Archiv-Beitrag vom 05.03.2014Frühes Fördern von Anfang an!

Archiv-Beitrag vom 05.03.2014Frühes Fördern von Anfang an!

Familienhebammen sind wichtige Bausteine im Netzwerk Frühe Hilfen

Das Familienhebammenteam veranstaltete am 5. März 2014 die zweite Fachtagung der Familienhebammen. Unter dem Motto „Frühes Fördern von Anfang an“ trafen sich etwa 120 Fachleute aus Geburtskliniken, Schwangerschaftsberatungsstellen, Ärzte, Mitarbeiter von Kindertagesstätten, vom Arbeitskreis Jugendhilfe und viele weitere auf Einladung der Leiterin, Jennifer Jaque-Rodney in der Stadthalle. Zentrales Thema war die „Bindungsfähigkeit“ von Eltern und Kindern.

Familienhebammen. 2. Fachtagung - Frühes Fördern von Anfang an. Für einen guten Start ins Leben. Stadthalle. 05.03.2014 Foto: Walter Schernstein

In seiner Begrüßung und Eröffnungsrede betonte Ulrich Ernst, Dezernent für Bildung, Soziales, Jugend, Gesundheit, Sport und Kultur (Foto links): „"Frühes Fördern von Anfang an" ist der Titel der diesjährigen Mülheimer Fachtagung der Familienhebammen und des Netzwerkes Frühe Hilfen. Dafür haben wir in Mülheim an der Ruhr eine breite Angebotspalette, weil wir wissen, wie wichtig die individuelle Förderung von Anfang an für die Entwicklung der Kinder ist. Gemeinsam wollen wir ihnen einen gesunden und guten Start ins Leben ermöglichen.
Familienhebammen sind für die Frühen Hilfen besonders wichtig, denn gerade nach der Geburt eines Kindes sind Eltern oft dankbar und offen für Angebote, die sie unterstützen. Am Anfang der Elternschaft sind viele Eltern verunsichert und wollen alles richtig machen."

Désirée Frese, Referentin der Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen betont:
“Das Ziel ist, Fachkräfte in die regionalen Netzwerke der Frühen Hilfen besser einzubeziehen, Unsicherheiten und Überforderungen von jungen Eltern bereits rund um die Geburt zu erkennen und passgenaue Unterstützung anzubieten, damit alle Kinder von Anfang an gute Chancen auf eine gesunde Entwicklung haben.

Eindrucksvolle Bilder und Erzählungen

Die Erzählung einer jungen Mutter über ihre Unsicherheiten in der Schwangerschaft und nach der Geburt zeigen, wie wichtig und sinnvoll es ist, die Stimmen der Frauen zu hören. „Ich konnte immer anrufen oder in den Sprechstunden vorbeikommen. Meine Ängste, Fragen und Unsicherheiten wurden immer bedient... Sie waren oft für mich da, und jetzt fühle ich mich sicher im Umgang mit meinem kleinen Florian."
Einige Gäste aus dem Publikum haben zurückgemeldet: „Ich hatte eine Gänsehaut, während die Mutter uns erzählte, wer sie ist und von wo sie gekommen ist“.
„Alleine zu sein ist eine riesige Herausforderung für viele Frauen.“

Abschließend berichteten die Familienhebammen Ursula Giwa und Desiree von Bargen darüber, wie sie mit „Hilfe zur Beziehung in unsicheren Lebenssituationen" sowie mit praktischer Unterstützung die Frauen und Familien in Mülheim bis zum ersten Geburtstag des Kindes begleiten. Mit eindrucksvollen Bildern der Familienhebammen und Kooperationspartner wurde die Fachtagung beendet.

„Mit den Ergebnissen unserer zweiten Fachtagung sind wir sehr zufrieden“, konstatiert Jennifer Jaque-Rodney, selbst ausgebildete Familienhebamme. „Sie zeigen, dass wir die Frauen erreichen, die wir erreichen wollen und auch zum richtigen Zeitpunkt. Hilfe zur Beziehung, um die Frauen dort abzuholen, wo sie im Moment stehen, ist unser Ansatz hier in Mülheim. Uns geht es darum, die Frauen und Familien zu erreichen, die auf ihrem Weg in einen neuen Lebensabschnitt sind und häufig im System übersehen werden, die sogenannten unsicheren Familien. Sie fühlen sich aufgrund der neuen Lebensphase verunsichert und fragen sich, wie die Versorgung und Bindung zu ihrem Kind gut gelingen kann. Die Lebensumstände dieser Frauen sind häufiger von prekären Finanzsituationen bestimmt, sie sind eher von Erwerbsproblemen betroffen und weniger in familiäre Netzwerke eingebunden. Auch erschließt sich ihnen nicht immer der Zugang zu Ämtern/Behörden, Beratungsstellen und Familienbildungsstätten. Diese Frauen und Familien unterstützen wir, bestärken sie in ihrer neuen Rolle und vernetzen sie mit weiterführenden Angeboten“.

Familienhebammen. 2. Fachtagung - Frühes Fördern von Anfang an. Für einen guten Start ins Leben. Stadthalle. 05.03.2014 Foto: Walter Schernstein

v.r.n.l.: Sozialdezernent Ulrich Ernst, Jennifer Jaque-Rodney, Ursula Giwa und Desirée von Bargen. (Fotos: Walter Schernstein)

Familienhebammen sorgen für gesunde Eltern-Kind-Bindung

Eine harmonische, vertrauensvolle Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind beruht weder auf Zufall noch auf persönlichem Glück. Bereits einfache praktische Handlungen können die Bindung zwischen Eltern und Kindern positiv fördern und Nähe und Geborgenheit signalisieren.

Um Müttern und Eltern das wichtige Konzept Eltern-Kind-Beziehung nahe zu bringen, bieten die Familienhebammen seit 2011 in Mülheim ein umfassendes und kostenfreies Beratungsangebot an. Auf freiwilliger Basis nehmen zurzeit etwa 60 Familien und etwa 100 Frauen das Angebot wahr. Die Familien werden bis zum ersten Lebensjahr des Kindes, in der Regel einmal in der Woche, von den Familienhebammen zu Hause besucht und in den eigenen Wänden beraten. „Nachhaltige Ergebnisse können nur erzielt werden, wenn der Austausch regelmäßig stattfindet“, so Jennifer Jaque-Rodney. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen ist es ihr Ziel, unerfahrenen Familien Sicherheit im Umgang mit ihren Kindern zu vermitteln. „Eltern müssen lernen, ihr Kind zu ‚lesen‘, zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren“, so die engagierte Projektleiterin. Die Begleitung im Alltag stellt eine große Hauptaufgabe der Einrichtung dar. Eine weitere die Koordinierung von Netzwerken, die zum Ziel hat, Angebote zu bündeln, transparenter, sichtbarer und greifbarer zu machen. Von diesem Synergie-Effekt sollen die Einwohner Mülheims profitieren, denn nur „wenn die einzelnen Projekte aufeinander abgestimmt werden und zusammenwirken, ist das Gesamtangebot stimmig“, so Sozialdezernent Ulrich Ernst.

Dass die Angebote der Familienhebammen in der Mülheimer Bevölkerung angenommen und gebraucht werden, zeigt auch eine von Thomas Groos (Zentrum für Interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung der Ruhr-Universität Bochum, ZEFIR) erstellte Evaluation. „Die Abbruchquote ist sehr gering“, so der Statistiker, der für seine Studie Zahlen aus dem Jahr 2012 sowie Daten der Schuleingangsuntersuchungen aus den Schulen herangezogen hat. „Wer das Angebot kennenlernt, nimmt es auch kontinuierlich wahr.“ Weiterhin konnte festgestellt werden, dass das Angebot die Mütter erreicht, die insbesondere erreicht werden sollen: junge Mütter, Mütter mit Migrationshintergrund, Mütter, die im SGB II-Bezug stehen oder Alleinerziehende. Viele Familien und Frauen, die das Angebot wahrnehmen, haben besondere Lebensumstände, die Herausforderungen für sie und ihre Kinder bedeuten.

Zertifizierung als Partner aus dem Gesundheitswesen

Das Mülheimer Familienhebammenteam ist seit letztem Jahr zertifizierter Kooperationspartner der Hochschule für Gesundheit in Bochum (hsg).
Diese Zertifizierung bestätigt, dass die Mülheimer Familienhebammen als Partner aus dem Gesundheitswesen die in den Kooperationsverträgen festgelegten hohen Qualifikationsanforderungen der hsg erfüllen.
Das Qualitätssiegel der hsg bedeutet auch, dass der Mülheimer Hebammenladen als akademischer Studienort für Studierende der hsg anerkannt wird. "Darüber und auch auf die Zusammenarbeit mit der hsg freuen wir uns sehr", so Jennifer Jaque-Rodney. Die Kooperation mit der Hochschule für Gesundheit in Bochum ist einmalig. "Darauf sind wir sehr stolz!", erklärt sie.

Ausruhen wird sie sich auf den Erfolgen jedoch nicht, denn Jennifer Jaque-Rodney hat bereits Ideen für die nächsten Jahre. „Wir möchten noch präsenter werden um für schwer zu erreichende Familien oder Mütter da zu sein“. So sind beispielweise Besuche in Moscheen geplant, um gezielt auf Frauen mit türkischer oder arabischer Abstammung zuzugehen, die von sich aus vielleicht nicht aktiv geworden wären.

Das Familienhebammenprojekt Mülheim an der Ruhr wird gefördert durch die Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ sowie durch die Leonhard-Stinnes-Stiftung.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Seite der Familienhebammen Mülheim an der Ruhr. Allgemeine Informationen sind auf der Internetseite www.familienhebammen.de von Jennifer Jaque-Rodney bereitgestellt.

Kontakt


Stand: 06.03.2014

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