.08.2013

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