Ausstellungen Aktuell

LAAS ABENDROTH. LANGEWEILE HEUTE
2. Oktober bis 22. November 2020
Donnerstag, 1. Oktober 2020, 18 Uhr im KUNSTMUSEUM TEMPORÄR*

Im Gegensatz zur Muße oder zum Flow-Zustand, dem völligen Aufgehen in einer Tätigkeit, wird Langeweile als unangenehm, schwer erträglich oder gar als quälend empfunden. Die existenzielle Dimension der Langeweile hebt der Literat, Naturwissenschaftler und Philosoph Blaise Pascal in folgender Äußerung hervor: „Nichts ist so unerträglich für den Menschen, als sich in einer vollkommenen Ruhe zu befinden, ohne Leidenschaft, ohne Geschäfte, ohne Zerstreuung, ohne Beschäftigung. Er wird dann sein Nichts fühlen, seine Preisgegebenheit, seine Unzulänglichkeit, seine Abhängigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere.“

„Mir ist voll langweilig“, diesen Ausruf stößt Laas Abendroth (geboren 1967 in Mülheim an der Ruhr) in seinem Filmprojekt Tempo povero vor wechselnden Orten und Kulissen aus. Seit 2007 ist diese unvollendete Arbeit auf etwa 1.500 kurze Filme (3 Sekunden) angewachsen. Ob auf der Biennale in Venedig, im Stau oder in der eigenen Ausstellung, neue Orte oder Situationen werden gefilmt und entsprechend kommentiert. Angesichts wechselnder Kulissen wird schnell deutlich, dass die Langeweile nicht aus fehlenden Reizen resultiert, sondern ohne erkennbaren Grund von Innen kommt.

Der Grat zwischen Selbstreflektion und Selbstinszenierung, auf dem Laas Abendroth balanciert, ist recht schmal. So kann der durchaus gewollte Eindruck entstehen, dass das Künstlerleben weniger aufregend ist als gedacht. Künstler sein – langweilig sein, so lautet der Titel einer Schriftarbeit. Zentral in seinem Werk ist die hintersinnige Befragung der Kunst in ihrer Stellung in der Gegenwart.

Künstler sein  langweilig sein 2009, Mischtechnik auf LW, gerahmt 38 x 68 cm, Künstlerpreis City Artist für Laas Abendroth - Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, Copyright Foto: Laas Abendroth

Die Sprache, reduziert auf einzelne Worte, fungiert als künstlerisches Mittel, als Gegenstand der Darstellung oder als Anstoß zur Provokation. Seit 1994 arbeitet Abendroth, der laut seiner selbstverfassten Vita die Kunstakademie übersprungen hat, freiberuflich als bildender Künstler. Eine freundschaftliche Zusammenarbeit verband den als Musiker ausgebildeten Künstler mit dem verstorbenen Christoph Schlingensief, wie Abendroth aus dem Ruhrgebiet stammend. Als anregend für Abendroths Einstieg in die bildende Kunst und seine Auseinandersetzung mit Sprache und Zeit erwies sich die Fluxus-Bewegung mit Namen wie John Cage oder Ben Vautier.

Langeweile und die Reflexion über das Künstler-Dasein verbinden sich eindrücklich in der Plakat-Serie Langeweile Heute von 2019. Ein Jahr lang widmete sich Laas Abendroth der Erforschung der Langeweile. Tag für Tag brachte er Ideen und Themen zu Papier, die das Potenzial haben, Langeweile zu erzeugen. In manchmal krakeliger Schrift notiert, können die einzelnen Plakate als privates Statement des Künstlers, aber darüber hinaus auch im zeitdiagnostischen Sinne verstanden werden.

Ausstellung Laas Abendroth. Langeweile heute. Das Bild zeigt ein Plakat mit dem Schriftzug Langeweile heute. Keiner der da stört. - Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr. Copyright 2020 VG Bild-Kunst, Bonn, Copyright Fotos: 2020 Laas Abendroth

Im Werk Abendroths sind die Arbeiten zur Langeweile eingebunden in seine künstlerische Reflexion des Künstler-Seins und der Zeit. Diese Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Vergänglichkeit hat zu der neuen Werkgruppe der Urnen geführt, nach eigenen Entwürfen hergestellt und gestaltet.

Nach mehreren Ausstellungsbeteiligungen richtet das Kunstmuseum im MUSEUM TEMPORÄR dem Künstler eine Einzelausstellung aus. In dieser Präsentation werden Schriftbilder, eine Auswahl aus der Plakat-Serie Langeweile Heute, sein Filmprojekt Tempo Povero und auch Urnen vorgestellt.

Mit dieser Ausstellung begeht Laas Abendroth ein besonderes Jubiläum: Sämtliche der in 25 Jahren entstandenen Multiples werden in einer eigenen Vitrine präsentiert.

Künstlergespräch:
Sonntag, 22. November 2020, 11 Uhr
Da die Teilnehmerzahl aufgrund der aktuellen Situation begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung unter Telefon 0208 / 455 4138 oder per E-Mail versenden

*Aufgrund der aktuellen Situation bieten wir zur Eröffnung Zeitfenster für jeweils 10 Personen an. Bitte melden Sie sich an unter Telefon 0208 / 455 4171 oder per E-Mail versenden.


Stand: 28.09.2020

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